| Paulina Kamm |
| 13.02.2026 16:20 Uhr |
Internationale Studien belegen seit Jahrzehnten, dass Pflegefachkräfte vermeintlich ärztliche Tätigkeiten übernehmen können und sollten. Die einzige Bedingung: Deutschland muss Expertinnen zufolge erst die verpasste Akademisierung der letzten 20 bis 30 Jahre aufholen. / © Imago / Rainer Weisflog
Eine Kompetenzverschiebung im Gesundheitswesen, um Personalmangel in einzelnen Professionen – meist der ärztlichen – entgegenzuwirken, findet wiederkehrend Anklang im politischen Diskurs. Forschende analysierten nun 82 randomisiert kontrollierte Studien aus aller Welt, um herauszufinden, welche Ergebnisse Pflegefachkräfte erzielen, wenn sie im Krankenhaus ärztliche Aufgaben übernehmen.
Die Autorinnen und Autoren der Studie kamen zum Entschluss, dass vergleichsweise wenig bis kein Unterschied zwischen pflegerischer und ärztlicher Ausübung hinsichtlich verschiedener medizinischer Parameter bestehe. Je nach Fragestellung bewerten die Forschenden die Evidenz der Ergebnisse allerdings als moderat bis gering. Der Grund: Die Studien unterschieden sich stark hinsichtlich Teilnehmendenzahl, Art, Umfang der Aufgabe und dem Spezialisierungs- und Ausbildungsgrad der Pflegefachpersonen.
Das Review enthielt keine Ergebnisse aus Deutschland, denn die Akademisierung steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen. Mittlerweile gibt es zwar Weiterbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten bis hin zum Masterabschluss, allerdings kritisieren Expertinnen und Experten, dass die vergleichsweise verspätete Akademisierung lange nicht im Klinikalltag angekommen ist, geschweige denn funktioniert.
»Deutschland hat im internationalen Vergleich schlechtere Pflegepersonal-Patientenschlüssel in den Krankenhäusern, formal betrachtet eine schlechtere Ausbildung und es hat in den letzten 20 bis 25 Jahren die fachliche Pflege in den Krankenhäusern reduziert und rationiert«, so Professorin Martina Hasseler von der Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel und der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften.
Für Hasseler sind die Ergebnisse des Reviews nichts Neues: »Seit rund 20 Jahren zeigen internationale Studien konsistent, dass fachlich gut qualifizierte Pflegefachpersonen Patienten unter angemessenen strukturellen Rahmenbedingungen nicht schlechter, sondern mindestens ebenso sicher versorgen wie Ärztinnen und Ärzte – teilweise mit messbaren Vorteilen bei Komplikation und Sterblichkeit sowie Kosten«, so Hasseler. Diese internationale Evidenz werde allerdings »gekonnt ignoriert«, so Hasseler.