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PZ Nachrichten

Datum 05.07.1999  00:00 Uhr
PZ Pharmazeutische Zeitung Govi-Verlag PZ +++ Nachrichten +++   06.07. Montezumas Rache ist bald verpufft
dpa. Gegen den unangenehmen Reisedurchfall, der vor allem Europäer bei Reisen in ferne Länder quält, soll es in etwa sieben Jahren einen Impfstoff geben. Wie die "Berner Zeitung" berichtete, hat ein Forschungsteam der Universität Bern um Professor Dr. Joachim Frey bereits ein Verfahren entwickelt, das die in Kolibakterien vorhandenen giftproduzierenden Gene aufspürt. In einem nächsten Schritt wollen die Forscher spezifische Bereiche der Gift-Gene in ein weiteres Kolibakterium einsetzen. Es werde nur Teile aller wichtigen Gift-Gene enthalten, selbst aber ungefährlich sein. Aus diesem Bakterium soll dann gemeinsam mit dem Schweizerischen Serum- und Impfinstitut ein Impfstoff hergestellt werden, der im Körper die Bildung von Abwehrstoffen begünstigt und den Reisenden gegen die Erreger des sogenannten Reisedurchfalls, der "Rache Montezumas", immun macht. Frey rechnet mit einer Entwicklungs- und Test-Phase von insgesamt maximal noch sieben Jahren.

05.07. Festbeträge werden nun in Köln gemacht
PZ. Die Festbeträge für Arzneimittel sollen künftig von einer neu zu errichtenden Bundesoberbehörde in Köln erlassen werden. Dies sieht der Arbeitsentwurf eines Festbetrags-Neuordnungsgesetzes vor. Der Entwurf enthält das Recht des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), die Befugnis zum Erlaß der Rechtsverordnung zur Festbetragsfestsetzung an die neu zu errichtende Bundesoberbehörde "Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information" zu übertragen. Zu den Aufgaben des Institutes gehört auch die Errichtung und der Betrieb datenbankgestützter Informationssysteme. Zum Verfahren ist vorgesehen, daß das BMG Arzneimittelgruppen bestimmt und Festbeträge auf Grundlage der vom Bundesausschuß Ärzte und Krankenkassen sowie den Spitzenverbänden der Krankenkassen übermittelten Vorschläge festsetzt. Klagen gegen Festbeträge können nur vor dem Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen erhoben werden. Die Klage hat keine aufschiebende Wirkung, jedoch kann auf Anfrage eine einstweilige Anordnung erlassen werden, wenn die Gefahr besteht, daß Nachteile entstehen, die nachträglich nicht mehr beseitigt werden können.

05.07. Erfolge im Kampf gegen Hepatits C
dpa. Zwei wesentliche Fortschritte im Kampf gegen das Hepatitis-C-Virus (HCV) sind deutschen und amerikanischen Forschern gelungen. Mainzer Wissenschaftler haben erstmals Teile der Viren gezüchtet. "Jetzt können wir die Wirksamkeit von potentiellen Arzneien in Zellkulturen testen und vielleicht sogar neue Angriffsziele für Wirkstoffe finden", sagte der Mainzer Forscher Ralf Bartenschlager. "Das ist das erste wirklich verläßliche Kultursystem für HCV." Es wird in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science"  vorgestellt. Zunächst wollen die Mainzer Forscher untersuchen, wie sich die Vermehrung des HCV-Erbguts auf die Wirtszelle auswirkt. "Wie bei Hepatits A und B bringt HCV die Zelle nicht um." Vielmehr führe die Immunreaktion des Körpers maßgeblich zur Zerstörung der infizierten Zellen. Die Frage ist: "Wie schafft es das Virus, dennoch zu überleben?" Möglicherweise unterdrücke es die Immunantwort. HCV sei aber ebenfalls sehr variabel und bilde laufend neue Formen. Amerikanische Wissenschaftler der University of Southern California fanden gleichzeitig heraus, wie das Virus sich vor der Wirkung von Interferon schützt. Ein Protein aus der Virushülle blockiert ein vom Interferon aktiviertes Enzym sofort wieder, so daß ein eigentlich vorgesehener Abwehrmechanismus nicht in Gang kommen kann.

