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| 09.12.2002 00:00 Uhr |
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Dienst nach Vorschrift
09.12. dpa. Bundesgesundheitsministerin
Ulla Schmidt (SPD) sieht den Streit mit den Kassenärzten um Einschnitte bei
der Behandlung von Patienten beigelegt. Die Kassenärzte halten dennoch an
ihren Ankündigungen fest. „Das Thema Ärztestreik ist vom Tisch“, sagte
Schmidt am Montag nach einem Gespräch mit dem KBV-Vorsitzenden Manfred
Richter-Reichhelm. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) habe
zugesichert, dass die notwendige Versorgung der Bürger gesichert bleibe.
Auch bei Arzneien würden Ärzte weiter das Notwendige verordnen, aber die
kostengünstigste Alternative wählen. „Insgesamt konnte manches an
Missverständnissen ausgeräumt werden“, meinte die Ministerin.
Richter-Reichhelm hatte die Ärzte allerdings nicht zum Streik, sondern zum
„Dienst nach Vorschrift“ aufgerufen. Ungeachtet der Warnungen Schmidts
drohte Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe, der nicht der Aufsicht von
Schmidt untersteht, mit Behandlungsstreiks und einer Totalblockade des
Gesundheitswesens. Notfalls „werden wir das Gesundheitswesen so lange lahm
legen, bis wir sachgerechte Lösungen erzwungen haben“. Die Ärzte würden sich
nicht länger am „Nasenring der Ethik durch die Arena führen“ lassen. Hoppe
forderte eine Abkehr vom Sparkurs. Schmidt hatte Richter-Reichhelm zu einem
aufsichtsrechtlichen Gespräch in ihr Ministerium zitiert. Dieser lehnte es
allerdings dem Vernehmen nach ab, im Anschluss daran mit ihr vor die Presse
zu treten. Stattdessen verkündete der KBV-Chef, er halte an seinem Aufruf
zum „Dienst nach Vorschrift“ fest. Die medizinisch notwendige Versorgung der
Bürger bleibe aber gesichert, sagte er am Montag der dpa in Berlin.
Allerdings könne es zu Praxisschließungen und Wartelisten für nicht
dringliche Fälle kommen. Der Streit über die rot-grünen Pläne für die
Gesundheitsreform 2004 sei noch nicht ausgestanden.
Häufige EHEC-Infektionen aufklären
09.12. PZ.
Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, weitere betroffene
Länderbehörden und das Robert-Koch-Institut in Berlin sollen in einer
infektionsepidemiologischen Untersuchung die Ursachen gehäufter
EHEC-Infektionen in Süddeutschland klären. Während im Jahr 2001 in
Baden-Württemberg sechs Menschen an Infektionen mit enterohämorrhagischen
Escherichia coli (EHEC) erkrankten (in Bayern elf, bundesweit 60),
infizierten sich allein in den Monaten Oktober und November 2002 zehn
Menschen in Baden-Württemberg, zwölf in Bayern, meldet das Sozialministerium
Baden-Württemberg. Die Bakterien kommen vor allem im Darm beziehungsweise
Kot von wiederkäuenden Tieren, besonders Rindern, Ziegen und Schafen vor.
Infektionen mit EHEC-Bakterien können bei schwerem Krankheitsverlauf zum
hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) führen – begleitet von blutigen
Durchfällen oder Nierenversagen. Wahrscheinlich werden die Erreger bim
direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder infiziertem rohen Fleisch über
den Mund auf den Menschen übertragen. Vor allem bei Kindern und alten
Menschen kann es nach Infektion zu einem schweren Krankheitsverlauf kommen.
Das Sozialministerium empfiehlt deshalb, auf ausreichende Hygiene beim
Kontakt mit Tieren oder bei rohen Lebensmitteln tierischer Herkunft zu
achten. Letztere sollten nur durchgegart gegessen werden.
