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Nachrichten

Datum 27.05.2002  00:00 Uhr

Zur PZ-Homepage Versandapotheker lieben industrielle Strukturen
27.05. PZ. Das hatte sich Dr. med. Thomas Kerckhoff sicher anders vorgestellt. In Berlin wollte der Mediziner den Bundesverband Deutscher VersandapothekerInnen (BVDVA) den Medien präsentieren. Doch die reagierten unerwartet kritisch. Eine "Aufklärungskampagne für den Arzneimittelversandhandel" will der kürzlich in Köln gegründete Verband starten. Dessen Vorsitzender Kerckhoff, gleichsam in hohen Diensten der Schweizer Versandapotheke MediService AG, ist Herrscher über sich und sieben getreue Apotheker, die den Bundesverband gründeten. Mehr Mitglieder wurden bislang nicht aufgenommen. Laut Kerckhoff sind 25 weitere am Verband interessiert. Der Berliner Apotheker Rolf Spielberger, ebenfalls Gründungsmitglied und Stellvertretender Vorsitzender des Verbandes, verkündete gar, er habe Kontakt zu rund 100 Apotheken, die am Verband und den Aktivitäten Interesse zeigten. Die brächten es auf ein Umsatzvolumen von 800 Millionen Euro. Am Podium hatte auch Rechtsanwalt Dr. Dr. Christian Diercks in seiner Funktion als BVDVA-Beirat Platz genommen. Er sinnierte über mögliche Gesetzestextänderungen im Vorfeld einer Zulassung des Versandhandels mit Arzneimitteln. Schnell zeigte sich Kerckhoffs wahre Intention. "Unser Ziel ist es, die industrielle Versandapotheke in Deutschland zu installieren", so der Vorsitzende. Man brauche viel Kapital, um eine Versandapotheke auf die Beine zu stellen, "rund 10 Millionen Euro". Kerckhoff bestätigte auch die Beteiligung der Deutschen Post AG über ein anderes Unternehmen an der Schweizer MediService AG. Die Postler sind mit rund 10 Prozent an der Versandapotheke beteiligt. Der BVDVA will in Kürze eine Informationskampagne starten, die in einigen Städten der Republik dem Versandhandel das Wort reden soll. Apothekerinnen und Apotheker kanzelte Kerckhoff in seinem Statement ab. Er verglich sie mit Fröschen, die es sich in einem beheizten Brunnen bequem gemacht hätten und nichts "von der Weite des Meeres" wüssten. (tb)

Aufsicht mahnt Krankenkassen
27.05. PZ. Das Bundesversicherungsamt (BVA) schreitet gegen Krankenkassen an, die über den Versandhandel mit Arzneimitteln Geld sparen wollen. Derzeit schickt das BVA Schreiben an zahlreiche Krankenkassen und droht konsequent "aufsichtsrechtliche Maßnahmen" an, wenn sie ihren Versicherten über den Versandhandel bezogene Arzneimittel bezahlen. In einem Schreiben an die BKK Post macht das BVA deutlich: "Das Ministerium hat inhaltlich unsere Rechtsauffassung ausdrücklich schriftlich bestätigt. Demgegenüber können politische Absichtserklärungen auf die derzeitige Rechtslage keinen Einfluss haben." Der BKK Post droht das Bundesversicherungsamt an, die "sofortige Vollziehung des Verpflichtungsbescheides" anzuordnen, wenn diese nicht die BVA-Auffassung vertritt, über den Versandhandel beschaffte Medikamente nicht mehr zu bezahlen. Das Amt befürchtet, dass der Wettbewerb der Krankenkassen ausgehebelt werden könnte: Es wären Nachahmereffekte bei anderen Krankenkassen zu befürchten. Die meisten Krankenkassen würden sich jedoch rechtstreu verhalten. (rv)

