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| 02.05.2005 00:00 Uhr |
Wirtschaft nennt Schmidt Amokläuferin
02.05. dpa. Die Wirtschaft hat
Sozialministerin Ulla Schmidt wegen ihrer Pläne zur Stabilisierung der
Rentenkassen scharf attackiert. Industriepräsident Jürgen Thumann warf der
SPD-Politikerin einen «ordnungspolitischen Amoklauf» vor. Den Unternehmen
entstehe durch die geplante frühere Überweisung der Sozialbeiträge ein
gewaltiger Schaden. Dagegen bezeichnete der Wirtschaftsweise Professor Dr.
Bert Rürup die Maßnahme als «kleineres Übel» für die Betriebe. Ein höherer
Beitragssatz wäre seiner Meinung nach eine größere Bürde gewesen. Schmidt
hatte am Freitag angekündigt, Arbeitgeber sollten von 2006 an zeitgleich zur
Auszahlung der Löhne und Gehälter auch die Beiträge an die
Sozialversicherungen überweisen. Bisher wurden die Beiträge den Rentenkassen
erst in der Mitte des Folgemonats gutgeschrieben. Die SPD-Politikerin will
mit der Änderung drohende Finanzengpässe der Rentenkassen abwenden und den
Beitragssatz stabil halten. Thumann kritisierte, dadurch werde den Firmen
Liquidität entzogen. «Es ist doch absurd: Wir denken darüber nach, wie wir
mehr Investitionen für mehr Arbeitsplätze bekommen, und die
Gesundheitsministerin dreht wieder an der Abgabenschraube», sagte der
Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) der «Berliner
Zeitung» (Samstag). Als «kreativen Buchungstrick» bezeichnete Rürup die
Pläne. Diese stellten zwar für die Betriebe eine Belastung dar, doch wäre
eine Erhöhung des Rentenbeitragssatzes von 19,5 auf 19,9 Prozent schlimmer,
sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.
Backmohn kein
Schlafmittel für Babys
02.05. dpa. Das Bundesinstitut
für Risikobewertung (BfR) warnt vor Backmohn als Einschlafmittel für
Säuglinge. Der Mohn könne giftige Substanzen enthalten, die zu schweren
gesundheitlichen Schäden bis hin zum Atemstillstand führten, sagte
BfR-Präsident Andreas Hensel. In alten Rezepten, aber
auch in aktuellen Kochbüchern werde Eltern geraten, einem Baby bei
nächtlichem Geschrei den Sud von in Milch erhitztem Backmohn zu trinken zu
geben. Die Samen enthielten aber mitunter die Alkaloide Morphin und Codein.
Anlass der Warnung des Instituts ist ein aktueller Fall, bei dem eine Mutter
Backmohn in Milch erhitzt hatte. Die gesiebte Milch gab sie ihrem sechs
Monate alten Säugling zu trinken. Das Kind bekam Atemstörungen, sein
Bewusstsein trübte sich und es reagierte kaum noch auf Schmerzreize. Ärzte
diagnostizierten eine Opiat-Vergiftung. Für Lebensmittel verwendeter Mohn
sollte frei von den giftigen Stoffen sein, enthält aber je nach Herkunft
doch unterschiedlich hohe Mengen der Substanzen. Der Morphin-Gehalt
beispielsweise kann um den Faktor 100 variieren.
Ärzte und Kassen für
Neuregelung der Praxisgebühr
02.05. dpa. Patienten, die die
Praxisgebühr nicht bezahlen, sollen künftig gesetzlich zur Zahlung
sämtlicher Mahnkosten verpflichtet werden. Auf diese Forderung an den
Gesetzgeber hätten sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die
Krankenkassen geeinigt, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende, Andreas Köhler,
am Montag am Rande einer KBV-Vertreterversammlung in Berlin. «Wenn Sie einen
Strafzettel haben, müssen Sie auch die Bearbeitungsgebühren zahlen», sagte
Köhler. In 337.000 Fällen hätten Patienten die zehn Euro Gebühr im Jahr 2004
nicht gezahlt. Der niedergelassenen Ärzteschaft sei ein Schaden von 30
Millionen Euro entstanden. Kassenärzte und Kassen einigten sich nach
KBV-Angaben darauf, bis zum 1. Januar 2006 keine Vollstreckungsverfahren
gegen säumige Patienten einzuleiten. Danach solle der Bund die «rechtlichen
Voraussetzungen für ein wirtschaftliches und wirksames Vorgehen» schaffen.