TK will für Bonus-Modell auch vor Gericht kämpfen
09.12. dpa. Die Techniker
Krankenkasse (TK) will das von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt
(SPD) abgelehnte Bonus-Tarif-Modell notfalls auf dem Rechtswege durchsetzen.
„Wir haben ein genehmigtes Modellvorhaben, und wenn man diese Genehmigung
entzieht, dann werden wir klagen“, sagte der TK-Vorstandsvorsitzende Norbert
Klusen am Montag in Berlin in einem dpa-Gespräch. „Wir müssen dafür
kämpfen.“ Die TK will zum 1. Januar mit einem Selbstbehalt-Modell ihre
Versicherten mit einem Beitragsrabatt von 240 Euro jährlich belohnen. Im
Gegenzug müssen diese jedoch für jeden Arztbesuch 20 Euro selbst zahlen,
maximal 300 Euro jährlich. Die Kasse will damit die Abwanderung zu privaten
Kassen bremsen und sieht sich als „Vorreiter bei der Modernisierung des
solidarischen Gesundheitssystems“. Klusen wies den Vorwurf Schmidts als
„falsch“ zurück, das Projekt unterlaufe den Solidargedanken. „Wir erhalten
gutzahlende Mitglieder, die sonst abwandern, der gesetzlichen
Krankenversicherung. Es steht also nicht weniger Geld zur Verfügung, sondern
mehr.“ Sollten durch das Modell, rechnete der TK-Chef vor, 20.000 Mitglieder
im gesetzlichen System gehalten werden können, „dann haben wir ein Plus von
10 Millionen Euro im Jahr. Davon geben wir (über den internen
Finanzausgleich) 9,5 Millionen Euro an andere Krankenkassen ab, zum Beispiel
an die AOK, die sich jetzt darüber aufregt“. Klusen: „Uns ist es lieber,
dass die Gutverdiener, die sonst zur Privaten Krankenversicherung abwandern,
elfeinhalb Monate Beitrag bei uns bezahlen als zwölf Monate bei der PKV
außerhalb des Systems.“
Apotheker kündigen Verfassungsbeschwerde an
06.12. PZ. Der Deutsche
Apothekerverband (DAV) wird seine Mitglieder bei Verfassungsbeschwerden
gegen das Beitragssatzsicherungsgesetz (BSSichG) unterstützen. Dies kündigte
der DAV-Vorsitzende Hermann S. Keller am Freitag in Berlin an. Zudem werde
der DAV seinen Mitgliedern als Sofortmaßnahme empfehlen, Anträge auf Kürzung
der Umsatz- und Einkommensteuervorauszahlung zu stellen. Durch diese
Maßnahmen werde der Fiskus sofort mit mindestens 500 Millionen Euro an den
Einsparungen des BSSichG beteiligt. „Dieselbe Bundesregierung, die in ihrer
Koalitionsvereinbarung die Förderung des dienstleistenden Mittelstandes
beschlossen hat, würgt mit diesem Gesetz die mittelständische Apotheke
regelrecht ab“, so Keller. Der DAV-Vorsitzende erwartet bereits kurzfristig
den Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen in den Apotheken. Hiervon
betroffen seien fast ausschließlich Mitarbeiterinnen. Über 90 Prozent der
Beschäftigten in Apotheken sind weiblich. Allein nach Berechnungen des
Bundesgesundheitsministeriums werden die Apotheken mit dem BSSichG durch die
für sie vorgesehenen erhöhten Rabatte Einkommensverluste von rund 15 Prozent
hinnehmen müssen. Darüber hinaus hat der pharmazeutische Großhandel bereits
angekündigt, die im Gesetz ebenfalls festgeschriebenen Großhandelsrabatte
auf die Apotheken überzuwälzen. Der DAV rechnet daher mit
Einkommensverlusten von 40 bis zu 50 Prozent je Apotheke. „Dies wird
regelrechte Kahlschläge in der Apothekenlandschaft nach sich ziehen“, meinte
Keller, „Die Belastungen, die auf die Apotheken zukommen, sind derart
überproportional und ungerecht, dass hier eindeutig das verfassungsmäßig
verankerte Übermaßverbot erfüllt ist.“ Die Ankündigung von Bundeskanzler
Gerhard Schröder, Apotheken sollten sich dem Wettbewerb stellen sei deshalb
zynisch. „Wer Wettbewerb fordert, vorab aber per Gesetz die
Wettbewerbsfähigkeit unmöglich macht, hat nichts anderes im Sinn, als das
System der Arzneimittelversorgung durch unabhängige Apotheken zu zerstören!“
urteilte Keller.