Rheumatologen lehnen alternative Therapien ab
27.05. dpa. Bei rheumatischen Erkrankungen führen nach Auffassung führender Fachärzte alternative Therapieansätze nicht zu einer Heilung oder Besserung. Krankheiten der Gelenke, Muskeln, Nerven und Sehnen seien am besten in einer abgestimmten Kombination von stationärer und ambulanter Behandlung der klassisch-modernen Medizin zu bekämpfen, hieß es am Samstag auf dem sechsten Kongress "Praktische Rheumatologie" im Ostseebad Damp (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Dennoch sollte die Medizinwissenschaft gegenüber Alternativen weiterhin offen sein. "Geglaubt wird zwar viel, doch Alternativmedizin ist auf Grund der jetzigen Datenlage nach vielen internationalen Studien nicht mit gutem Gewissen zu empfehlen", sagte der Chefarzt für Innere Medizin an der Ostseeklinik Damp, Joachim Georgi. So hätten sich bei Rheumakrankheiten sowohl Diäten wie auch Nahrungsergänzungsmittel und Pflanzenheilstoffe und Akupunktur weitestgehend als unwirksam erwiesen. "Es gibt keinen Durchbruch in der Rheumatologie durch Alternativmedizin." Für den Patienten sei es hingegen therapeutisch lohnend, sich der modernen, wissenschaftlich orientierten Medizin anzuvertrauen, sagte Georgi. Studienergebnisse belegten, dass durch ständig neu entwickelte schulmedizinische Therapien die Fallzahlen der durch rheumatische Leiden verursachten Invalidität seit 1970 bis heute um rund 300 Prozent gesunken seien. Der leitende Arzt des Bayerischen Rheuma- und Orthopädiezentrums Bad Abbach bei Regensburg, Professor Dr. Heiner Menninger, empfahl bei Rheumaleiden eine auf den Einzelpatienten genau abgestimmte fachmedizinisch anfangs intensiv begleitete stationäre Behandlung mit folgenden gezielten ambulanten Therapien. Untersuchungen hätten gezeigt, dass diese Kombination zu hervorragenden Langzeitergebnissen führe. Außerdem seien dadurch die Gesamtkosten um das Vielfache günstiger als nur ambulant zu behandeln.

Italienische Operationstechnik in Bochum
24.05. dpa. Eine in Deutschland fast unbekannte Operationstechnik soll in Bochum künftig das schwer zu behandelnde Vorhof-Flimmern bei Herzpatienten beheben. Italienische Mediziner haben am Freitagvormittag am Universitätsklinikum Bergmannsheil zu Demonstrationszwecken erfolgreich eine Operation an einem Patienten vorgenommen, die von Medizinern und Studenten in einem Hörsaal live mitverfolgt wurde. Ziel der Operation ist es, mit Hilfe eines Katheters, der durch hochfrequente Schwingungen an der Spitze auf 60 Grad erhitzt wird, Oberflächenareale des linken Herzvorhofs zu veröden. Anschließend soll die überhöhte Vorhoffrequenz auf das normale Maß zurückgehen. In rund 1000 Fällen seien insbesondere von italienischen Medizinern Erfolge erzielt worden. In Deutschland wende bisher erst das Herzzentrum in München den Kathetereingriff an, sagte der Bochumer Kardiologe Dr. Bernd Lemke. "Medikamente zeigen bei den Patienten nur unzureichende Wirkung", sagte Lemke. Bislang habe in schweren Fällen der Impulsgeber durchtrennt und ein Herzschrittmacher eingesetzt werden müssen. Im aktuellen Fall war das Vorhofrasen eines 47-jährigen Patienten in der vergangenen Woche ausgeufert. Der vor zehn Jahren erkrankte Mann habe zuletzt fast täglich mehrstündige Anfälle erlitten, die im Normalfall von selbst enden. Vergangene Woche sei der Anfall in ein Dauerrasen übergegangen. Nach der einstündigen Operation arbeite der Vorhof jetzt wieder normal. Die Ursache für das Vorhof-Flimmern ist noch nicht genau geklärt. Betroffen seien meist Menschen mit großen Vorhöfen. Wenn keine andere Herzschädigung hinzukomme, verlaufe die Erkrankung auch nicht tödlich. "Während eines Anfalls ist der Patient aber kaum ansprechbar", sagte Lemke. Die Chance auf Heilung durch die Katheter-Operation liege bei schwerer Herzschädigung bei 70 Prozent, bei leichterer Schädigung bei 90 Prozent, sagte Lemke. Künftig soll die Kathetermethode zum ständigen Angebot in Bochum zählen.