Die KBV fordert, dass die Krankenkassen in der Übergangszeit bis Ende 2005
die für die Mahnverfahren angefallenen Portokosten den Ärzten und
Kassenärztlichen Vereinigungen erstatten. Beide Seiten wollen ihren Streit
darüber spätestens bei einem Spitzentreffen am 24. Mai beilegen; andernfalls
erwägt die KBV juristische Mittel.
Tetanus-Schutz bei Älteren oft schlecht
29.04. dpa. Der Arbeitskreis
Impfen hat vor einem mangelnden Tetanus-Impfschutz bei Älteren gewarnt.
Während fast alle Kinder im Vorschulalter gegen den Wundstarrkrampf geimpft
seien, gebe es bei älteren Menschen erhebliche Defizite, teilten die
Experten am Freitag mit. Nur 65 Prozent der 30 bis 39 Jahre alten Menschen
und nur 40 Prozent der über 70-Jährigen haben den Angaben zufolge einen
aktuellen Impfschutz gegen Tetanus. «Da Sporen von Tetanusbazillen überall
vorhanden sein können und im täglichen Leben vielfältige
Verletzungsmöglichkeiten lauern, sollte jeder Mensch über einen aktuellen
Impfschutz verfügen», sagte Hanna Oppermann vom Landesamt für
Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt. Oppermann erinnerte daran, dass die bei
Babys begonnene Grundimmunisierung ein Leben lang im Abstand von zehn Jahren
aufgefrischt werden müsse. Bei Erwachsenen werde die Kombination mit einer
Auffrischimpfung gegen Diphtherie empfohlen.
Auch ohne Zulassung: Kasse muss zahlen
29.04. dpa. Bei einem
befristeten Therapieversuch muss die Krankenkasse auch ein in Deutschland
nicht zugelassenes Medikament bezahlen. Dieses Urteil veröffentlichte das
hessische Landessozialgericht am Freitag in Darmstadt und gab damit einem
Aids-Patienten Recht (Az: L 8 KR 38/05 ER). Der Mann litt im Rahmen einer
Behandlung an Störungen der Fettverteilung mit schweren Darmbeschwerden und
starker Atemnot. Nach Einschätzung der Ärzte konnte dagegen nur ein
Medikament aus den USA helfen, das keine Zulassung in Deutschland besitzt.
Die zuständige Krankenkasse lehnte jedoch die Übernahme der Kosten ab und
bekam in erster Instanz Recht. Dieses Urteil hob das Landessozialgericht
auf. In bestimmten Therapiebereichen hätten Patienten Anspruch auf die
neuesten Behandlungsmethoden. Je schwerwiegender die Belastung für die
Patienten sei, desto gründlicher müsse abgewogen werden, heißt es in der
Entscheidung. Im vorliegenden Fall sei die Verweigerung des Medikaments für
den Patienten lebensbedrohlich.
Celesio auf
Wachstumskurs
29.04. dpa. Europas größter
Pharmahändler Celesio hat seine Prognose für das Gesamtjahr 2005 bestätigt.