Schmidt kritisiert Kassenärzte
06.12. dpa.
Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) hat scharf auf die Drohung der
Kassenärzte reagiert, die Behandlung von Patienten aus Protest gegen den
Sparkurs der Regierung einzuschränken. „Ich werde nicht dulden, das
Patientinnen und Patienten zum Spielball von Funktionärsinteressen gemacht
werden“, sagte Schmidt am Freitag in Berlin. Es gebe „keinen Grund zu
irgendwelchen Notaktionen“. Den Vorstand der Kassenärztlichen
Bundesvereinigung bestellte sie für kommende Woche ins Ministerium ein. Der
Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Manfred
Richter-Reichhelm, hatte am Donnerstag Protestaktionen gegen den
Regierungskurs angekündigt. Als Folge könne es zu Wartelisten, zeitweiligen
Praxisschließungen und Einschnitten bei Arzneien kommen. Notfälle würden
aber weiter versorgt. Richter-Reichhelm hatte sich für eine Urabstimmung
unter den Ärzten ausgesprochen, ob sie geschlossen ihre Kassenzulassung
zurückgeben. Dies sollte bei der KBV-Versammlung am vergangenen Samstag
beraten werden.
Experten befürchten Verdoppelung der Inkontinenz-Kranken
06.12. dpa. Die Zahl der
unter Inkontinenz leidenden Menschen wird sich nach Experteneinschätzung
ohne effektive Vorbeugung in wenigen Jahren verdoppeln. Obwohl der
unwillkürliche Harn- oder Stuhlabgang vor allem ältere Menschen betrifft,
kann Inkontinenz in jeder Lebensphase auftreten. Derzeit ließen sich in
Deutschland vier Millionen Menschen wegen Inkontinenz behandeln, hieß es am
Freitag in Mainz auf dem 14. Deutschen Kongress der Gesellschaft für
Inkontinenzhilfe (GIH). Die Dunkelziffer der Betroffenen sei vermutlich
doppelt so hoch. Der GIH-Vorsitzende Professor Dr. Hansjörg Melchior
befürchtet angesichts der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland eine
rasante Zunahme des Problems. Gezielte Forschungs-, Ausbildungs- sowie
Aufklärungsarbeit sei daher nötig. Sonst bestehe die Gefahr, dass sich in
etwa 15 Jahren die Zahl der Betroffenen verdoppele, sagte Melchior, der
Direktor der Klinik für Urologie in Kassel ist. Die finanzielle Last der
Kranken- und Pflegeversicherungen durch das Problem der Inkontinenz werde
künftig auf weit mehr als zwei Milliarden Euro steigen. Deshalb müssten
Prävention und Rehabilitation jetzt gefördert werden. Häufig weise
Inkontinenz auf eine neurologische Erkrankung hin, erklärte Prof. Wolfgang
Jost, einer der drei Tagungspräsidenten. Der Neurologe sei deshalb ein
wichtiger Ansprechpartner zum Nachweis oder Ausschluss einer neurologischen
Ursache der Inkontinenz. Als Prävention ist laut Tagungspräsident Professor
Dr. Joachim Thüroff für Frauen die Beckenbodengymnastik und vor allem für
ältere Menschen Toilettentraining zu empfehlen.