Erziehen mit Liebe, Lob und Strenge
24.05. dpa. Kinder, deren Eltern frühzeitig ein Erziehungstraining absolvieren, haben neuen Studien zufolge langfristig weniger Probleme mit Aggressionen und Schulproblemen. Das belegen mehrere Langzeituntersuchungen aus dem US-amerikanischen und kanadischen Raum, wie Erziehungsforscher der Technischen Universität Braunschweig berichten. Dort läuft zurzeit das erste von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt zu diesem Thema in Deutschland. "Das Projekt, bei dem ab Herbst auch die Universität Köln mitarbeitet, ist über drei Jahre angelegt", sagte Annett Kuschel von der Braunschweiger Forschungsgruppe. Eltern von Kindergartenkindern erhalten dabei ein mehrwöchiges Training im so genannten Positiven Erziehungsprogramm Triple P (Positive Parenting Program), das in Australien entwickelt wurde und deutschlandweit auch vom Institut für Psychologie (PAG) in Münster verbreitet wird. Dabei steht die positive Verstärkung von erwünschtem Verhalten im Vordergrund: Viel Zuwendung, Förderung und vor allem Lob für das Einhalten der Familienregeln. Kindliches Fehlverhalten wird umgekehrt durch Ignorieren oder "Auszeiten" sanktioniert. Quengelt zum Beispiel ein Kind beim Autofahren, hält der Fahrer ein paar Minuten an. Haut ein Kind in der Sandkiste ein anderes, gibt es fünf Minuten Spielstopp. Klare Regeln, klare Konsequenzen, lautet die Devise - dies soll das Verhalten der Eltern auch für die Kinder nachvollziehbar machen, Orientierung und Halt vermitteln.

Zahnverlust bleibt ein Altersleiden
24.05. dpa. Trotz medizinischer Fortschritte wird der Bedarf an Zahnersatz einer neuen Studie zufolge in den kommenden beiden Jahrzehnten nicht sinken. Bis 2020 rechnet die Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde nach der in Dresden vorgestellten Untersuchung nicht mit einem Rückgang zahnärztlich-prothetischer Behandlungen. Zahnausfall bleibe ein Problem, vor allem bei alten Menschen, hieß es zum Auftakt der Jahrestagung der Gesellschaft. Jährlich werden in Deutschland knapp 18 Milliarden Euro für Zahnmedizin ausgegeben, davon rund 6 Milliarden für Zahnersatz wie Kronen, Brücken, Gebisse oder Implantate. Der Studie zufolge tragen derzeit 71 Prozent der 35- bis 44-Jährigen und 96 Prozent der 65- bis 74-Jährigen in Deutschland Zahnersatz. Dennoch seien bestimmte Altersgruppen im internationalen Vergleich eher unterversorgt, erläuterten die Experten. Fast einem Drittel der Deutschen im Alter zwischen 35 und 44 Jahren fehle mindestens ein Zahn in der Vorderfront, bei den untersuchten Senioren (Alter 65 bis 74 Jahre) seien es trotz des hohen Anteils an Zahnersatz noch 15,7 Prozent. Die maßgeblichen Ursachen für Zahnverlust sind den Experten zufolge Karies und Parodontitis. Wenngleich immer mehr Kinder und Jugendliche ein gesundes Gebiss hätten, sei bei Erwachsenen ab 35 Jahren der Kariesbefall in den vergangenen Jahren praktisch nicht zurückgegangen. In Ostdeutschland habe sich die Situation sogar verschlimmert.

Schlaganfall-Prävention per Augenblick
23.05. dpa. Mit einer neuen Methode sollen Augenärzte bald lebensbedrohliche Durchblutungsstörungen diagnostizieren können. Durch einen Blick auf Blutgefäße der Netzhaut könnte ein drohender Schlaganfall oder Herzinfarkt schneller und zuverlässiger erkannt werden als mit anderen Verfahren, teilte der Berufsverband der deutschen Augenärzte in Düsseldorf mit. Jährlich erleiden nach Schätzung der "Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe" 250.000 Menschen einen Schlaganfall. Davon ließen sich 100.000 durch frühzeitige Behandlung verhindern. Unter dem Projektnamen "T@@lking Eyes" erprobt unter anderem die Augenklinik Erlangen-Nürnberg bis August 2002 die neue Vorsorge-Methode in einem Großversuch. Dabei fanden die Mediziner heraus, dass bei sieben Prozent der Versuchspersonen das Herz erkrankt war. In diesen Fällen hätten herkömmliche Diagnose-Methoden das Risiko nicht erkennen können. Nach Auswertung der Ergebnisse aus 10.000 Untersuchungen von Versuchs-Personen soll das Verfahren bundesweit eingeführt werden.