05.07. Diabetes-Screening in Apotheken
dpa. Jeder fünfte Diabetiker in Baden-Württemberg weiß nichts von seinen erhöhten Blutzuckerwerten. Dies ergab eine Blutzucker-Testaktion der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg in 19 Städten des Landes. Wie Kammerpräsidentin Karin Wahl mitteilte, hatten 5 443 Personen ihren Blutzuckerwert bestimmen lassen. 4 387 Testpersonen gaben an, keine Diabetiker zu sein. Tatsächlich hatten jedoch 716 einen mäßig erhöhten, 204 einen stark erhöhten Blutzuckerwert. Hochgerechnet auf das Land ergibt dies 625 000 Diabetiker, von denen 125 000 noch unentdeckt sind. Personen, in deren Familie Diabetes aufgetreten ist, sollten sich regelmäßig testen lassen, empfahl Wahl. "Aber auch dann, wenn sich viele kleine Anzeichen wie starker Durst, Abgeschlagenheit, nächtliche Wadenkrämpfe oder verschwommenes Sehen häufen, ist eine Blutzuckerkontrolle angezeigt." Diabetiker leiden gegenüber Stoffwechselgesunden zwei- bis dreimal häufiger an Herzerkrankungen und Schlaganfällen sowie zehn- bis zwanzigmal häufiger an Erblindungen und Fußerkrankungen.

02.07. Infektionen schützen vor Melanomen
dpa. Häufige fieberhafte Infektionen senken das Risiko, an Schwarzem Hautkrebs zu erkranken. Nach einer Studie der Universität Göttingen ist das Krebsrisiko bei Menschen, die eine Tuberkulose, eine Blutvergiftung oder eine Lungenentzündung durchgemacht haben, signifikant verringert. "Es muß praktisch so eine Art Feuerwerk abgelaufen sein, mit hohem Fieber und dann völliger Gesundung", sagte Studienleiter Professor Klaus Kölmel von der Universitäts-Hautklinik Göttingen am Freitag auf Anfrage. "Nur die überstandene Infektionskrankheit hat eine risikosenkende Wirkung." Die Deutsche Krebshilfe hatte die Studie zum Zusammenhang von Schwarzem Hautkrebs (Melanom) und Infektionen mit fast 230.000 Mark unterstützt. Als wahrscheinliche Erklärung für die schützende Wirkung von Krankheiten nennt die Organisation, daß das Immunsystem der Erkrankten durch die ständigen Herausforderungen durch Viren und Bakterien gut trainiert ist und so auch Krebszellen leichter aus dem Feld schlagen kann. In die Studie waren 603 Patienten mit Melanomen und 627 Gesunde aus sechs Ländern aufgenommen worden.

02.07. Roche investiert in Penzberg
dpa. Der Schweizer Pharmakonzern Roche will sein Forschungszentrum im oberbayerischen Penzberg weiter ausbauen. Dort würden für 170 Millionen Mark neue Forschungsstätten gebaut, teilte Hoffmann-La Roche (Basel) mit. Damit entstünden in Penzberg 300 weitere hochqualifizierte Arbeitsplätze in Forschung und Entwicklung für die Konzerndivisionen Pharma und Diagnostics. Mit diesen Investitionen werde die Strategie, Penzberg als High-Tech-Standort auszubauen, weiterverfolgt. Auch in der Biotechnologieproduktion soll Penzberg eine führende Rolle im Konzern einnehmen. Nach Fertigstellung der Neubauten im Jahr 2002 werden alle Aktivitäten im Werk Tutzing nach Penzberg verlegt. Roche verfügt über sechs große Forschungszentren, die neben Penzberg in der Schweiz, Japan, Großbritannien sowie an zwei Standorten in den USA liegen.