Ärzte drohen der Regierung
05.12. dpa. Die Kassenärzte
drohen Rot-Grün mit massiven Einschnitten für Kranke und sogar dem Ausstieg
aus dem bisherigen Gesundheitssystem. Der Chef der Kassenärztlichen
Bundesvereinigung (KBV), Manfred Richter-Reichhelm, kündigte am Donnerstag
in Berlin Protestaktionen gegen den Regierungskurs an. Als Folge könne es zu
Wartelisten, zeitweiligen Praxisschließungen und Einschnitten bei Arzneien
kommen. Auch plant die KBV eine Unterschriftensammlung bei Patienten und
eine Urabstimmung unter den Ärzten. „Bei mir läuft allmählich die Galle
über.“ Notfälle würden aber weiter versorgt. Richter-Reichhelm sprach sich
für eine Urabstimmung unter den Ärzten aus, ob sie geschlossen ihre
Kassenzulassung zurückgeben. Bei der KBV-Versammlung am Samstag will er die
Mediziner zunächst aufrufen, auf die „Leistungsbremse“ zu treten und die
Behandlung um etwa ein Drittel zurückfahren. Die Ärzte würden nur noch so
viel arbeiten, wie bezahlt werde. Auch bei Arzneien würden die Ärzte weniger
und nur noch „das Billigste“ verordnen, wie es die Kassen verlangen. „Wenn
es dann klemmt und zu Mangel in der Bevölkerung kommt, werden wir deutlich
sagen, an wem es liegt“, sagte Richter-Reichhelm mit Blick auf Rot-Grün. Die
Proteste der Mediziner richten sich zunächst gegen das aktuelle Sparpaket.
So wollen SPD und Grüne den Kassenärzten 2003 eine Nullrunde verordnen. Laut
Richter-Reichhelm bedeutet dies faktisch eine „Minusrunde“ von acht Prozent,
weil zugleich die Praxiskosten stiegen. Darüber hinaus rüsten sich die Ärzte
aber schon für die 2003 geplante Gesundheitsreform. Die Regierung will das
Vertragsmonopol der KBV und der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV)
aufbrechen.
Kassendefizit wird immer größer
05.12. dpa. Die
Krankenkasseen werden noch tiefer im Minus landen als bisher befürchtet.
Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD) räumte am Donnerstag im Bundestag
ein, dass die Kassen das Jahr 2002 mit einem Defizit von bis zu 2,5
Milliarden Euro abschließen werden. Erst vorige Woche hatte sie ihre
Defizitprognose von 1,5 auf 2 Milliarden Euro erhöht. Vor der Bundestagswahl
hatte sie noch auf ein annähernd ausgeglichenes Ergebnis gehofft. Der
Ärzteverband Marburger Bund warf Schmidt vor, „die Kontrolle über das
Gesundheitswesen verloren“ zu haben. Trotz des rot-grünen Notsparpakets
dürfte der durchschnittliche Kassenbeitrag damit 2003 voraussichtlich von 14
auf mindestens 14,3 Prozent steigen. Schmidt teilte mit, dass die Kassen bis
Ende September 3,175 Milliarden Euro mehr ausgegeben als eingenommen haben.
Das Defizit verringert sich aber üblicherweise zum Jahresende, weil vor
allem das Weihnachtsgeld den Kassen noch einen Einnahmeschub beschert. Für
das Gesamtjahr 2002 erwartet sie daher einen Fehlbetrag von höchstens 2,5
Milliarden Euro. Schmidt kündigte für 2003 erneut weiterreichende
Strukturreformen im Gesundheitswesen an. Zugleich verteidigte sie das
aktuelle Notsparpaket für Rente und Gesundheit gegen die Kritik der
Opposition. Schmidt will die Krankenkassen 2003 um mindestens 2,8 Milliarden
Euro entlasten.
