| Theo Dingermann |
| 21.01.2026 09:00 Uhr |
Der NYT-Artikel nennt unter anderem Peptide mit den Kürzeln BPC-157 und TB-500, die angeblich der Geweberegeneration einen Push verleihen sollen. So steht BPC-157 für Body Protection Compound 157. Das synthetische Peptid, das sich von einem Protein aus dem Magensaft ableitet, hat tierexperimentellen Studien zufolge antiinflammatorische, wundheilungs- und gefäßneubildungsfördernde Effekte. Es wird besonders in der Bodybuildingszene häufig mit TB-500 kombiniert, einem Fragment des endogenen Signalfaktors Thymosin beta-4 , das ebenfalls die Gewebereparatur verstärken und Entzündungen reduzieren soll.
Im Umlauf sind dem Artikel zufolge auch Epitalon, das den Schlaf verbessern soll, sowie die bekannteren Peptide Oxytocin zur »sozialen Feinjustierung« sowie Retatrutid, ein noch in klinischen Studien befindlicher Tripelagonist, der nicht nur zur Gewichtsreduktion, sondern auch zur Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit eingesetzt werden könnte. Diese Anwendungen beruhen überwiegend auf anekdotischen Erfahrungsberichten, Social-Media-Diskursen und Podcasts, aber nicht auf randomisierten, kontrollierten Studien.
US-Zolldaten zeigen einen starken Anstieg der Importe derartiger Hormon- und Peptidverbindungen aus China auf rund 328 Millionen US-Dollar (283 Millionen Euro) in den ersten neun Monaten 2025, verglichen mit 164 Millionen US-Dollar (141 Millionen Euro) im Vorjahreszeitraum. Dies wird sowohl auf die im Vergleich mit verschreibungspflichtigen Präparaten deutlich niedrigeren Preise als auch auf die niedrigen regulatorischen Hürden im internationalen Handel zurückgeführt.
Anwender rekonstituieren Peptide vom Graumarkt selbst und spritzen sie sich selbst – zum Beispiel mit Insulinspritzen. / © Adobe Stock/Kawi
Anwender rekonstituieren die Peptide selbst und injizieren sie mit handelsüblichen Insulinspritzen, häufig ohne medizinische Begleitung. Medizinische und regulatorische Stimmen kommen in dem NYT-Beitrag deutlich kritisch zu Wort. So warnt die FDA vor erheblichen Sicherheitsrisiken, insbesondere durch Verunreinigungen, Dosierungsfehler und immunologische Reaktionen. Tatsächlich werden wohl auch einzelne akute Zwischenfälle geschildert, darunter Hospitalisierungen nach Peptidinjektionen auf sogenannten Anti-Aging-Events.
Fachleute wie der Kardiologe Professor Dr. Eric Topol oder der Harvard-Professor für Medizin und Bioethik Dr. Aaron Kesselheim betonen, dass der Erfolg der GLP-1-Therapie unzulässig auf eine Vielzahl biologisch und funktionell völlig unterschiedlicher Peptide extrapoliert werde. Aus wissenschaftlicher Sicht fehle es nahezu vollständig an solider Evidenz zu Wirksamkeit, Sicherheit und Langzeitfolgen. Topol bringt es auf den Punkt: Der Gebrauch derartiger Substanzen sei unbegründet und leichtsinnig.
Die FDA kennzeichnet zahlreiche Peptid-Bulk-Substanzen als potenzielle Sicherheitsrisiken, darunter BPC-157, Cathelicidin LL-37, Emideltid (DSIP), Epitalon, injizierbares GHK-Cu sowie das Thymosin-beta-4-Fragment LKKTETQ, bei denen Bedenken hinsichtlich Verunreinigungen, Immunreaktionen, ordnungsgemäßer Charakterisierung oder unerwünschter Ereignisse angeführt wurden. Andere Peptide, darunter CJC-1295 und Ipamorelin-Acetat, werden von der FDA separat mit gemeldeten schwerwiegenden Ereignissen gekennzeichnet.
Im Leistungssport verbietet die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) viele Peptide, darunter CJC-1295 und Ipamorelin, als Verbindungen, die die Ausschüttung von Wachstumshormonen bewirken (sogenannte Wachstumshormon-Sekretagoga). Über die Sanktionen im Sport hinaus signalisiert dieses Verbot, dass die Substanzen die Physiologie erheblich verändern können und daher ein Risiko darstellen.