Danach soll das Ergebnis vor Steuern (EBT) wieder deutlich über dem des
Vorjahres liegen. «Mit der Steigerung des Vorsteuerergebnisses auf 495,1
Millionen Euro im Jahr 2004 haben wir sowohl die Ausgangsbasis als auch die
Messlatte für das Ergebnis des Jahres 2005 sehr hoch gelegt», sagte
Vorstandschef Fritz Oesterle am Freitag auf der Hauptversammlung in
Stuttgart. Dennoch soll das absolute Ergebnis des Jahres 2004 im laufenden
Geschäftsjahr deutlich übertroffen werden. «Wie deutlich dies sein wird,
kann ich heute noch nicht sagen», betonte Oesterle. Dies hänge von der
Entwicklung des Gesamtmarktes und vor allem vom deutschen Großhandel ab.
Oesterle sieht in allen drei Geschäftsbereichen nachhaltiges
Wachstumspotenzial. Ohne Akquisitionen rechnet Celesio im Großhandel mit
einem Wachstum im Rahmen des vergleichbaren Marktes und bei den Apotheken
mit einem Wachstum über dem Markt.
Lebensgefahr am Arbeitsplatz
28.04. dpa. Mehr als zwei
Millionen Menschen sterben weltweit im Jahr durch Arbeitsunfälle oder
Berufskrankheiten und diese Tendenz ist steigend. Das geht aus Erhebungen
der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor, die am Donnerstag in Genf zum
Internationalen Tag der Arbeitsplatzgesundheit veröffentlicht wurde. Neben
den Todesfällen, die durch die Arbeit verursacht werden, gibt es jedes Jahr
268 Millionen nicht tödliche Arbeitsunfälle mit mindestens drei Tagen
Arbeitsausfall. Außerdem erkranken jährlich 160 Millionen Menschen neu an
einer Berufskrankheit. Beide Organisationen fordern deshalb mehr Schutz und
Verhütung von Unfällen am Arbeitsplatz. Wenn auch in vielen Industrieländern
die Zahl der Arbeitsunfälle in den vergangenen Jahren abnahm, stieg sie etwa
in den sich entwickelnden Ländern wie China oder Brasilien und Mexiko - etwa
durch den Boom im Bausektor mit ungeübten Kräften - stark an. Die häufigsten
Berufskrankheiten sind Krebs, der durch gefährliche Substanzen verursacht
wird. Hinzu kommen Erkrankungen der Muskulatur und der Knochen,
Atemwegserkrankungen, Verlust des Gehörs und Kreislaufkrankheiten. In vielen
Industrieländern nimmt die Asbestose weiter zu. Weltweit sterben jährlich
100.000 Menschen an berufsbedingter Asbestose. In der Landwirtschaft, dem
wichtigsten Sektor in Entwicklungsländern, sterben jährlich 70.000 Menschen
an Vergiftungen, die durch Pestizide verursacht wurden. Zahlreiche weitere
Menschen erleiden nicht tödliche, aber chronische Krankheiten durch solche
Vergiftungen.
GlaxoSmithKline mit zweistelligem Gewinnsprung
28.04. dpa.
Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline hat das Jahr glänzend begonnen
und seinen Vorsteuergewinn für das erste Quartal um 17 Prozent auf 1,7
Milliarden Pfund (2,5 Mrd. Euro) gesteigert. «Wir sind hervorragend ins
Geschäftsjahr 2005 gestartet und treten nun in eine neue Phase des Wachstums
ein», sagte Konzernchef Jean-Pierre Garnier am Donnerstag in London. Der
Gewinnanstieg übertraf die Ergebnisprognosen der Analysten. Der
Konzernumsatz stieg von 4,88 Milliarden Pfund auf 5,03 Milliarden Pfund.
Auch für die weitere Zukunft gab sich Garnier optimistisch, zumal nach
seiner Meinung der Konkurrenzdruck durch Generika abnehmen dürfte. «GlaxoSmithKlines
Zukunft sieht sehr gut aus und wir sind auf dem Weg, 2005 ein Wachstum beim
Ergebnis pro Aktie im niedrigen zweistelligen Prozentbereich zu erzielen»,
sagte der Konzernchef weiter.
