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| 31.10.2005 00:00 Uhr |
«Chemisches Kondom» blockiert Aidsvirus
31.10. dpa. Ein neues
Vaginal-Gel hat im Tierversuch das Aidsvirus erfolgreich am Eindringen in
die Immunzellen von Affen gehindert. Dieses «chemische Kondom», das in die
Scheide eingeführt wird, schützte Rhesusaffenweibchen bis zu sechs Stunden
vor einer Infektion, wie ein Team um John Moore von der Cornell-Universität
in Ithaca (US-Staat New York) im Wissenschaftsjournal «Nature» (DOI:
10.1038/nature04055) vom Montag berichtet. Im südlichen Afrika hat derweil
ein Großversuch begonnen, bei dem rund 10.000 Frauen in Südafrika, Uganda,
Tansania und Sambia ein anderes derartiges Mikrobizid vier Jahre lang testen
sollen. Das Präparat «Pro 2000 » der US-Pharmafirma Indevus hatte sich
ebenfalls in Tierversuchen als vielversprechend erwiesen. Dabei half es
auch, andere sexuell übertragbare Infektionen wie Chlamydien, Herpes und
Gonorrhö zu verhindern. Die Frauen in dem Großversuch sind gehalten,
zusätzlich Kondome zu benutzen. Federführend bei dem von Großbritannien mit
42 Millionen Pfund finanzierten Test ist Johannesburgs
Witwatersrand-Universität. Das südliche Afrika hat weltweit die höchste
Aidsrate. Allein in Südafrika gelten rund 6 Millionen Menschen als
HIV-positiv. Da viele Männer immer noch Kondome beim Sex ablehnen, suchen
Mediziner in aller Welt seit längerem nach Mikrobiziden, die Frauen ohne das
Wissen von Männern anwenden können. Die chemischen Mittel, die Frauen als
Gel, Flüssigkeit oder Schaum in die Scheide einführen können, müssen dafür
unsichtbar und geruchlos sein. Das von Moore und Kollegen getestete
Mikrobizid besteht aus verschiedenen kleinen Molekülen, die das Aidsvirus
daran hindern, sich Zugang zu den Immunzellen in der Schleimhaut zu
verschaffen. Dem Aidserreger gelingt es normalerweise, sich über den
CCR5-Rezeptor in eine Zelle einzuschmuggeln. Das neue Mikrobizid blockiert
mit einem der kleinen Moleküle diesen Rezeptor. Ein zweites Molekül soll das
Protein gp120 auf der Virushülle unschädlich machen, mit dem sich der
Erreger an den Zellen festhakt. Eine dritte Substanz hindert das Virus am
Verschmelzen mit den menschlichen Immunzellen. Das Team um Moore testete das
Mikrobizid in verschiedenen Kombinationen und Dosierungen an Rhesusaffen.
Das Gel erwies sich dabei als hochgradig wirksam. So bleiben acht von zehn
Tieren, die vor dem Kontakt mit dem Virus eine hohe Dosis Mikrobizid
bekamen, geschützt. Ein Vorteil der Wirkstoffkombination sei, dass die
Kosten gering gehalten werden könnten, kommentiert «Nature».
Mediziner entwickeln
Zellersatz
31.10. dpa. Ein
deutsch-spanisches Forscherteam hat Ersatzzellen für Diabetiker und
Leberpatienten entwickelt, die eines Tages möglicherweise Transplantationen
oder Insulinspritzen ersetzen könnten. Der Kieler Arzt Fred Fändrich und
seine Kollegen aus Leipzig, Würzburg und Alicante brachten bestimmte
Blutzellen im Labor dazu, sich ähnlich wie menschliche Leberzellen zu
verhalten oder Insulin zu produzieren. Bis das Produkt in den Kliniken
verwendet werden könne, dauere es aber noch fünf bis sieben Jahre, sagte
Fändrich. «Um die ganze Diskussion um die Ethik von embryonalen Stammzellen
zu umgehen, haben wir uns auf Zellen aus dem Blut konzentriert, auf
Monozyten», sagte der Transplantationsmediziner. «Der große Vorteil ist,
dass diese Zellen in großen Mengen verfügbar sind und sich beschwerdefrei
für den Patienten aus dem Blut entnehmen lassen.» Ein weiterer Vorzug ist,
dass die Zellen von dem Patienten selbst stammen, es besteht also keine
Abstoßungsgefahr. «Dieser Ansatz kann eine Alternative zu Insulininjektionen
für Diabetiker und Lebertransplantationen sein», sagte Fändrich. «Das neue
und innovative an unserem Konzept ist, dass die Monozyten in programmierbare
Zellen ‹zurückgedreht› werden», sagte der Leiter der Forschungsgruppe. So
könnten ihnen andere Aufgaben zugewiesen werden. Dieser Prozess heißt
Dedifferenzierung. Die Zellen können nun mit geeigneten Wachstumsmedien in
die gewünschte Zielzelle differenziert werden. Dieser Prozess dauert
mindestens zehn Tage. So können Leberzellen oder insulinproduzierende Zellen
entstehen. «Die gezüchteten Leberzellen produzieren die wichtigsten Proteine
wie Albumin oder Gerinnungsfaktoren und können Fremdstoffe entgiften», sagte
Fändrich. Der neue Therapieansatz ist bereits als europäisches Patent
anerkannt und soll nun zum Therapieverfahren weiterentwickelt werden.