02.07. Roboter statt Herzchirurg
dpa. Mit Hilfe eines neuen Roboters sollen Herzoperationen an der Frankfurter Uniklinik präziser und für Patienten schonender werden. Ärzte der Uniklinik sprachen am Freitag von einer "zukunftsweisenden Operationstechnik" in der Herzchirurgie. Der rund 1,6 Millionen Mark teure Roboter sei der dritte seiner Art in Deutschland. Damit stehe der Uniklinik eine der "weltweit modernsten Technologien" in der Herzchirurgie zur Verfügung. Der Vorteil für den Patienten bestehe vor allem in der Verkleinerung des Zugangs zum Herzen. Für den Patienten seien nach der Operation im Vergleich zu einer Öffnung des Brustkorbes über das Brustbein praktisch keine Schmerzen zu erwarten, erläuterte Professor Anton Moritz, Direktor der Klinik für Herzchirurgie an der Frankfurter Uniklinik. Das neue Operationsverfahren ermögliche eine kürzere Rehabilitationszeit des Patienten und damit einen kürzeren Aufenthalt im Krankenhaus, sagte die Verwaltungsdirektorin der Uniklinik, Irmtraud Gürkan. Der Frankfurter Herzroboter ist der erste seiner Art in Deutschland an einem öffentlichen Krankenhaus. Finanziert wurde er aus Bundes- und Landesmitteln sowie von verschiedenen Stiftungen. Weltweit gibt es nur vier dieser Roboter. Die erste Operation mit dem System wurde im Juni 1998 in Paris ausgeführt.

01.07. Senioren ohne Impfschutz
PZ. 86 Prozent der älteren Menschen sind nicht gegen Pneumokokken geimpft, obwohl sie die häufigsten Erreger lebensbedrohlicher Pneumonien sind. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, an der 1030 Personen über 60 Jahre teilgenommen hatten, meldet Pasteur Merieux in einer Pressemitteilung. Nur sechs Prozent der Senioren hätten angegeben, gegen Pneumokokken geimpft zu sein, acht Prozent konnten über ihren Impfstatus keine Auskunft geben. Ältere Menschen erkranken besonders häufig an Pneumokokken-Pneumonien. Gründe dafür seien die altersbedingte Immunschwäche und chronische Grundkrankheiten. Oft endeten die durch Streptococcus pneumoniae ausgelösten Erkrankungen bei älteren Menschen tödlich: Die Sterblichkeitsrate liegt nach Angaben von Pasteur Merieux bei etwa 40 Prozent. Gefährlich sei die Pneumokokken-Pneumonie auch deshalb, weil der Verlauf meist untypisch ist. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) hat daher ihre Empfehlung zur Pneumokokken-Impfung im April letzten Jahres auf alle über 60jährigen erweitert. Der bereits seit Mitte der 80er Jahre eingesetzte Impfstoff sei gut verträglich und schütze vor schweren Erkrankungsverläufen durch Infektion mit den 23 häufigsten Pneumokokken-Subtypen, berichtet Pasteur Merieux in einer Pressemitteilung.

