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vfa-Jahresbilanz
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Orphan Drugs dominieren neue Medikamente 

2024 kamen nach Angaben des vfa 43 neue Medikamente auf den Markt – die vierthöchste Zahl der vergangenen 20 Jahre. 27 haben seltene Erkrankungen als Indikation. Während in den vergangenen Jahren die Biologika dominierten, sind diesmal wieder viele chemisch-synthetische Wirkstoffe darunter.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 17.12.2024  12:30 Uhr

Dem Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) zufolge sind in diesem Jahr 43 Medikamente mit neuem Wirkstoff auf den Markt gekommen. Im Vorjahr waren es nur 30 gewesen. Zudem erhielten 22 bereits länger verfügbare Arzneimittel eine Zulassungserweiterung, vor allem im onkologischen Bereich.

Auch bei den Neulingen liegen Krebsmedikamente auf Platz eins. Zwölf Präparate zählen zum Bereich Onkologie, darunter sechs neue Kinasehemmer. Mit Capivasertib (Truqap®) ist darunter ein Brustkrebsmittel mit neuem Target, da der Arzneistoff selektiv die AKT-Kinase hemmt.

Auf Platz zwei folgen zehn Medikamente gegen immunologische Erkrankungen, auf Platz drei solche gegen Infektionskrankheiten. Hier sind zwei neue Antibiotika-Präparate dabei: Meropenem-Vaborbactam (Vaborem®) und Cefepim-Enmetazobactam (Exblifep®). »Um auf Dauer mit der Verbreitung neuer Resistenzen Schritt zu halten, sind zwei neue Antibiotika pro Jahr nicht genug«, kommentiert vfa-Chef Han Steutel. »Deshalb ist zu hoffen, dass sich die EU in ihrer Pharmagesetzgebung 2025 dazu entschließen kann, Anreize für die Entwicklung von mehr neuen Antibiotika zu setzen.«

Zum Infektionsschutz kamen 2024 auch zwei neue Impfstoffe auf den Markt: Mit mResvia® ein erster mRNA-basierter RSV-Impfstoff für Personen ab 60 Jahren und mit Verorab® ein weiterer Tollwutimpfstoff. 

Für die Beratung besonders relevant sein könnten unter anderem Fezolinetant (Veoza™) zur Behandlung von Hitzewallungen im Zuge der Wechseljahre, Insulin icodec (Awiqli®), das erste nur einmal wöchentlich zu spritzende Basalinsulin, Delgocitinib (Anzupgo®) bei chronischem Handekzem, Vibegron (Obgemsa®) zur Behandlung einer überaktiven Blase  und Etrasimod (Velsipity®) bei Colitis ulcerosa.

27 der neuen Medikamente und damit 63 Prozent decken dagegen seltene Erkrankungen ab und zählen damit zu den Orphan Drugs, darunter gleich drei neue Arzneistoffe gegen die paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie. 

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