Chlamydien: Jugendliche
besser aufklären
31.10. dpa. Viele Jugendliche
und auch manche Ärzte in Deutschland wissen nach Ansicht von
Gesundheitsexperten viel zu wenig über gefährliche Sexualinfektionen mit
Chlamydien. Die durch Geschlechtsverkehr übertragenen Bakterien könnten
jedoch schwere Folgen bis hin zur Unfruchtbarkeit haben, warnte das
Robert-Koch-Institut (RKI) zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für
Familienplanung, pro familia und anderen Institutionen am Montag in Berlin.
Außer dem schützenden Gebrauch von Kondomen sei eine möglichst frühe
Diagnose und Behandlung von Chlamydien-Infektionen wichtig. Bisherige
Studien aus Deutschland belegen laut RKI bei 2,5 bis 10 Prozent der über 14
Jahre alten Mädchen und der Frauen eine Infektion mit Chlamydien, die für
die Hälfte aller Fälle von Unfruchtbarkeit bei Frauen verantwortlich sind.
Trotzdem wissen nach Erfahrungen von pro familia nur wenige Frauen über
Chlamydien Bescheid. In den Schulen bleibe die Aufklärung häufig auf die
HIV/Aids-Prävention beschränkt. Anders als genitale Chlamydien-Infektionen
sei Aids jedoch oft weit von der Lebensrealität der Mädchen entfernt. Die
Kassenärztliche Vereinigung Berlin sprach sich dafür aus, Kondome auch
zusätzlich zur Anti-Baby-Pille zu empfehlen. Auch bei der Ärzteschaft sehen
die Experten Handlungsbedarf: Viel zu wenig Ärzte wüssten über die neuesten,
zuverlässigen Diagnose-Verfahren Bescheid und böten ihren Patienten einen
Chlamydien-Test an. Umfangreichere Studien mit mehr Daten müssten folgen,
forderten die Fachleute. Selbst eine jährliche Routine-Untersuchung auf
Chlamydien bei bestimmten Bevölkerungsgruppen erscheint manchen Experten
sinnvoll. Von Chlamydien sind insbesondere sexuell aktive Jugendliche und
junge Erwachsene betroffen. Die Infektionen verlaufen bei Männern in etwa
der Hälfte und bei Frauen in etwa 80 Prozent ohne Symptome und werden daher
meist übersehen. Unerkannte oder unzureichend behandelte
Chlamydien-Infektionen können zu schweren Folgeerkrankungen führen, etwa
Becken- oder Eileiterentzündungen, Unfruchtbarkeit und chronischen
Bauchbeschwerden. Bei Männern können die Bakterien Entzündungen der
Harnröhre auslösen, Zeugungsunfähigkeit kann die Folge sein.
Vogelgrippe: Auflagen werden verschärft
28.10. dpa. Die Bestimmungen
zur Abwehr der Vogelgrippe werden in Deutschland von diesem Sonntag an
verschärft. Verboten werden nach Beschluss der Europäischen Union
Geflügelmärkte und Lockvögel für die Jagd, wobei Ausnahmen möglich sind.