30.06."Gesundheitsreform 2000" im Bundestag
dpa. Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) hat davor gewarnt, den Interessenstreit im Gesundheitswesen auf dem Rücken der Patienten auszutragen. Die Behandlung eines Patienten sei "der ungeeigneteste Zeitpunkt, über politische Differenzen zu sprechen", sagte Fischer am Mittwoch bei der ersten Lesung der "Gesundheitsreform 2000" im Bundestag. Ärzte hatten für den selben Tag angekündigt, mit ihren Patienten über die von ihnen abgelehnte Reform sprechen zu wollen. Mit dem Gesetz soll die Qualität des Gesundheitswesens zu stabilen Beitragssätzen gesichert werden. Die Rolle der Hausärzte soll gestärkt werden. Die Krankenkassen erhalten mehr Einfluß auf die Verteilung der jährlich rund 250 Milliarden Mark Ausgaben auf die einzelnen Bereiche des Gesundheitswesens. Anstelle der bisherigen Einzelbudgets soll es ein Globalbudget geben. Die Krankenhausfinanzierung wird schrittweise bis 2008 voll auf die Krankenkassen übertragen. Vorsorge und Vorbeugung werden verstärkt. Das Gesetz bedarf der Zustimmung des Bundesrates und soll zum 1. Januar 2000 in Kraft treten. Die Bundestagsopposition von CDU/CSU und FDP lehnte den Entwurf rundheraus ab. Die Patienten seien die Verlierer, sagte der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Hermann Kues. Wolfgang Zöller (CSU) warf SPD und Grünen die Fortsetzung einer Politik gegen den "kleinen Mann" vor. Fischer wies die Kritik am Globalbudget zurück. "Jedes System muß mit begrenzten Mitteln auskommen." Alternative zur Deckelung der Ausgaben wären letztlich nur erhöhte Zuzahlungen der Patienten oder Steuererhöhungen.

30.6. Thermometer nur noch ohne Quecksilber?
dpa. Die rot-grüne Bonner Koalition will aus Gründen des Gesundheitsschutzes quecksilberhaltige Fieberthermometer verbieten. Einen entsprechenden Antrag brachten SPD und Grüne am Mittwoch im Bundestag ein. Danach soll "die Produktion und das Inverkehrbringen quecksilberhaltiger Fieberthermometer, Barometer oder Manometer, insbesondere für private Anwender" verboten werden. Die Privathaushalte sollen durch Öffentlichkeitsarbeit über die ordnungsgemäße Entsorgung von quecksilberhaltigen Geräten aufgeklärt werden. Diese könnten durch Meßgeräte mit unschädlichen Meßflüssigkeiten oder digitale Fieberthermometer ersetzt werden. Zur Begründung hieß es, Quecksilberdämpfe seien hochgiftig und verursachten schwerste Erkrankungen beim Menschen. Die SPD-Abgeordnete Jella Teuchner wies darauf hin, daß die Thermometer und Barometer mit der Meßsäule aus Quecksilber leider noch immer in Millionen deutschen Haushalten vorhanden seien. Bei unvorsichtigem Hantieren könne so ein Thermometer leicht zerbrechen. Dann träten unzählige Quecksilberkügelchen aus. Das Quecksilber verdampfe bereits bei normaler Raumtemperatur und sei beim Einatmen hochgiftig. So etwas gehöre nicht in private Haushalte.

30.06. Neue Führungsspitze bei Merck
dpa. Der größte US-Pharmakonzern Merck hat die Spitze seiner Deutschland-Tochter ausgewechselt. Der 41jährige Stefan Oschmann löse Jürg Ambühl als Chef der MSD Sharp & Dohme GmbH (Haar bei München) ab. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Nach sieben Jahre habe Ambühl (49) die Firma verlassen, hieß es ohne nähere Angaben. Oschmann sei künftig zugleich als Vice President zuständig für das Europageschäft des Konzerns, der nichts mit dem gleichnamigen Darmstädter Chemieunternehmen Merck zu tun hat. Die Deutschland-Tochter MSD sieht sich selbst als Nummer vier im hiesigen Markt für verschreibungspflichtige Medikamente und will mittelfristig auf Platz eins vorstoßen. 1998 erzielte MSD mit 1 000 Beschäftigten einen Umsatz von 800 Millionen DM. Die US-Mutter Merck & Co (Whitehouse Station/New Jersey) erlöste im vergangenen Jahr mit 57 300 Beschäftigten 26,9 Milliarden Dollar (50,57 Mrd DM/25,86 Mrd Euro).
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