Apothekengesetz auf der Kippe
23.05. PZ. Der Gesundheitsausschuss des Bundesrates will die Apothekenpflicht für Impfstoffe erhalten. Er empfiehlt der Länderkammer, in ihrer Sitzung am 31. Mai zur Novellierung des Apothekengesetzes den Vermittlungsausschuss einzuberufen. Einziger Streitpunkt ist die geplante Änderung der Vertriebswege für Impfstoffe. Der Gesundheitsausschuss sieht darin einen Rückschritt für die Arzneimittelsicherheit. Viele Impfstoffe müssten wegen ihrer Wärmeempfindlichkeit besonders sorgfältig gelagert und transportiert werden. Arztpraxen verfügten in der Regel nicht über geeignete Lagerungsmöglichkeiten für größere Impfstoffmengen. Dagegen garantiere der bewährte Vertriebsweg über Apotheken ein Höchstmaß an Arzneimittelsicherheit. Es sei auch nicht erwiesen, dass eine Änderung des Vertriebsweges preiswerter sei, da schon heute die Arzneimittelpreisverordnung für Impfstoffe nicht gelte.

Mediziner warnen vor Impfmüdigkeit
23.05. dpa. Vor einer zunehmenden Impfmüdigkeit in Deutschland haben Mediziner in Hannover gewarnt. In den vergangenen fünf Jahren habe die Zahl der Impfungen um zehn bis fünfzehn Prozent abgenommen, sagte der Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Adolf Windorfer. Während es bei Babys und Kleinkindern in der Regel eine gute Impfrate gebe, hapere es bei Jugendlichen und Erwachsenen. Viele ließen die nötigen Auffrischungen nicht vornehmen. "Impfungen sind die preiswerteste und erfolgreichste Prävention", betonte Windorfer. Allein durch Impfungen seien zum Beispiel die Pocken völlig ausgerottet worden. Die Kinderlähmung gebe es zumindest in den westlichen Staaten nicht mehr. Nach Windorfers Angaben beträgt die Impfrate bei Säuglingen und Kleinkindern 90 bis 92 Prozent. Allerdings liege sie bei Kindern aus ausländischen Familien oft drastisch niedriger. Gegen Hepatitis B, die durch Sexualkontakte übertragen wird, seien nur noch 30 bis 50 Prozent der Jugendlichen geimpft. Und nur rund 20 Prozent der älteren Menschen von 60 Jahren an seien gegen Grippe geimpft, was in dieser Altersgruppe ratsam sei.

Initiative empört Schmidt
22.05. dpa/PZ. Der Streit um den geplanten Versandhandel von Arzneimitteln spitzt sich zu. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) kritisierte die Unterschriftenaktion der Apotheker gegen das Projekt als "Verunsicherungskampagne mit falschen Informationen". In Bayern untersagte das Sozialministerium den Betriebskrankenkassen unterdessen den Bezug von Medikamenten über Internet und die Werbung dafür. Das Bundesgesundheitsministerium zeigte sich mit dem Schritt einverstanden: Er decke sich "mit unserer Rechtsauffassung", sagte eine Ministeriumssprecherin am Mittwoch in Berlin auf Anfrage. Schmidt betonte, bei der Zulassung des Internet-Handels gehe es darum, im Interesse der Verbraucher auch aus dem Arzneimittelmarkt einen europäischen Binnenmarkt zu machen. Den Apothekern warf sie vor, sie wollten "auf Dauer eine Mauer um Deutschland" errichten. Dies werde aber die EU-Kommission aus Wettbewerbsgründen nicht akzeptieren. Hans-Günter Friese, Präsident der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, betonte, dass die Apotheker über die Initiative Pro Apotheke den sachlichen Dialog mit der Bevölkerung suchten. "Es geht darum, die Versicherten und Patienten über die Gefahren des Versandhandels mit Arzneimitteln zu informieren." Die Kritik von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, die Apotheker würden Panikmache betreiben, wies Friese zurück. Es sei vielmehr so, dass die übergroße Zahl der Patienten die geplante Einführung eines Versandhandels mit Arzneimitteln nicht mittrage. Dies zeige insbesondere die große Resonanz auf die Unterschriftenaktion. Friese: "Bereits heute zeichnet sich ab, dass dies die größte Unterschriftenaktion wird, die jemals in der Geschichte der Bundesrepublik stattgefunden hat." Das bayerische Sozialministerium begründete das Verbot zum Internet-Bezug von Medikamenten mit dem Hinweis, der von den Betriebskrankenkassen mit einer niederländischen Versandapotheke geschlossene Vertrag zum Bezug apothekenpflichtiger Arzneimittel verstoße gegen den "fairen Wettbewerb" zwischen den Kassen. Auch das Bundesgesundheitsministerium wies darauf hin, dass ein solcher Vertrag im Vorgriff auf die geplante Gesetzesänderung nicht legal sei.

