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Alkoholpreise
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Pantazis: »Prävention ist kein Kulturkampf«

Die gesundheitspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Fraktionen haben sich für eine höhere Alkoholsteuer ausgesprochen. Ein geringerer Alkoholkonsum würde auch dem Gesundheitssystem zugutekommen. Die Gesundheitsministerin ist anderer Meinung. Sie möchte lieber das Bewusstsein für die Auswirkungen von übermäßigem Alkoholkonsum stärken.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 13.01.2026  14:00 Uhr

Im Januar fassen Menschen neue Jahresvorsätze und versuchen, gesünder zu leben. Ein Beispiel ist, weniger Alkohol zu trinken. Manche verzichten sogar komplett und folgen Trends wie dem Dry January. Somit wird im Januar immer häufiger über Alkoholkonsum diskutiert.

Für Sorge in Gesundheitskreisen sorgte diesen Monat auch die Meldung, dass Alkohol in Deutschland billiger als in anderen EU-Ländern verkauft wird. Nur in Italien sind die Preise noch niedriger als hierzulande. Gesundheitspolitikerinnen und Gesundheitspolitiker der Koalition wollen das ändern und plädieren für höhere Alkoholpreise. Auch die Opposition ist dafür.

»Internationale Erfahrungen zeigen sehr deutlich: Eine maßvolle Erhöhung der Alkoholpreise senkt insbesondere den riskanten Konsum, vor allem bei Jugendlichen und Vielkonsumierenden«, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis, der »Rheinischen Post«. Aus gesundheitsökonomischer Perspektive sei die derzeitige Alkoholbesteuerung in Deutschland nicht mehr zeitgemäß, da sie seit Jahren kaum angepasst worden sei. »Prävention ist kein Kulturkampf, sondern Ausdruck politischer Verantwortung für Gesundheit und Solidarsysteme«, so der SPD-Politiker gegenüber der »Welt«.

Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Simone Borchardt (CDU), befürwortet »die Einführung einer zweckgebundenen Abgabe«. Eine solche dürfe aber »kein Instrument der Haushaltskonsolidierung sein, sondern muss ein gezieltes gesundheitspolitisches Steuerungsinstrument werden«, sagte sie gegenüber der »Rheinischen Post«.

Auch Linke und Grüne befürworten höhere Alkoholsteuern

Ein hoher Alkoholkonsum belastet die Gesundheit und das Gesundheitssystem. Laut der Deutschen Hauptstelle für Sucht sind die durch Alkoholkonsum verursachten Kosten pro Jahr rund 57 Milliarden Euro. Eine höhere Besteuerung von Alkohol könnte dieser Entwicklung entgegenwirken. Das sagte Janosch Dahmen, der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, gegenüber der »Welt«. Auch die Linke-Fraktion steht höheren Alkoholpreisen positiv gegenüber. »Höhere Alkoholpreise senken den Konsum sowie Erkrankungen und Todesfälle«, sagte Ates Gürpinar, gegenüber der Springer-Zeitung.

Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, wirbt für eine neue Abgabe, die nicht nur auf Alkohol, sondern auch auf Tabak und Zucker erhoben wird. Bei einer wirkungsvollen, zweckgebundenen Verwendung dieser Einnahmen könnte sich wahrscheinlich »eine Mehrheit dem anschließen«, sagte Reinhardt bei einer Neujahrspressekonferenz der Bundesärztekammer in Berlin. »Es wäre sinnvoll, das zu tun und die daraus entstehenden Einnahmen dem Gesundheitswesen zuzuführen.« Reinhardt bedauerte, dass Lobbygruppen auf eine solche Forderung hin Verbotsvorwürfe erheben.

Die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) scheint anderer Meinung zu sein. »Neue Steuern, neue finanzielle Belastungen stehen für uns als Lösungsansatz nicht an erster Stelle«, sagte sie der Lokalzeitung

»Badische Neuesten Nachrichten«. Preiserhöhungen hätten sicherlich eine steuernde Wirkung, aber ihr Ansatz wäre, erst einmal das Bewusstsein für die Auswirkungen von übertriebenem Alkoholkonsum zu stärken.

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