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Nachrichten

Datum 31.10.2005  00:00 Uhr

  «Chemisches Kondom» blockiert Aidsvirus
31.10. dpa. Ein neues Vaginal-Gel hat im Tierversuch das Aidsvirus erfolgreich am Eindringen in die Immunzellen von Affen gehindert. Dieses «chemische Kondom», das in die Scheide eingeführt wird, schützte Rhesusaffenweibchen bis zu sechs Stunden vor einer Infektion, wie ein Team um John Moore von der Cornell-Universität in Ithaca (US-Staat New York) im Wissenschaftsjournal «Nature» (DOI: 10.1038/nature04055) vom Montag berichtet. Im südlichen Afrika hat derweil ein Großversuch begonnen, bei dem rund 10.000 Frauen in Südafrika, Uganda, Tansania und Sambia ein anderes derartiges Mikrobizid vier Jahre lang testen sollen. Das Präparat «Pro 2000 » der US-Pharmafirma Indevus hatte sich ebenfalls in Tierversuchen als vielversprechend erwiesen. Dabei half es auch, andere sexuell übertragbare Infektionen wie Chlamydien, Herpes und Gonorrhö zu verhindern. Die Frauen in dem Großversuch sind gehalten, zusätzlich Kondome zu benutzen. Federführend bei dem von Großbritannien mit 42 Millionen Pfund finanzierten Test ist Johannesburgs Witwatersrand-Universität. Das südliche Afrika hat weltweit die höchste Aidsrate. Allein in Südafrika gelten rund 6 Millionen Menschen als HIV-positiv. Da viele Männer immer noch Kondome beim Sex ablehnen, suchen Mediziner in aller Welt seit längerem nach Mikrobiziden, die Frauen ohne das Wissen von Männern anwenden können. Die chemischen Mittel, die Frauen als Gel, Flüssigkeit oder Schaum in die Scheide einführen können, müssen dafür unsichtbar und geruchlos sein. Das von Moore und Kollegen getestete Mikrobizid besteht aus verschiedenen kleinen Molekülen, die das Aidsvirus daran hindern, sich Zugang zu den Immunzellen in der Schleimhaut zu verschaffen. Dem Aidserreger gelingt es normalerweise, sich über den CCR5-Rezeptor in eine Zelle einzuschmuggeln. Das neue Mikrobizid blockiert mit einem der kleinen Moleküle diesen Rezeptor. Ein zweites Molekül soll das Protein gp120 auf der Virushülle unschädlich machen, mit dem sich der Erreger an den Zellen festhakt. Eine dritte Substanz hindert das Virus am Verschmelzen mit den menschlichen Immunzellen. Das Team um Moore testete das Mikrobizid in verschiedenen Kombinationen und Dosierungen an Rhesusaffen. Das Gel erwies sich dabei als hochgradig wirksam. So bleiben acht von zehn Tieren, die vor dem Kontakt mit dem Virus eine hohe Dosis Mikrobizid bekamen, geschützt. Ein Vorteil der Wirkstoffkombination sei, dass die Kosten gering gehalten werden könnten, kommentiert «Nature».