BfArM warnt vor Rotem Reis
05.12. dpa. Das
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat vor dem
Verzehr von Nahrungsergänzungsmitteln mit Red Rice (Rotem Reis) gewarnt. Es
könne zu gefährlichen Nebenwirkungen kommen. Die Mittel würden im Internet
und in verschiedenen Ländern zur Senkung des Cholesterins vertrieben, teilte
die Behörde am Mittwoch in Bonn mit. Der Vertrieb stelle in Deutschland
einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz dar. Roter Reis könne die
Nebenwirkungen von gleichzeitig eingenommenen Arzneimitteln zur Senkung
erhöhter Cholesterinwerte verstärken. Diese könnten sich insbesondere als
Muskelschädigungen äußern. In Deutschland sei Red Rice weder als
Arzneimittel noch als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Red Rice (das
Pulver wird auch als Anka oder Ankak bezeichnet) soll ein traditionelles
chinesisches Arzneimittel sein. Das Produkt entsteht durch Fermentation von
Reis mit dem Schimmelpilz Monascus purpureus. Dieser Schimmelpilz bildet
neben roten Farbstoffen, die ihm seinen Namen geben, verschiedene Wirkstoffe
wie Monacoline, Ankalactone und Citrinin.
Gabriel für Steuerfinanzierung des Gesundheitssystems
04.12. dpa. Zur Rettung des
kränkelnden Gesundheitssystems schlägt Niedersachsens Ministerpräsident
Sigmar Gabriel (SPD) eine teilweise Steuerfinanzierung der gesetzlichen
Krankenkassen vor. Zudem sollte darüber nachgedacht werden, bestimmte
Leistungen grundsätzlich aus dem Katalog der Kassen zu streichen, schreibt
er in seinem Buch „Mehr Politik wagen“, das der „Stern“ in seiner neuen
Ausgabe auszugsweise vorab veröffentlicht. Nach Gabriels Ansicht wird das
klassische Beschäftigungsverhältnis als Bemessungsgrundlage für die
Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung in Zukunft nicht mehr
ausreichen. „Sonst besteht die Gefahr, dass immer mehr Lohn- und
Gehaltsempfänger den Weg in den Schwarzarbeitsstaat antreten.“ Neben der
Beitragszahlung müssten darum andere Einnahmequellen erschlossen werden.
„Die gerechteste Form dafür sind Steuern.“ Zuvor müsse aber die
Wirtschaftlichkeit im bestehenden System deutlich gesteigert werden. Zu den
Leistungseinschränkungen schreibt der SPD-Politiker, es könne nicht Aufgabe
einer solidarischen Krankenversicherung sein, „jede Bagatell-Erkrankung in
ihre Obhut zu nehmen“. Die gesetzliche Krankenversicherung müsse sich um
teure und wichtige Behandlungen kümmern und chronisch Kranken helfen.
Außerdem sei bei Medikamenten eine strenge Beschränkung auf das
preiswerteste Produkt nötig. Eine Einführung von Grund- und Wahlleistungen
lehnt Gabriel als „Ausstieg aus dem Solidarprinzip“ in der
Krankenversicherung ab. Er plädiert aber für eine stärkere Eigenbeteiligung
der Versicherten an den Krankheitskosten. Allerdings müsse die
Eigenbeteiligung für Geringverdiener finanzierbar sein.
Neue Therapie bei Brustkrebs kann Amputation vermeiden
04.12. dpa. Eine neue
Therapie für Frauen mit Brustkrebs kann nach Erkenntnissen deutscher
Forscher in vielen Fällen eine Brustamputation vermeiden. Mit dem neuen
Therapiekonzept könnten in Deutschland jährlich 3000 Amputationen
überflüssig werden, teilte die nach eigenen Angaben größte deutsche
Brustkrebs-Forschergruppe German Adjuvant Breast Cancer Group (GABG) am
Dienstag in Frankfurt mit. „Es hat fast 100 Jahre gedauert, bis man gemerkt
hat, dass die Brust nicht entfernt werden muss“, sagte der Direktor der
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität und Mitgründer der GABG, Manfred Kaufmann. Bei dem neuen
Ansatz wird die Chemotherapie unter zusätzlicher Gabe von Taxanen bereits
vor einer möglichen Brustoperation angewendet. Hauptziel sei es, den Tumor
im Vorfeld so weit zu verkleinern, dass eine brusterhaltende Operation
durchgeführt werden könne. Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichen Studie
der GABG hätten gezeigt, dass bei 85 Prozent von fast 1000 Patientinnen die
Brust auf diese Weise erhalten werden konnte. Die Forscher wiesen allerdings
darauf hin, dass die neue Therapie zunächst nur im Rahmen von Studien
möglich sei. Die Zahl der teilnehmenden Patientinnen liege in Deutschland
derzeit noch unter fünf Prozent.