Liponsäure verzögert Alzheimer-Krankheit
22.05. dpa. Das Diabetes-Medikament Liponsäure kann nach Ansicht von Forschern den geistigen Verfall von Alzheimer-Patienten um ein Jahr verzögern. In Kombination mit Acetylcholin-Esterase (AchE)-Hemmern habe sich in Testreihen der Geriatrie der Henriettenstiftung Hannover eine positive Wirkung gezeigt. Das berichteten die Wissenschaftler Klaus Hager und Gerald Münch am Mittwoch in Hannover. Liponsäure stoppe Entzündungen, die durch Eiweiß-Ablagerungen an den Nervenzellen entstehen. Die Verzögerung sei aber nur im frühen oder mittleren Stadium möglich, sagte der hannoversche Altenmediziner Hager. Auch die Standardmedikation mit AChE-Hemmern bleibe unverzichtbarer Bestandteil der Behandlung. Hager hatte vor zwei Jahren mit dem Leipziger Biochemiker und Zellforscher Münch die Testreihe an zehn Patienten begonnen. Inzwischen seien es um die 50 Teilnehmer. Nach Angaben der Mediziner verbesserte sich auch der Zustand mancher Patienten vorläufig. Eine Heilung sei aber mit der Therapie nicht zu leisten. Die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) bezuschusste mit zunächst 75 000 Euro und will weiteres Geld stiften. Der Forschungsansatz sei bislang bundesweit einmalig, sagte Münch. Der Effekt sei auch schon in Versuchen mit Tieren und Zellkulturen nachgewiesen worden. "Es ist kein Wundermittel. Aber es ist immerhin ein kostbares Jahr der Leistungsfähigkeit." Nach AFI- Angaben gibt es in Deutschland rund 1,2 Millionen Alzheimer-Kranke.

Keller: Versorgung darf nicht gefährdet werden
22.05. PZ. Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Hermann S. Keller, distanziert sich von der Aktion einzelner Apotheker im Rhein-Sieg-Kreis, Versicherten der Gmünder Ersatzkasse Arzneimittel nur noch gegen Vorkasse auszuhändigen." Die Arzneimittelversorgung der Patienten ist für die Apotheker das höchste Gut und darf nicht gefährdet werden", stellte Keller fest. Die Apotheker hatten auf eine Aktion der Gmünder Ersatzkasse reagiert, die ihre Versicherten rechtswidrig dazu aufgefordert hatte, Arzneimittel über den Versandhandel zu bestellen. "Auch wenn man vielleicht Verständnis dafür haben kann, dass diese Apotheker aus Empörung über den fortgesetzten Rechtsbruch der Gmünder Ersatzkasse eine Gegenmaßnahme ergriffen haben, so darf auf keinen Fall der Patient unter dieser Auseinandersetzung leiden," sagte Keller. Der Deutsche Apothekerverband habe daher als Vertragspartner der Ersatzkassen unverzüglich den Apothekerverband Nordrhein gebeten, die betroffenen Apotheker aus dem Rhein-Sieg-Kreis zur Einhaltung bestehender Verträge aufzufordern. "Politische Auseinandersetzungen dürfen auf keinen Fall auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden", meinte Keller. "Unrecht kann nicht mit Unrecht beantwortet werden."