Mediziner entwickeln Zellersatz
31.10. dpa. Ein deutsch-spanisches Forscherteam hat Ersatzzellen für Diabetiker und Leberpatienten entwickelt, die eines Tages möglicherweise Transplantationen oder Insulinspritzen ersetzen könnten. Der Kieler Arzt Fred Fändrich und seine Kollegen aus Leipzig, Würzburg und Alicante brachten bestimmte Blutzellen im Labor dazu, sich ähnlich wie menschliche Leberzellen zu verhalten oder Insulin zu produzieren. Bis das Produkt in den Kliniken verwendet werden könne, dauere es aber noch fünf bis sieben Jahre, sagte Fändrich. «Um die ganze Diskussion um die Ethik von embryonalen Stammzellen zu umgehen, haben wir uns auf Zellen aus dem Blut konzentriert, auf Monozyten», sagte der Transplantationsmediziner. «Der große Vorteil ist, dass diese Zellen in großen Mengen verfügbar sind und sich beschwerdefrei für den Patienten aus dem Blut entnehmen lassen.» Ein weiterer Vorzug ist, dass die Zellen von dem Patienten selbst stammen, es besteht also keine Abstoßungsgefahr. «Dieser Ansatz kann eine Alternative zu Insulininjektionen für Diabetiker und Lebertransplantationen sein», sagte Fändrich. «Das neue und innovative an unserem Konzept ist, dass die Monozyten in programmierbare Zellen ‹zurückgedreht› werden», sagte der Leiter der Forschungsgruppe. So könnten ihnen andere Aufgaben zugewiesen werden. Dieser Prozess heißt Dedifferenzierung. Die Zellen können nun mit geeigneten Wachstumsmedien in die gewünschte Zielzelle differenziert werden. Dieser Prozess dauert mindestens zehn Tage. So können Leberzellen oder insulinproduzierende Zellen entstehen. «Die gezüchteten Leberzellen produzieren die wichtigsten Proteine wie Albumin oder Gerinnungsfaktoren und können Fremdstoffe entgiften», sagte Fändrich. Der neue Therapieansatz ist bereits als europäisches Patent anerkannt und soll nun zum Therapieverfahren weiterentwickelt werden.

Chlamydien: Jugendliche besser aufklären
31.10. dpa. Viele Jugendliche und auch manche Ärzte in Deutschland wissen nach Ansicht von Gesundheitsexperten viel zu wenig über gefährliche Sexualinfektionen mit Chlamydien. Die durch Geschlechtsverkehr übertragenen Bakterien könnten jedoch schwere Folgen bis hin zur Unfruchtbarkeit haben, warnte das Robert-Koch-Institut (RKI) zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Familienplanung, pro familia und anderen Institutionen am Montag in Berlin. Außer dem schützenden Gebrauch von Kondomen sei eine möglichst frühe Diagnose und Behandlung von Chlamydien-Infektionen wichtig. Bisherige Studien aus Deutschland belegen laut RKI bei 2,5 bis 10 Prozent der über 14 Jahre alten Mädchen und der Frauen eine Infektion mit Chlamydien, die für die Hälfte aller Fälle von Unfruchtbarkeit bei Frauen verantwortlich sind. Trotzdem wissen nach Erfahrungen von pro familia nur wenige Frauen über Chlamydien Bescheid. In den Schulen bleibe die Aufklärung häufig auf die HIV/Aids-Prävention beschränkt. Anders als genitale Chlamydien-Infektionen sei Aids jedoch oft weit von der Lebensrealität der Mädchen entfernt. Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin sprach sich dafür aus, Kondome auch zusätzlich zur Anti-Baby-Pille zu empfehlen. Auch bei der Ärzteschaft sehen die Experten Handlungsbedarf: Viel zu wenig Ärzte wüssten über die neuesten, zuverlässigen Diagnose-Verfahren Bescheid und böten ihren Patienten einen Chlamydien-Test an. Umfangreichere Studien mit mehr Daten müssten folgen, forderten die Fachleute. Selbst eine jährliche Routine-Untersuchung auf Chlamydien bei bestimmten Bevölkerungsgruppen erscheint manchen Experten sinnvoll. Von Chlamydien sind insbesondere sexuell aktive Jugendliche und junge Erwachsene betroffen. Die Infektionen verlaufen bei Männern in etwa der Hälfte und bei Frauen in etwa 80 Prozent ohne Symptome und werden daher meist übersehen. Unerkannte oder unzureichend behandelte Chlamydien-Infektionen können zu schweren Folgeerkrankungen führen, etwa Becken- oder Eileiterentzündungen, Unfruchtbarkeit und chronischen Bauchbeschwerden. Bei Männern können die Bakterien Entzündungen der Harnröhre auslösen, Zeugungsunfähigkeit kann die Folge sein.