Außerdem muss bei Hausgeflügel noch strenger jeglicher Kontakt zu Zugvögeln
gemieden werden. In Zoos dürfen Vögel im Einzelfall geimpft werden. Die
entsprechende Ergänzungen zur Geflügel-Schutzverordnung wurden am Freitag
von Bundesverbraucherminister Jürgen Trittin (Grüne) unterzeichnet. Sie
werden an diesem Samstag im Bundesanzeiger veröffentlicht. Bei Verstößen
drohen Bußgelder. Geflügelmärkte und -ausstellungen können nur noch
genehmigt werden, wenn die Tiere zwei Wochen vor der Veranstaltungen in
geschlossenen Ställen gehalten wurden und Tierärzte keine Krankheiten
feststellen. Hausgeflügel darf kein Wasser aus Flüssen und Seen mehr
bekommen. Dies soll verhindern, dass Geflügel über Trinkwasser mit dem Kot
von Zugvögeln in Kontakt kommt. Wird Geflügel nicht ausschließlich in
Ställen gehalten, dürfen die Tiere nur noch dort gefüttert werden, wo
Zugvögel nicht hinkommen. Des weiteren dürfen bestimmte Vögel nicht mehr als
Lockvögel für die Jagd benutzt werden. Ausnahmen können genehmigt werden, um
Wildgeflügel im Rahmen der bundesweiten Wildvogeluntersuchung anzulocken.
Bei Vögeln in Zoos und anderen Tierparks kann die oberste Landesbehörde
abgestimmt mit dem Bundesverbraucherministerium eine Impfung gegen die
Vogelgrippe erlauben, wenn eine entsprechende Risikobewertung des nationalen
Referenzlabors für Geflügelpest (Friedrich-Loeffler-Institut) vorliegt.
Bisher umfasste die Eilverordnung ein generelles Freilaufverbot,
Importverbote für Geflügel und Geflügelprodukte aus den von der Vogelgrippe
betroffenen Gebieten sowie ein generelles Importverbot für Wild- und
Ziervögel.
Suizidverhütung ist
möglich
28.10. dpa. Selbstmord kann
nach Meinung der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention verhindert
werden. Auf ihrer 33. Herbsttagung in Hamburg beschäftigen sich mehr als 250
Experten von Freitag bis Sonntag mit modernen Methoden der Suizidprävention.
Dabei geht es auch um eine bessere Zusammenarbeit der in der Suizidverhütung
tätigen Organisationen. «Die Möglichkeiten in Deutschland sind vorhanden,
aber wir brauchen einen stärkeren Wissensaustausch», sagte Tagungspräsident
Professor Paul Götze in Hamburg. Nach Angaben der Gesellschaft nehmen sich
in Deutschland jährlich mehr als 11.000 Menschen das Leben. «Männer sind
hiervon etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen», sagte Georg Fiedler,
Psychologe am Therapiezentrum für Suizidgefährdete des Hamburger
Universitätsklinikums Eppendorf (UKE). Etwa 150.000 Menschen pro Jahr
versuchten sich umzubringen. Dabei sei die Selbstmordrate in den deutschen
Großstädten deutlich höher als in ländlichen Regionen. Mit höherem Alter
steige auch die Suizidquote. «Deshalb muss es beispielsweise auch in der
Altenpflege zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit der Thematik kommen»,
sagte Fiedler. Die Überalterung der Gesellschaft könne dazu führen, dass die
momentan stagnierende Suizidquote wieder ansteige. Aber auch in der Schule
sei eine Auseinandersetzung mit der Problematik nötig. «Selbstmord darf kein
Tabuthema sein.»
Mit Videos gegen
Magersucht
28.10. dpa. Mit Hilfe von
Videoaufnahmen und Spiegeln werden Magersucht und Bulimie an der
Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz behandelt. In den Gruppentherapien
des Psychologischen Instituts lernen Patientinnen, ihren Körper so zu
akzeptieren, wie er ist. Ein positives Körperbild sei für eine dauerhafte
Überwindung der Krankheit sehr wichtig, sagt Dr. Tanja Legenbauer von der
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie. Das Therapieangebot soll
nun ausgebaut werden. Nach der Behandlung hätten die bisherigen
Teilnehmerinnen ihren Körper deutlich besser bewertet, sagt Legenbauer: «Die
Patientinnen vermieden nach dem Training nicht mehr so oft Situationen, in
denen sie mit dem eigenen Körper konfrontiert waren und das Essverhalten
besserte sich deutlich.» Dennoch reiche eine einfache Gruppentherapie in der
Regel nicht aus, eine anschließende Einzelbehandlung sei zu empfehlen. Dabei
sei auch wichtig, dass die Frauen lernen, sich von dem Schlankheitsideal zu
distanzieren, das in den Medien dargestellt werde, sagt die Psychologin.