Sozialbeiträge könnten 42-Prozent-Marke reißen
04.12. dpa. Trotz der
rot-grünen Notpakete zu Gesundheit und Rente droht ein Anstieg der gesamten
Sozialbeiträge von heute 41,3 auf 42 Prozent oder mehr im nächsten Jahr. Der
durchschnittliche Krankenkassenbeitrag werde voraussichtlich von 14 auf
mindestens 14,3 Prozent steigen, hieß es am Dienstag in Kassenkreisen. Die
Finanzlage sei wahrscheinlich noch schlimmer als bisher bekannt. Die Kassen
schließen für dieses Jahr ein Defizit von 2,5 Milliarden Euro nicht aus. Das
Sozialministerium rechnet dagegen mit einem Fehlbetrag von höchstens zwei
Milliarden Euro. Einzelne Kassen werden ihre Beiträge auf über 15 Prozent
erhöhen. So wird die AOK Berlin ihren Beitrag zum 1. Januar von 14,9 auf
15,5 Prozent anheben. Auch die beiden größten deutschen Ersatzkassen Barmer
und DAK planen Erhöhungen. Allein die DAK hat rund 5,4 Millionen Mitglieder.
Im Gespräch ist eine Erhöhung von 14,5 auf 15,2 Prozent. Die
Betriebskrankenkassen weisen meist noch niedrigere Sätze auf und drücken so
den durchschnittlichen Beitrag. Die Unions-Gesundheitsexpertin Annette
Widmann-Mauz (CDU) warf der Regierung vor, die Lage schönzureden und die
Bürger über die wahre Dramatik zu täuschen. Bereits Anfang 2002 waren die
Kassenbeiträge auf breiter Front gestiegen. Ohne das rot-grüne Notsparpaket
dürfte der neue Beitragsschub allerdings noch heftiger ausfallen. So soll
das Gesetzespaket die Kassen 2003 um etwa 2,8 Milliarden Euro entlasten. Die
Kassen bezweifeln aber dieses Sparvolumen. Sie gehen bestenfalls von einer
Entlastung um 1 bis 1,5 Milliarden Euro aus. Parallel zu den Kassenbeiträgen
wird der Rentenbeitrag zum 1. Januar von 19,1 auf 19,5 Prozent steigen.
Damit wäre die 42-Prozent-Marke erreicht. Der Beitrag zur
Arbeitslosenversicherung beträgt 6,5 Prozent und zur Pflege 1,7 Prozent. Die
Regierungskoalition hatte sich in ihrer ersten Amtszeit das Ziel gesetzt,
die Sozialbeiträge auf unter 40 Prozent zu drücken. Auch im aktuellen
Koalitionsvertrag bekräftigen SPD und Grüne die Absicht, die Lohnnebenkosten
zu senken.