Vogelgrippe: Auflagen werden verschärft
28.10. dpa. Die Bestimmungen zur Abwehr der Vogelgrippe werden in Deutschland von diesem Sonntag an verschärft. Verboten werden nach Beschluss der Europäischen Union Geflügelmärkte und Lockvögel für die Jagd, wobei Ausnahmen möglich sind. Außerdem muss bei Hausgeflügel noch strenger jeglicher Kontakt zu Zugvögeln gemieden werden. In Zoos dürfen Vögel im Einzelfall geimpft werden. Die entsprechende Ergänzungen zur Geflügel-Schutzverordnung wurden am Freitag von Bundesverbraucherminister Jürgen Trittin (Grüne) unterzeichnet. Sie werden an diesem Samstag im Bundesanzeiger veröffentlicht. Bei Verstößen drohen Bußgelder. Geflügelmärkte und -ausstellungen können nur noch genehmigt werden, wenn die Tiere zwei Wochen vor der Veranstaltungen in geschlossenen Ställen gehalten wurden und Tierärzte keine Krankheiten feststellen. Hausgeflügel darf kein Wasser aus Flüssen und Seen mehr bekommen. Dies soll verhindern, dass Geflügel über Trinkwasser mit dem Kot von Zugvögeln in Kontakt kommt. Wird Geflügel nicht ausschließlich in Ställen gehalten, dürfen die Tiere nur noch dort gefüttert werden, wo Zugvögel nicht hinkommen. Des weiteren dürfen bestimmte Vögel nicht mehr als Lockvögel für die Jagd benutzt werden. Ausnahmen können genehmigt werden, um Wildgeflügel im Rahmen der bundesweiten Wildvogeluntersuchung anzulocken. Bei Vögeln in Zoos und anderen Tierparks kann die oberste Landesbehörde abgestimmt mit dem Bundesverbraucherministerium eine Impfung gegen die Vogelgrippe erlauben, wenn eine entsprechende Risikobewertung des nationalen Referenzlabors für Geflügelpest (Friedrich-Loeffler-Institut) vorliegt. Bisher umfasste die Eilverordnung ein generelles Freilaufverbot, Importverbote für Geflügel und Geflügelprodukte aus den von der Vogelgrippe betroffenen Gebieten sowie ein generelles Importverbot für Wild- und Ziervögel.

Suizidverhütung ist möglich
28.10. dpa. Selbstmord kann nach Meinung der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention verhindert werden. Auf ihrer 33. Herbsttagung in Hamburg beschäftigen sich mehr als 250 Experten von Freitag bis Sonntag mit modernen Methoden der Suizidprävention. Dabei geht es auch um eine bessere Zusammenarbeit der in der Suizidverhütung tätigen Organisationen. «Die Möglichkeiten in Deutschland sind vorhanden, aber wir brauchen einen stärkeren Wissensaustausch», sagte Tagungspräsident Professor Paul Götze in Hamburg. Nach Angaben der Gesellschaft nehmen sich in Deutschland jährlich mehr als 11.000 Menschen das Leben. «Männer sind hiervon etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen», sagte Georg Fiedler, Psychologe am Therapiezentrum für Suizidgefährdete des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE). Etwa 150.000 Menschen pro Jahr versuchten sich umzubringen. Dabei sei die Selbstmordrate in den deutschen Großstädten deutlich höher als in ländlichen Regionen. Mit höherem Alter steige auch die Suizidquote. «Deshalb muss es beispielsweise auch in der Altenpflege zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit der Thematik kommen», sagte Fiedler. Die Überalterung der Gesellschaft könne dazu führen, dass die momentan stagnierende Suizidquote wieder ansteige. Aber auch in der Schule sei eine Auseinandersetzung mit der Problematik nötig. «Selbstmord darf kein Tabuthema sein.»

Mit Videos gegen Magersucht
28.10. dpa. Mit Hilfe von Videoaufnahmen und Spiegeln werden Magersucht und Bulimie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz behandelt. In den Gruppentherapien des Psychologischen Instituts lernen Patientinnen, ihren Körper so zu akzeptieren, wie er ist. Ein positives Körperbild sei für eine dauerhafte Überwindung der Krankheit sehr wichtig, sagt Dr. Tanja Legenbauer von der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie. Das Therapieangebot soll nun ausgebaut werden. Nach der Behandlung hätten die bisherigen Teilnehmerinnen ihren Körper deutlich besser bewertet, sagt Legenbauer: «Die Patientinnen vermieden nach dem Training nicht mehr so oft Situationen, in denen sie mit dem eigenen Körper konfrontiert waren und das Essverhalten besserte sich deutlich.» Dennoch reiche eine einfache Gruppentherapie in der Regel nicht aus, eine anschließende Einzelbehandlung sei zu empfehlen. Dabei sei auch wichtig, dass die Frauen lernen, sich von dem Schlankheitsideal zu distanzieren, das in den Medien dargestellt werde, sagt die Psychologin.