Arme sterben früher
27.10. dpa. Bei der
Gesundheitsförderung von armen Menschen wollen Krankenkassen, Ärzteverbände
und Sozialorganisationen künftig bundesweit zusammenarbeiten. «Wer arm ist,
stirbt früher», sagte die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung, Elisabeth Pott, am Donnerstag bei der Unterzeichnung der
Vereinbarung in Essen. Gering verdienende Männer hätten gegenüber den sehr
gut verdienenden Männern mit 72 Jahren eine um zehn Jahre geringere
Lebenserwartung. Bei den Frauen beträgt der Unterschied fünf Jahre (81 statt
86 Jahre). Mit Projekten in Kindergärten und Schulen wollen die Beteiligten
die Benachteiligung armer Kinder bei der Gesundheitsförderung frühzeitig
ausgleichen. «Eine Million Kinder bis 14 Jahre leben von Sozialhilfe», sagte
Pott. Viele dieser Kinder hätten wegen mangelnder Fürsorge mit
Haltungsschäden, Koordinationsproblemen, Übergewicht und
Sprachschwierigkeiten zu kämpfen. So gehören zu den Projekten
Sprachförderung in Kindergärten oder Sport-Angebote für Grundschüler.
Vogelgrippe: Experten
fordern bessere Aufklärung
27.10. dpa. Angesichts der
Ausbreitung der Vogelgrippe haben Wissenschaftler gefordert, die Bevölkerung
besser über die Folgen aufzuklären. Der Leiter des Niedersächsischen
Landesgesundheitsamtes, Professor Dr. Adolf Windorfer, warnte am Donnerstag
vor Panikmache: «So dramatisch dieses Virus für die Wirtschaft auch ist: Es
handelt sich um eine Tierseuche, die nur in ganz seltenen Fällen auf
Menschen übergeht», betonte er auf einer Fachtagung in Hannover. Rund 150
Experten diskutierten dort über die Gefahren der Vogelgrippe. Falls die
Vogelgrippe nach Deutschland eingeschleppt werden sollte, seien am ehesten
Mitarbeiter von Geflügelbetrieben gefährdet, die in direktem Kontakt mit
Vögeln stehen. Sie sollten zum Kreis der Risikogruppe gezählt werden, für
die eine gewöhnliche Grippeimpfung ratsam ist, meint Udo Buchholz vom Robert
Koch-Institut in Berlin. Wichtig sei überdies, dass sie mit Schutzkleidung
arbeiteten und ihre Hände desinfizierten. Experten fürchten eine Vermischung
gewöhnlicher Influenzaviren von Menschen mit dem aggressiven
Vogelgrippevirus H5N1. Ein solcher Mischerreger könnte so ansteckend wie die
menschliche Grippe und so tödlich wie die Geflügelpest sein. Professor Dr.
Thomas Blaha von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover betonte,
«bei allen Schreckensszenarien wird nicht deutlich genug gesagt, dass es bei
einem Ausbruch der Krankheit in Deutschland nötig sein wird, große
Tierbestände zu töten». Damit mögliche Massentötungen von Geflügel
akzeptiert würden, müsse klarer gemacht werden, dass sie «im Interesse der
Gemeinschaft und vor allem im Interesse des Schutzes der Gesundheit von
Menschen unumgänglich» sind. Zudem forderte Blaha, die derzeit föderale
Verantwortung für den Gesundheitsschutz des Menschen und die
Tierseuchenbekämpfung zu zentralisieren, um das Virus effektiver bekämpfen
zu können.
Privatkasse zahlt
keinen Hotelaufenthalt am Toten Meer
27.10. dpa. Private
Krankenversicherungen müssen keine Schmerztherapie in Hotels am Toten Meer
bezahlen. Nur eine Therapie in einer Klinik unter ständiger ärztlicher
Aufsicht sei zu erstatten, entschied das Düsseldorfer Oberlandesgericht (Az.:
4 U 78/03) nach Angaben der ARAG-Versicherung. Eine Patientin hatte
vergeblich argumentiert, dass die Therapie ihr Linderung verschafft habe und
wesentlich preiswerter gewesen sei, als der Aufenthalt in einer heimischen
Klinik.