Kassen fordern Wettbewerb
WHO-Fonds soll Epidemien bekämpfen
Winterdepression kann auch Kinder treffen
03.12. dpa. Qualitäts- und
Wirtschaftlichkeitsprobleme bleiben nach Ansicht der Ersatzkassen einer der
Hauptmängel der Gesundheitsversorgung. Noch immer fehle der Wettbewerb auf
der Seite der Leistungserbringer, sagte am Montag die Vorsitzende des
Verbandes der Angestellten-Krankenkassen (VdAK), Margret Mönig-Raane. Die
Folgen seien Überkapazitäten bei Diagnostik und Therapie oder
Unterversorgung bei Prävention und Behandlung chronischer Krankheiten. Diese
Probleme ließen sich nicht mit mehr Geld lösen, sagte Mönig-Raane bei einer
Fachtagung in Bremen. Mehr Geld für das Gesundheitssystem führe lediglich
zur weiteren Subventionierung und zur Aufrechterhaltung unwirtschaftlicher
Strukturen. Um Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitsprobleme an den Wurzeln zu
packen, müssten vielmehr mangelhaft abgestimmte Strukturen und Prozesse beim
medizinischen Angebot verbessert werden. Die Verbandsvorsitzende kritisierte
zudem Wettbewerbsverzerrungen für die Krankenkassen. So würden Betriebs- und
Innungskrankenkassen einseitig Gründungs- und Öffnungsrechte zugestanden,
die Allgemeinen Ortskrankenkassen und Ersatzkassen verwehrt blieben. Das
System spalte sich dadurch in „Versorgerkassen“ und Kassen für junge,
gesunde Versicherte. Die Ersatzkassen forderten deshalb die Beseitigung
dieser Wettbewerbsverzerrungen im Organisationsrecht.
03.12. dpa. Die Weltgesundheitsorganisation
(WHO) richtet einen Fonds zur Bekämpfung von Epidemien ein. Er wird zu
Beginn 500.000 Dollar (Euro) umfassen, teilte die UN-Organisation am Montag
in Genf mit. Der neue Fonds soll Einsätze innerhalb von 24 Stunden
ermöglichen, etwa bei Epidemien wie Hirnhautentzündung, Gelbfieber, Ebola
oder beim Einsatz von biologischen Waffen. Getragen wird der Fonds auch von
der regierungsunabhängigen US-Organisation Nuclear Threat Initiative (NTI),
die die Bedrohung von nuklearen, biologischen und chemischen Waffen
vermindern will. Der NTI sitzen der Gründer des TV-Nachrichtensenders CNN,
Ted Turner, und der frühere US-Senator Sam Nunn vor.
03.12. dpa. Winterdepressionen bei Kindern
werden nach Auskunft des Mannheimer Mediziners Christopher Göpel häufig
übersehen. „Verstimmungen werden oft als Reaktion auf bestimmte Ereignisse
wie etwa einen Lehrerwechsel und nicht als Symptome einer Depression
gewertet“, sagte der Oberarzt vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
in Mannheim. Die Diagnose so genannter
saisonaler depressiver Störungen (SAD) sei gerade bei Kindern sehr
schwierig. Erschwerend hinzu komme, dass die Symptome sehr vielfältig seien,
sagte Göpel. Anzeichen für SAD seien etwa regelmäßig im Winter auftretende
Schwankungen der Schulleistungen. Die Erkrankung könne sich aber auch in
Interesselosigkeit, ständig depressiver oder gereizter Stimmung sowie durch
Konzentrationsmängel ausdrücken. Ihren Anfang nähmen die Depressionen meist
im September und Oktober, besonders stark ausgeprägt seien sie im Januar und
Februar. Wenn die Verstimmungen des Kindes immer nur in dieser Jahresphase
aufträten, sei das ein Anzeichen für mögliche Winterdepressionen. „Bei der
Diagnose müssen aber mögliche andere Ursachen ausgeschlossen werden“, sagte
Göpel. Mädchen und Jungen seien vor der Pubertät von der Erkrankung
gleichermaßen betroffen. Erst danach sei die Erkrankung überwiegend bei
Frauen anzutreffen Als Behandlung empfahl Göpel eine Lichttherapie. Dabei
blicken die Patienten für zwei bis drei Stunden täglich für 5 bis 10
Sekunden pro Minute in fluoreszierendes Licht.
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