Arme sterben früher
27.10. dpa. Bei der Gesundheitsförderung von armen Menschen wollen Krankenkassen, Ärzteverbände und Sozialorganisationen künftig bundesweit zusammenarbeiten. «Wer arm ist, stirbt früher», sagte die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Elisabeth Pott, am Donnerstag bei der Unterzeichnung der Vereinbarung in Essen. Gering verdienende Männer hätten gegenüber den sehr gut verdienenden Männern mit 72 Jahren eine um zehn Jahre geringere Lebenserwartung. Bei den Frauen beträgt der Unterschied fünf Jahre (81 statt 86 Jahre). Mit Projekten in Kindergärten und Schulen wollen die Beteiligten die Benachteiligung armer Kinder bei der Gesundheitsförderung frühzeitig ausgleichen. «Eine Million Kinder bis 14 Jahre leben von Sozialhilfe», sagte Pott. Viele dieser Kinder hätten wegen mangelnder Fürsorge mit Haltungsschäden, Koordinationsproblemen, Übergewicht und Sprachschwierigkeiten zu kämpfen. So gehören zu den Projekten Sprachförderung in Kindergärten oder Sport-Angebote für Grundschüler.

Vogelgrippe: Experten fordern bessere Aufklärung
27.10. dpa. Angesichts der Ausbreitung der Vogelgrippe haben Wissenschaftler gefordert, die Bevölkerung besser über die Folgen aufzuklären. Der Leiter des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Professor Dr. Adolf Windorfer, warnte am Donnerstag vor Panikmache: «So dramatisch dieses Virus für die Wirtschaft auch ist: Es handelt sich um eine Tierseuche, die nur in ganz seltenen Fällen auf Menschen übergeht», betonte er auf einer Fachtagung in Hannover. Rund 150 Experten diskutierten dort über die Gefahren der Vogelgrippe. Falls die Vogelgrippe nach Deutschland eingeschleppt werden sollte, seien am ehesten Mitarbeiter von Geflügelbetrieben gefährdet, die in direktem Kontakt mit Vögeln stehen. Sie sollten zum Kreis der Risikogruppe gezählt werden, für die eine gewöhnliche Grippeimpfung ratsam ist, meint Udo Buchholz vom Robert Koch-Institut in Berlin. Wichtig sei überdies, dass sie mit Schutzkleidung arbeiteten und ihre Hände desinfizierten. Experten fürchten eine Vermischung gewöhnlicher Influenzaviren von Menschen mit dem aggressiven Vogelgrippevirus H5N1. Ein solcher Mischerreger könnte so ansteckend wie die menschliche Grippe und so tödlich wie die Geflügelpest sein. Professor Dr. Thomas Blaha von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover betonte, «bei allen Schreckensszenarien wird nicht deutlich genug gesagt, dass es bei einem Ausbruch der Krankheit in Deutschland nötig sein wird, große Tierbestände zu töten». Damit mögliche Massentötungen von Geflügel akzeptiert würden, müsse klarer gemacht werden, dass sie «im Interesse der Gemeinschaft und vor allem im Interesse des Schutzes der Gesundheit von Menschen unumgänglich» sind. Zudem forderte Blaha, die derzeit föderale Verantwortung für den Gesundheitsschutz des Menschen und die Tierseuchenbekämpfung zu zentralisieren, um das Virus effektiver bekämpfen zu können.

Privatkasse zahlt keinen Hotelaufenthalt am Toten Meer
27.10. dpa. Private Krankenversicherungen müssen keine Schmerztherapie in Hotels am Toten Meer bezahlen. Nur eine Therapie in einer Klinik unter ständiger ärztlicher Aufsicht sei zu erstatten, entschied das Düsseldorfer Oberlandesgericht (Az.: 4 U 78/03) nach Angaben der ARAG-Versicherung. Eine Patientin hatte vergeblich argumentiert, dass die Therapie ihr Linderung verschafft habe und wesentlich preiswerter gewesen sei, als der Aufenthalt in einer heimischen Klinik.