BGH: Patient trägt
Kostenrisiko
28.04. dpa. Wer sich ohne
Versicherungsschutz ins Krankenhaus begibt, muss die Behandlungskosten
selbst zahlen. Nach einem am Donnerstag verkündeten Urteil des
Bundesgerichtshofs (BGH) gilt dies auch dann, wenn der Patient irrtümlich
glaubt, er sei krankenversichert. Nach den Worten der Karlsruher Richter
trägt der Patient das Risiko, dass die Kosten durch eine wirksame
Krankenversicherung gedeckt sind. In dem entschiedenen Fall hatte eine
Mutter ihre Tochter ins Krankenhaus gebracht - in der irrigen Annahme, das
Kind sei beim Vater mitversichert. Laut BGH waren die Mutter und das
Krankenhaus zwar davon ausgegangen, die Kosten würden von der Kasse
getragen. Vor dem Hintergrund dieses Irrtums müsse der Behandlungsvertrag
aber entsprechend angepasst werden - was dazu führe, dass die Mutter die
Rechnung des Krankenhauses begleichen müsse (Aktenzeichen: III ZR 351/04 vom
28. April 2005). Der BGH stellte klar, dass der Patient - oder in diesem
Fall die Eltern - sich um den Versicherungsschutz oder gegebenenfalls um
eine Kostendeckung über die Sozialhilfe kümmern müssten. Der
Krankenhausträger habe normalerweise keinen Einblick in die Verhältnisse des
Patienten. Damit muss die Mutter gut 4600 Euro für den ersten
Krankenhausaufenthalt des Kindes zahlen. Ob sie auch für eine zweite
Behandlung haftet, muss nun das Oberlandesgericht Koblenz abschließend
klären.
Ausgaben: Ärzte sehen sich unter Druck
27.04. dpa. Der erwartete
Ausgabenanstieg bei den Arzneimitteln im Jahr 2005 liegt nach Ansicht der
Kassenärzte nicht in ihrem Verordnungsverhalten begründet. Grund für den
Anstieg sei vielmehr die Senkung des gesetzlich verordneten
Herstellerrabatts der Industrie für die gesetzlichen Krankenkassen von 16
auf 6 Prozent. Auch könnten die Pharmahersteller nach einem ebenfalls
verordneten Preis-Stillstand seit Jahresbeginn wieder die Preise anheben,
berichtete die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL) am
Mittwoch in Dortmund. Die beiden Faktoren werden nach Ansicht der
westfälischen Kassenärzte zusammen für einen Ausgabenanstieg von 15 Prozent
oder mehr sorgen. «Intern hatten Krankenkassen im vergangenen Jahr bereits
einen Anstieg von 18 Prozent prognostiziert», sagte Wolfgang-Axel Dryden,
zweiter Vorsitzender der KVWL. Auf den Ärzten liege nun ein hoher Druck,
möglichst rational zu verordnen. Die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher
Apothekerverbände rechnet damit, dass 2005 das Ausgabenniveau 1,9 Milliarden
Euro oder knapp zehn Prozent höher liegt als im vorigen Jahr. Im ersten Jahr
der Gesundheitsreform 2004 hatten höhere Zuzahlungen und mehr
nicht-erstattungsfähige Arzneimittel noch zu einer Entlastung der Kassen von
2,5 Milliarden Euro geführt.
Kassen sollen Rabatte aushandeln
27.04. dpa.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat die Krankenkassen
aufgefordert, verstärkt mit Pharmafirmen über Rabatte zu verhandeln. Die
Versicherten hätten seit Einführung der jüngsten Gesundheitsreform ihren
Teil zu den Kostensenkungen beigetragen, sagt die Ministerin am Mittwoch bei
einem Fachkongress in Bamberg. Nun seien Ärzte, Apotheker und Pharmafirmen
an der Reihe. Die bisherigen Rabatte kämen hauptsächlich den Apothekern zu
Gute. Noch in diesem Jahr werde sich die weitere Entwicklung im
Arzneimittelsektor entscheiden. Das Jahr 2004 mit Einsparungen bei
Medikamenten in Höhe von rund zehn Prozent sei die Ausnahme, sagte die
Ministerin. In Zukunft werde es durch neu entwickelte Arzneimittel zwar
wieder steigende Ausgaben geben. Diese müssten aber bezahlbar bleiben.
