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Hypericum ist Imipramin ebenbürtig

Datum 30.10.2000  00:00 Uhr

Hypericum ist Imipramin ebenbürtig

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Die Wirksamkeit von Johanniskraut als Antidepressivum wird seit mehreren Jahrzehnten untersucht. Momentan existieren hierzu 23 Studien. In kürzlich durchgeführten direkten Vergleichsstudien mit Amitriptylin, Imipramin oder Maprotilin konnte stets eine Wirksamkeit gezeigt werden. Das Design dieser Arbeiten, die Methoden und die statistischen Analysen wurden jedoch häufig kritisiert.

Eine kürzlich im British Medical Journal veröffentlichte randomisierten, doppelblinde Multicenterstudie vergleicht die klinische Wirksamkeit eines Hypericumextrakts mit der empfohlenen Dosis des Standard-Antidepressivums Imipramin (150 mg). Auf Grund der großen Patientenzahl entspricht die Arbeit auch aktuellen Anforderungen an die Methodik.

Insgesamt erhielten 324 ambulante Patienten mit milder bis moderater Depression entweder zweimal täglich 75 mg Imipramin oder 250 mg Johanniskrautextrakt (Remotiv*) über einen Zeitraum von sechs Wochen. Der Therapieerfolg wurde mittels des Hamilton-Depressionsscores sowie zwei weiterer Bewertungskriterien beurteilt.

Bei den 157 Patienten, die Johanniskraut erhielten, sank der Hamilton-Depressionsscore von 22,4 auf 12, bei den 167 Patienten in der Imipramin-Gruppe von 22,1 auf 12,75. Die klinische Beurteilung durch die Therapeuten sowie die Selbsteinschätzung der Patienten war in beiden Gruppen positiv, ergab jedoch keinen signifikanten Unterschied zwischen beiden Gruppen. Der mittlere Score auf der Angst-Somatisierungs-Subbewertungsskala des Hamilton-Scores ergab einen signifikanten Unterschied zugunsten der Johanniskraut-Gruppe (3,79 versus 4,26).

Die Patienten beurteilten auch die Verträglichkeit des Johanniskrautextrakts als günstiger. Nebenwirkungen traten bei 39 Prozent der Patienten in der Johanniskraut- und bei 63 Prozent der Patienten in der Imipramin-Gruppe auf. 3 Prozent der Patienten in der Johanniskraut- und 16 Prozent der Patienten in der Imipramin-Gruppe brachen die Therapie ab.

Quelle: Woelk, H., et al., The Remotiv/Imipramine Study Group. BMJ 321 (2000) 536 - 539. Top

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