Zahl der HIV-Neuinfektionen bleibt gleich
21.05. dpa. Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Immunschwächevirus HIV hat sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) im vergangenen Jahr nicht verändert. Für 2001 geht das Bundesinstitut von knapp 2000 HIV-Neuansteckungen aus, teilte es am Dienstag im HIV/Aids-Bericht 2001 in Berlin mit. Etwa ein Viertel davon seien Frauen. Mit 38 Prozent die größte Gruppe stellen laut RKI nach wie vor homosexuelle Männer, gefolgt von eingereisten Menschen aus Ländern mit hoher HIV-Verbreitungsrate. Wegen besserer Therapiemöglichkeiten bleibe die Zahl der neu an Aids Erkrankten im vergangenen Jahr auf dem niedrigen Stand von 700. Schätzungsweise 600 starben im Jahresverlauf 2001 an der Krankheit. Wegen der inzwischen gebräuchlichen Kombinationsbehandlung mit antiviralen Medikamenten könne das Fortschreiten der HIV-Infektion zur Aids-Erkrankung erheblich hinausgezögert werden, betonte das RKI. Die Zahl der mit HIV und Aids Lebenden erhöhe sich deshalb jährlich um rund 1000 und wird auf derzeit 38.000 geschätzt, darunter 8300 Frauen. Die Zahl der HIV-infizierten Kinder liegt dank vorbeugender Therapie bei den Schwangeren unter 400.

Mädchen mit halbem Gehirn
21.05. dpa. Obwohl es ohne linke Gehirnhälfte lebt, beherrscht ein siebenjähriges Mädchen aus den Niederlanden zwei Sprachen perfekt. Das Kind, das fließend holländisch und türkisch spreche, sei Ärzten der Rotterdamer Universitätsklinik aufgefallen, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner jüngsten Ausgabe. Im Alter von drei Jahren sei dem Mädchen die linke Hälfte des Großhirns entfernt worden, weil es am Rasmussen-Syndrom erkrankt war. Mit dieser in dem Fall dominanten Hirnhälfte sei ihm eigentlich auch das Sprachzentrum herausgeschnitten worden. Daraufhin habe die rechte Seite das Erlernen der Worte übernommen. Das Mädchen habe lediglich die rechte Körperhälfte nicht völlig unter Kontrolle und ein eingeschränktes Sichtfeld. Bei dem sehr seltenen Syndrom, das in Deutschland pro Jahr 10 bis 15 Mal diagnostiziert wird, zerfällt eine Hirn-Hälfte langsam und muss schließlich entfernt werden.

SPD-Fraktion will mit Versand vor allem sparen
21.05. PZ. In der SPD gibt es offensichtlich unterschiedliche Auffassungen über die Vorteile des Versandhandels mit Arzneimitteln. Während Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt vor allem das Bedürfnis einzelner Patienten gesetzlich praktikabel regeln will, sieht die Fraktion in erster Linie das Sparpotenzial. Dies geht aus einem Brief hervor, der im Auftrag des Fraktionsvorsitzenden Peter Struck an einen Apotheker ging. In dem Schreiben betont der gesundheitspolitische Referent der Fraktion Peter Schmidt, die Gesundheitsreform 2003 werde strukturelle Weichenstellungen in Richtung Senkung der Distributionskosten vornehmen. Als erste Option biete sich dafür der Versandhandel an. Mit seiner Zulassung könne voraussichtlich ein Betrag von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr eingespart werden, so Schmidt. Kein Zweifel besteht darüber, wem das Geld fehlen wird: "Diese Kostenreduktion geht zu Lasten des jetzigen Vertriebsmonopolisten, der traditionellen Apotheke." In der Beurteilung des Marktpotenzials für den Versandhandel, traut die SPD-Fraktion den Versendern mehr zu als Ulla Schmidt. Während die Ministerin von maximal 8 Prozent spricht, ist in dem Schreiben von bis zu 15 Prozent die Rede. Kein Wunder, wenn deshalb davon auszugehen ist, dass "nicht alle Apotheken diesen Strukturwandel überleben werden". Immerhin: "Die SPD ist davon überzeugt, dass sich innovative und flexible Offizinapotheker am Markt behaupten werden." (dr) Zur PZ-Homepage

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