Schmidt bemängelte zudem unzureichende wirtschaftliche Effizienz im
Gesundheitswesen. So würden beispielsweise Patienten doppelt untersucht,
weil Informationen von einem zum nächsten Arzt nicht weitergegeben würden.
Der frühere Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) plädierte bei der
Veranstaltung für die Einführung einer verpflichtenden Krankenversicherung
in Deutschland. Dabei gehe es aber nicht um eine Einheitsversicherung für
alle. Vielmehr solle der Bürger entscheiden dürfen, bei welcher Gesellschaft
er sich versichere und in welchem Umfang. Seehofer sprach sich auch dafür
aus, bestimmte Teile der Krankenversicherung auszukoppeln und über Steuern
zu finanzieren. Konkrete Beispiele nannte Seehofer nicht.
Zahnarzt-Funktionäre:
Bezüge im Visier
27.04. dpa. Gehaltssteigerungen
um teilweise mehr als 300 Prozent für die Spitzenfunktionäre der
Kassenzahnärzte haben die Politik alarmiert: Bundesgesundheitsministerin
Ulla Schmidt (SPD) lässt derzeit prüfen, ob die Anhebung der Bezüge für die
Vorstände der Kassenzahnärztlichen Vereinigungen (KZV) angemessen sind. Nach
ihrer Auffassung sind solche Managerbezüge nur dann zu rechtfertigen, «wenn
daraus auch gute Managerleistungen folgen», sagte ihr Sprecher Klaus Vater
am Mittwoch in Berlin. Die SPD-Gesundheitsexpertin Gudrun Schaich-Walch rief
die Ärzte zu Protesten gegen die hohen Gehälter ihrer Funktionäre auf. Für
Wirbel hatten zuvor schon die Bezüge einzelner Kassenchefs und
Ärztefunktionäre gesorgt. Die neuen Bezüge der Zahnarzt-Funktionäre waren
Anfang März im Bundesanzeiger veröffentlicht worden. Die Gehaltsskala reicht
danach von 120.000 bis 221.600 Euro im Jahr. Diese Spitzensumme erhält der
Chef der KZV Westfalen-Lippe. Nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung»
lag dessen Gehalt im vergangenen Jahr noch bei 49.000 Euro, woraus sich eine
Steigerung von 350 Prozent errechnet. Der Chef der Kassenzahnärztlichen
Bundesvereinigung, Jürgen Fedderwitz, erhält 220.000 Euro. Zuvor hätten
seine Bezüge bei 73.600 Euro plus Sitzungsgeldern gelegen. KZBV-Sprecher
Rainer Kern widersprach der Darstellung, das es sich um eine Gehaltserhöhung
handele. Im vergangenen Jahr habe es sich bei dem Spitzenamt noch um eine
ehrenamtliche Funktion gehandelt, seit Anfang 2005 sei die Spitze
hauptberuflich tätig. Die Gehälter würden nicht aus Steuer- oder
Beitragsmitteln aufgebracht, sondern aus der von den KZV-Mitgliedern
erhobenen Umlage. Die Selbstverwaltungen «entscheiden das demokratisch und
autonom für jede Region», sage Kern.
Sandoz kommt nach Bayern
26.04. dpa. Der weltgrößte
Generika-Hersteller Sandoz verlegt seine Zentrale von Österreich nach
Deutschland. Im bayerischen Holzkirchen bei München, Sitz des kürzlich von
Sandoz gekauften Pharmaunternehmens Hexal, sollen Entwicklung, Produktion
und operatives Geschäft zusammengeführt werden. Die neue Zentrale soll etwa
150 Mitarbeiter haben. Große Investitionen in Holzkirchen plant das
Unternehmen nach Angaben von Sandoz-Chef Andreas Rummelt vorerst nicht.
Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sprach am Dienstag von einer
«Signalwirkung über den Tag hinaus». Die Sandoz-Unternehmensleitung ist
bislang in Wien ansässig. Dort sind 115 Mitarbeiter beschäftigt. «Wie wir in
den letzten zwei Jahren gelernt haben, ist die Isolation eines weltweiten
Headquarters im Elfenbeinturm nicht sinnvoll», sagte der Chef der
schweizerischen Sandoz-Mutter Novartis, Daniel Vasella. Insgesamt sollen
etwa 40 neue Arbeitsplätze für die Sandoz-Führungsetage entstehen. Der Umzug
soll etwa sechs Monate dauern und in der zweiten Jahreshälfte beginnen,
sobald die EU den Hexal-Kauf offiziell genehmigt hat. Rummelt lobte die gute
Infrastruktur und das gute Umfeld für Biotechnologie-Firmen im Raum München.
l
Mehr dazu: hier
Praxisgebühr: Inkasso-Verfahren neu geregelt
26.04. dpa. Krankenkassen und
Kassenärzte haben sich auf ein geändertes Verfahren für das Eintreiben
ausstehender Gelder aus der Praxisgebühr verständigt. «Es ist ein Ergebnis
erzielt worden, aber es wurde Stillschweigen vereinbart», sagte der Sprecher
der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Roland Stahl, am Dienstag nach
einem Treffen beider Seiten in Berlin. «Es wurde auf Fachebene verhandelt,
nicht auf Entscheidungsebene», hieß es dazu aus Kassenkreisen. Sofern alle
Spitzenverbände dem Verhandlungsergebnis zustimmen, soll das Ergebnis in der
kommenden Woche bekannt gegeben werden. Die Kassenärztlichen Vereinigungen
dringen auf eine Änderung des derzeit praktizierten Inkasso-Verfahrens: Sie
bleiben regelmäßig auf hohen Kosten sitzen, wenn sie für das Eintreiben der
Praxisgebühr von zehn Euro im Quartal bei säumigen Zahlern vor die
Sozialgerichte ziehen müssen. In diesen Fällen müssen - auch im Erfolgsfall
– die Gerichtskosten von 150 Euro von den Kassenärztlichen Vereinigungen
gezahlt werden.
Rückschlag: Sechs
Polio-Fälle im Jemen
26.04. dpa. Die weltweite
Kampagne zur Ausrottung der Kinderlähmung hat einen weiteren Rückschlag
erlitten. Neun Jahre nach der Ausrottung der Poliomyelitis im Jemen ist die
Krankheit in dem südarabischen Land nun wieder aufgetaucht. Der jemenitische
Gesundheitsminister Mohammed al-Nuami sagte am Dienstag nach Angaben der
staatlichen Nachrichtenagentur SABA, bisher sei bei sechs Kindern in der
Küstenprovinz Hodeida am Roten Meer Polio festgestellt worden. Die
Laboruntersuchungen über den Ursprung der Krankheitsfälle seien aber noch
nicht abgeschlossen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte am
Dienstag in Genf mit, ihr seien bisher vier Polio-Fälle aus Hodeida gemeldet
worden, weitere Erkrankungen seien nicht ausgeschlossen. Die WHO will bis
Ende dieses Jahres Polio weltweit ausrotten und Kinderlähmung von der Liste
übertragbarer Krankheiten streichen. Im Jemen hatten Mitte April alle 4,5
Millionen Kinder unter fünf Jahren eine Impfung erhalten. Eine weitere
Kampagne im Juni sei in Planung. In Afrika waren im April etwa 100 Millionen
Kinder gegen Kinderlähmung geimpft worden. In den vergangenen 18 Monaten
hatten 14 vorher Polio-freie Länder Afrikas neue importierte Fälle gemeldet.
Die Kinderlähmung war aus Nigeria in andere Länder gelangt.
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