Seehofer gibt Industrie Schuld an
Ausgabensprung bei Medikamenten
26.10. dpa. Der frühere
Gesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) hat der Pharmaindustrie die
Verantwortung für die Ausgabenexplosion bei rezeptpflichtigen Medikamenten
gegeben. Die Ausgabensteigerung von rund 20 Prozent seit Jahresbeginn sei
nicht den Ärzten anzulasten: «Das ist eine ganz aggressive Strategie
international agierender Konzerne», sagte Seehofer am Mittwoch bei einer
Podiumsdiskussion der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Der
Ausgabenanstieg sei «medizinisch nicht begründbar».
Hartmannbund für mehr
Eigenbeteiligung
26.10. dpa. Der Ärzteverband
Hartmannbund will Patienten stärker an den Behandlungskosten beteiligen.
Notwendig sei ein Systemwechsel in der Krankenversicherung, um die
Eigenverantwortung der Bürger zu stärken, sagte der Vorsitzende Hans-Jürgen
Thomas am Mittwoch in Berlin. Er plädierte für ein Kostenerstattungsprinzip
nach dem Vorbild der Privatkassen. Dabei begleicht der Patient die Rechnung
des Arztes, die Krankenkasse erstattet dann, allerdings nicht immer in
voller Höhe. Thomas sprach von «sozialverträglicher Selbstbeteiligung». Um
die Attraktivität des Arztberufes zu steigern, forderte Thomasverbesserte
Rahmenbedingungen. Für Klinikärzte müsse es «vernünftige Arbeitszeiten» und
angemessene Vergütungen geben. Er begrüßte den Gesetzentwurf von
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zur Lockerung der
Arbeitsbestimmungen für Vertragsärzte. Damit will sich der Hartmannbund auf
seiner bevorstehenden 52. Hauptversammlung am Wochenende in Potsdam
beschäftigen.
Knochenmarkspende kann
Fingerabdruck verfälschen
26.10. dpa. Der genetische
Fingerabdruck eines Menschen kann durch fremde Knochenmarkspenden verfälscht
werden. Darauf haben Experten auf einem Treffen der US-Gesellschaft für
Humangenetik in Salt Lake City (Utah) hingewiesen. In der Gerichtsmedizin
könnten sich daraus unter Umständen Probleme ergeben. Die Fachleute
zitierten einen Fall, bei dem in einem schweren Sexualdelikt laut
forensischer Datenbank ein Mann fälschlicherweise als Täter identifiziert
worden war, berichtet das Fachmagazin «New Scientist» (Nr. 2523, S.11). Weil
der vermeintlich Schuldige zur Tatzeit jedoch im Gefängnis saß, prüften die
Ermittler weiter und fanden bei ihren Recherchen heraus, dass der Mann vor
vielen Jahren eine Knochenmarkspende erhalten hatte. In seinem Blut
tummelten sich Zellen mit dieser genetischen «Kennmarke» seines Spenders:
Tatsächlich hatte der Spender das Sexualverbrechen begangen. Die Experten
warnten deshalb vor einem allzu blinden Vertrauen in den genetischen
Fingerabdruck. Auch bei Proben, die aus der Mundschleimhaut entnommen
würden, könne es zeitweise eine Überlagerung mit der Spender-DNA geben.
Allerdings sei die Zahl derartiger Verwechslungen überaus gering, betonten
die Experten. Potenzielle Knochenmark-Spender sollten sich deshalb nicht von
ihrem Vorhaben abhalten lassen, forderte die Sprecherin des Amerikanischen
Knochenmarkspende-Programms.
DDR-Zulassung für Arzneimittel nicht
mehr gültig
25.10. dpa. DDR-Zulassungen für
Arzneimittel sind nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts
Berlin-Brandenburg nicht mehr gültig. Das Gericht wies am Dienstag
Berufungen eines westdeutschen Arzneimittelunternehmens ab, das die
Zulassung für seine Tierarzneimittel Mitte 1990 vom damaligen
DDR-Gesundheitsministerium erhalten hatte. Das Gericht bestätigte damit
entsprechende Entscheidungen des Berliner Verwaltungsgerichts aus dem Jahr
2003 zu den beiden Medikamenten des Unternehmens. Nach Auffassung des 5.