Seehofer gibt Industrie Schuld an Ausgabensprung bei Medikamenten
26.10. dpa. Der frühere Gesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) hat der Pharmaindustrie die Verantwortung für die Ausgabenexplosion bei rezeptpflichtigen Medikamenten gegeben. Die Ausgabensteigerung von rund 20 Prozent seit Jahresbeginn sei nicht den Ärzten anzulasten: «Das ist eine ganz aggressive Strategie international agierender Konzerne», sagte Seehofer am Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Der Ausgabenanstieg sei «medizinisch nicht begründbar».

Hartmannbund für mehr Eigenbeteiligung
26.10. dpa. Der Ärzteverband Hartmannbund will Patienten stärker an den Behandlungskosten beteiligen. Notwendig sei ein Systemwechsel in der Krankenversicherung, um die Eigenverantwortung der Bürger zu stärken, sagte der Vorsitzende Hans-Jürgen Thomas am Mittwoch in Berlin. Er plädierte für ein Kostenerstattungsprinzip nach dem Vorbild der Privatkassen. Dabei begleicht der Patient die Rechnung des Arztes, die Krankenkasse erstattet dann, allerdings nicht immer in voller Höhe. Thomas sprach von «sozialverträglicher Selbstbeteiligung». Um die Attraktivität des Arztberufes zu steigern, forderte Thomasverbesserte Rahmenbedingungen. Für Klinikärzte müsse es «vernünftige Arbeitszeiten» und angemessene Vergütungen geben. Er begrüßte den Gesetzentwurf von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zur Lockerung der Arbeitsbestimmungen für Vertragsärzte. Damit will sich der Hartmannbund auf seiner bevorstehenden 52. Hauptversammlung am Wochenende in Potsdam beschäftigen.

Knochenmarkspende kann Fingerabdruck verfälschen
26.10. dpa. Der genetische Fingerabdruck eines Menschen kann durch fremde Knochenmarkspenden verfälscht werden. Darauf haben Experten auf einem Treffen der US-Gesellschaft für Humangenetik in Salt Lake City (Utah) hingewiesen. In der Gerichtsmedizin könnten sich daraus unter Umständen Probleme ergeben. Die Fachleute zitierten einen Fall, bei dem in einem schweren Sexualdelikt laut forensischer Datenbank ein Mann fälschlicherweise als Täter identifiziert worden war, berichtet das Fachmagazin «New Scientist» (Nr. 2523, S.11). Weil der vermeintlich Schuldige zur Tatzeit jedoch im Gefängnis saß, prüften die Ermittler weiter und fanden bei ihren Recherchen heraus, dass der Mann vor vielen Jahren eine Knochenmarkspende erhalten hatte. In seinem Blut tummelten sich Zellen mit dieser genetischen «Kennmarke» seines Spenders: Tatsächlich hatte der Spender das Sexualverbrechen begangen. Die Experten warnten deshalb vor einem allzu blinden Vertrauen in den genetischen Fingerabdruck. Auch bei Proben, die aus der Mundschleimhaut entnommen würden, könne es zeitweise eine Überlagerung mit der Spender-DNA geben. Allerdings sei die Zahl derartiger Verwechslungen überaus gering, betonten die Experten. Potenzielle Knochenmark-Spender sollten sich deshalb nicht von ihrem Vorhaben abhalten lassen, forderte die Sprecherin des Amerikanischen Knochenmarkspende-Programms.

