| Paulina Kamm |
| 13.02.2026 16:20 Uhr |
In Deutschland mangle es an einer rechtzeitigen und höheren Akademisierung, damit einhergehenden erweiterten Berufsbildern und am gesetzlichen Rahmen für die Eigenverantwortlichkeit der Pflege. Dem stimmt auch Professorin Gabriele Meyer vom Universitätsklinikum Halle zu: »Eine (Advanced) Nurse, ein Nurse Practitioner oder eine Specialist Nurse sind auf deutlich höherer Kompetenzstufe angesiedelt als die durch fachschulische Ausbildung zur Pflegefachperson in Deutschland erworbene«, so Meyer.
Die Zahl der akademisierten Pflegekräfte liegt laut Meyer unter fünf Prozent. »Schätzungen zufolge sind hier nur rund 2,5 bis 3 Prozent der Pflegefachpersonen akademisch qualifiziert, primärqualifiziert sogar deutlich unter einem Prozent«, bestätigt Hasseler. Der Pflegerat empfehle allerdings, dass 20 Prozent des Pflegepersonals einer Klinik eine hochschulische Ausbildung absolviert hat.
»Die politische Konsequenz aus diesen Ergebnissen sollte daher sein, die Pflegeaus-, -fort- und -weiterbildung zügig an das internationale Niveau anzupassen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für autonome und mitverantwortliche Versorgung durch Pflegefachpersonen zu erweitern und ein eigenständiges, verlässliches Finanzierungsmodell für pflegefachliche Leistungen zu etablieren«, so Hasseler.
Die Expertinnen sehen in dem neuen Befugniserweiterungsgesetz eine Grundlage, haben allerdings bereits heute – knapp einen Monat nach der Implementierung – Zweifel: »Schon seit 2008 sind nach dem Pflegeweiterentwicklungsgesetz genehmigungspflichtige Modellprojekte der Heilkundeübertragung möglich. Die Umsetzung ist aber bis auf ein bis zwei Ausnahmen nicht erfolgt«, so Meyer. Zusätzlich sei eine gewisse Bereitschaft für eine Befugniserweiterung Grundvoraussetzung.
Auch hinsichtlich Vergütung der pflegerischen Leistungen seien noch einige Aushandlungen offen – auch mit anderen Gesundheitseinrichtungen wie Apotheken. Was von der Politik zu wenig mitbedacht werde, sei der bereits persistierende Personalmangel in der Pflege selbst. »Übernehmen Pflegefachpersonen ärztliche Leistungen, fehlen diese qualifizierten Kolleg*innen zudem in der eigenen Berufsgruppe«, kritisiert Professorin Christiane Knecht der Fachhochschule Münster.
Professorin Katrin Balzer vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein äußert praktische Bedenken: »Aktuell mangelt es vor allem noch an Strukturen in der Praxis, damit hochschulisch qualifizierte Pflegefachpersonen diese Kompetenzen auch einsetzen können«, so Balzer. Die Hoffnung, dass der Pflegeberuf generell attraktiver wird, stirbt also bei den Expertinnen zuletzt.