Senats galt die Zulassung nach dem Ende der DDR nicht fort. Das
bundesdeutsche Arzneimittelgesetz habe nur vorläufig den weiteren Vertrieb
dieser Arzneimittel erlaubt. Die betroffenen Unternehmen hätten damit eine
so genannte fiktive Zulassung erhalten. Dafür wurde aber entsprechend
EU-Recht die Vorlage pharmazeutischer Unterlagen verlangt, um die
Wirksamkeit und Unbedenklichkeit fachbehördlich prüfen zu lassen. Da die
klagende Firma solche Unterlagen innerhalb der vorgesehenen Frist nicht
eingereicht hatte, blieben ihre Berufungen ohne Erfolg.
UN startet
Aids-Kampagne für Kinder
25.10. dpa. Jede Minute stirbt
weltweit ein Kind unter 15 Jahren an Aids, ein weiteres steckt sich mit dem
Erreger an. Von den insgesamt drei Millionen Aids-Toten im vergangenen Jahr
war jeder sechste ein Kind. Wie das UN-Kinderhilfswerk UNICEF am Dienstag in
Genf mitteilte, werden die jüngsten und hilflosesten Mitglieder der
Gesellschaft von der globalen Anti-Aids-Kampagne vernachlässigt. Damit soll
nun Schluss sein: Mit ihrer Aktion «United for Children, United against
Aids» wollen UNICEF und das UN-Programm zur Aidsbekämpfung (UNAIDS)
erreichen, dass vor allem in den armen Dritte-Welt-Ländern Kinder nicht
länger im Schatten stehen. Bisher würden lediglich fünf Prozent der
infizierten Kinder mit lebensverlängernden Mitteln versorgt. Zum Start der
Aktion am Dienstag in New York sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan: «In den
25 Jahren seit Ausbruch der Krankheit wachsen viel zu viele Kinder alleine
auf, müssen zu schnell erwachsen werden oder haben gar keine Chance
erwachsen zu werden. Kurz: Aids richtet Verwüstungen in der Kindheit an.»
Die Kampagne soll unter anderem dafür sorgen, dass künftig weitaus mehr
Kinder mit dem Medikament Cotrimoxazol behandelt werden. Obwohl es für zwei
Cents (0,16 Euro) am Tag verfügbar ist, kommt es nur einem Prozent aller
bedürftigen Kinder zu Gute, hieß es in einer vorab veröffentlichten
Erklärung.
Merck verdient gut mit
Erbitux und Flüssigkristallen
25.10. dpa. Der Darmstädter
Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat nach zum Teil über den
Erwartungen liegenden Quartalszahlen seine Prognosen für das Gesamtjahr
angehoben. «Wir erwarten für das Gesamtjahr 2005 ein Umsatzwachstum im hohen
einstelligen Bereich», sagte der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Bernhard
Scheuble, am Dienstag in Darmstadt. Beim operativen Ergebnis peile die Merck
KgaA einen zweistelligen prozentualen Anstieg an. Zuwächse brachten vor
allem das Krebsmedikament Erbitux und die Flüssigkristall-Sparte. Für die
ersten neun Monate des laufenden Jahres sprang das operative Ergebnis der
Merck-Gruppe auf 692 Millionen Euro, 23 Prozent mehr als im
Vorjahreszeitraum. Das Konzernergebnis nach Steuern stieg im dritten Quartal
um 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, für die ersten neun Monate sank es
um 4,7 Prozent auf 559 Millionen Euro. Zu den Zuwächsen im dritten Quartal
trugen Einmalerlöse von 70 Millionen Euro bei. Der größte Teil davon stammt
aus einer Vereinbarung mit dem japanischen Pharma-Unternehmen Takeda über
die gemeinsame Vermarktung des Krebsmedikaments Matuzumab. Im
Pharmageschäft, das knapp zwei Drittel des Konzernumsatzes ausmacht, wuchs
insbesondere der Umsatz mit dem Krebsmedikament Erbitux stärker als
erwartet. Inzwischen sei das Mitte 2004 eingeführte Mittel gegen Darmkrebs
weltweit in 45 Ländern zugelassen, sagte Scheuble. Weitere Zuwächse
verspreche die beantragte EU- Zulassung für die Behandlung von Kopf- und
Halstumoren, mit der er im ersten Halbjahr 2006 rechne. Insgesamt peile
Merck mit Erbitux 2005 einen Umsatz von 200 Millionen Euro an.
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