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Riskante Selbstoptimierung
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Peptid-Hype in Tech-Kreisen

Einige Biohacker, gerade aus der Tech-Branche, zeigen hohe Experimentierbereitschaft bei der Selbstoptimierung. Ein neuer Trend ist die Injektion von Peptiden, meist aus chinesischen Quellen, die weder zugelassen noch geprüft sind.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 21.01.2026  09:00 Uhr

In der »New York Times« (NYT) erschien am 3. Januar ein Feature mit dem Titel: »Chinesische Peptide sind der neueste Biohacking-Trend in der Tech-Welt«. Laut dem Artikel »überschwemmen« die Medikamente vom Graumarkt Silicon Valley und »offenbaren eine Gemeinschaft, die glaubt, schneller handeln zu können als die FDA«. Geschildet wird der rasante Aufstieg sogenannter chinesischer Peptide als Biohacking-Trend in der Tech-Szene. Eine technikaffine, meist junge Elite aus Start-up-Gründern, Investoren und KI-Entwicklern scheint diese unregulierten Produkte als Werkzeuge radikaler Selbstoptimierung zu begreifen.

Bei den Peptiden handelt es sich um mehr oder weniger kurze Aminosäureketten, die außerhalb regulierter Arzneimittelmärkte, häufig direkt von chinesischen Herstellern bezogen und in Eigenregie angewendet werden. Zwar haben die meisten dieser Peptide einen natürlichen Ursprung und eine bekannte physiologische Funktion. Aber in kaum einem Fall sind  die Qualität oder die Konsequenzen einer Substitution dieser Peptide beim Menschen bekannt.

Einzelne Peptide mit Zulassung

Ausgelöst wurde der Hype durch zugelassene GLP-1-Agonisten wie Semaglutid oder den dualen GLP-1/GIP-Agonisten Tirzepatid, die als Antidiabetika, aber auch zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden. Diese sind klinisch gut untersucht und basieren auf kontrollierten, durch den Zulassungsprozess genehmigten Herstellungsverfahren.

Neben diesen sind noch wenige weitere Peptide von der US-amerikanischen Aufsichtsbehörde FDA zugelassen, darunter Semorelin, ein synthetisches Analogon des natürlich vorkommenden Somatoliberins (Wachstumshormon-freisetzendes Hormon, GHRH). Semorelin besteht aus den amidierten ersten 29 Aminosäuren von GHRH und wird im Off-Label-Gebrauch zur Förderung des Muskelaufbaus, des Fettabbaus und der Wundheilung sowie als Anti-Aging-Wirkstoff gespritzt.

Tesmorelin ist eine synthetische Form des GHRH, die zur Behandlung von HIV-assoziierter Lipodystrophie von der FDA zugelassen ist. Hierbei handelt es sich um ein synthetisches Peptid, das aus allen 44 Aminosäuren des menschlichen GHRH besteht, das am N-Terminus mit einer trans-3-Hexensäuregruppe verknüpft ist.

Schließlich ist Thymosin Alpha 1 ein Peptidfragment, das aus Prothymosin-α stammt. Es war das erste Peptid aus der Thymosin-Fraktion 5, das vollständig sequenziert und synthetisiert wurde. Es wird als 28-Aminosäure-Fragment aus dem längeren Vorläufer Prothymosin-α hergestellt. Als immunaktives Peptid wird es bei chronischer Hepatitis B und in der Krebstherapie eingesetzt.

Bei allen anderen im Graumarkt erhältlichen Peptiden handelt es sich um Substanzen, die meist mit dem Hinweis »Nur für Forschungszwecke« (for research use only) gekennzeichnet sind, also um experimentelle Substanzen ohne behördliche Zulassung und ohne belastbare Evidenz für Reinheit, Wirksamkeit und Verträglichkeit.

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