DDR-Zulassung für Arzneimittel nicht mehr gültig
25.10. dpa. DDR-Zulassungen für Arzneimittel sind nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg nicht mehr gültig. Das Gericht wies am Dienstag Berufungen eines westdeutschen Arzneimittelunternehmens ab, das die Zulassung für seine Tierarzneimittel Mitte 1990 vom damaligen DDR-Gesundheitsministerium erhalten hatte. Das Gericht bestätigte damit entsprechende Entscheidungen des Berliner Verwaltungsgerichts aus dem Jahr 2003 zu den beiden Medikamenten des Unternehmens. Nach Auffassung des 5. Senats galt die Zulassung nach dem Ende der DDR nicht fort. Das bundesdeutsche Arzneimittelgesetz habe nur vorläufig den weiteren Vertrieb dieser Arzneimittel erlaubt. Die betroffenen Unternehmen hätten damit eine so genannte fiktive Zulassung erhalten. Dafür wurde aber entsprechend EU-Recht die Vorlage pharmazeutischer Unterlagen verlangt, um die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit fachbehördlich prüfen zu lassen. Da die klagende Firma solche Unterlagen innerhalb der vorgesehenen Frist nicht eingereicht hatte, blieben ihre Berufungen ohne Erfolg.

UN startet Aids-Kampagne für Kinder
25.10. dpa. Jede Minute stirbt weltweit ein Kind unter 15 Jahren an Aids, ein weiteres steckt sich mit dem Erreger an. Von den insgesamt drei Millionen Aids-Toten im vergangenen Jahr war jeder sechste ein Kind. Wie das UN-Kinderhilfswerk UNICEF am Dienstag in Genf mitteilte, werden die jüngsten und hilflosesten Mitglieder der Gesellschaft von der globalen Anti-Aids-Kampagne vernachlässigt. Damit soll nun Schluss sein: Mit ihrer Aktion «United for Children, United against Aids» wollen UNICEF und das UN-Programm zur Aidsbekämpfung (UNAIDS) erreichen, dass vor allem in den armen Dritte-Welt-Ländern Kinder nicht länger im Schatten stehen. Bisher würden lediglich fünf Prozent der infizierten Kinder mit lebensverlängernden Mitteln versorgt. Zum Start der Aktion am Dienstag in New York sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan: «In den 25 Jahren seit Ausbruch der Krankheit wachsen viel zu viele Kinder alleine auf, müssen zu schnell erwachsen werden oder haben gar keine Chance erwachsen zu werden. Kurz: Aids richtet Verwüstungen in der Kindheit an.» Die Kampagne soll unter anderem dafür sorgen, dass künftig weitaus mehr Kinder mit dem Medikament Cotrimoxazol behandelt werden. Obwohl es für zwei Cents (0,16 Euro) am Tag verfügbar ist, kommt es nur einem Prozent aller bedürftigen Kinder zu Gute, hieß es in einer vorab veröffentlichten Erklärung.

Merck verdient gut mit Erbitux und Flüssigkristallen
25.10. dpa. Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat nach zum Teil über den Erwartungen liegenden Quartalszahlen seine Prognosen für das Gesamtjahr angehoben. «Wir erwarten für das Gesamtjahr 2005 ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Bereich», sagte der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Bernhard Scheuble, am Dienstag in Darmstadt. Beim operativen Ergebnis peile die Merck KgaA einen zweistelligen prozentualen Anstieg an. Zuwächse brachten vor allem das Krebsmedikament Erbitux und die Flüssigkristall-Sparte. Für die ersten neun Monate des laufenden Jahres sprang das operative Ergebnis der Merck-Gruppe auf 692 Millionen Euro, 23 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Konzernergebnis nach Steuern stieg im dritten Quartal um 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, für die ersten neun Monate sank es um 4,7 Prozent auf 559 Millionen Euro. Zu den Zuwächsen im dritten Quartal trugen Einmalerlöse von 70 Millionen Euro bei. Der größte Teil davon stammt aus einer Vereinbarung mit dem japanischen Pharma-Unternehmen Takeda über die gemeinsame Vermarktung des Krebsmedikaments Matuzumab. Im Pharmageschäft, das knapp zwei Drittel des Konzernumsatzes ausmacht, wuchs insbesondere der Umsatz mit dem Krebsmedikament Erbitux stärker als erwartet. Inzwischen sei das Mitte 2004 eingeführte Mittel gegen Darmkrebs weltweit in 45 Ländern zugelassen, sagte Scheuble. Weitere Zuwächse verspreche die beantragte EU- Zulassung für die Behandlung von Kopf- und Halstumoren, mit der er im ersten Halbjahr 2006 rechne. Insgesamt peile Merck mit Erbitux 2005 einen Umsatz von 200 Millionen Euro an.

 

 

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