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| 03.01.2000 00:00 Uhr |
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Gefahren
durch chinesische Kräuter
04.01. dpa. Die Techniker Krankenkasse (TK) hat vor
schwerwiegenden Gesundheitsgefahren gewarnt, die von chinesischen Kräutern ausgehen
können. "Es liegen mehrere wissenschaftliche Untersuchungen vor, die über ernste
gesundheitliche Schäden bei der Verwendung von solchen Kräutern berichten", sagte
die Medizinerin Birgitta Weltermann von der Techniker Krankenkasse (TK) am Dienstag in
Hamburg. In Belgien seien bereits mehr als 100 Fälle von Nierenversagen bekannt geworden,
die durch diese Kräuter verursacht worden seien. In über 30 Fällen sei es zu einem
tödlichen Verlauf gekommen. Auch in Deutschland seien bereits die Nieren eines Patienten
nachhaltig durch chinesische Kräuter geschädigt worden. Nach Darstellung der
Krankenkasse können die Kräuter einerseits in erheblichem Maß mit Pestiziden,
Insektiziden und Schimmel verunreinigt sein. Zum anderen würden einigen so genannten
"Kräutermischungen" aus Fernost auch "bis zu 30 Prozent mineralische und
tierische Produkte beigemischt". Besonders asiatische Pflanzenpräparate, die vom
"grauen Markt" stammten, seien häufig kontaminiert, hieß es. Die Liste reiche
von Arsen über Cadmium, Blei, Quecksilber, Thallium bis zu Zink, zitiert die TK das
"Deutsche Ärzteblatt". Außerdem erhalte der Patient häufig keinerlei
Informationen über den Wirkstoff- gehalt der Kräutermischungen. Selbst Ärzten, die
diese Kräutermischungen verschrieben, lägen diese Informationen oft nicht vor.
Chinesische Kräuterzubereitungen hätten weder in Deutschland, noch in der EU, noch in
einem anderen hoch industrialisierten Land eine arzneimittelrechtliche Zulassung. Die
Herstellung und Verarbeitung unterliege somit keiner staatlichen Kontrolle, wie es bei
zugelassenen Arzneimitteln üblich sei, so die TK.
BPI erwägt Verfassungsbeschwerde gegen
Reform
04.01. PZ. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie
(BPI) bereitet eine Verfassungsbeschwerde gegen eine Bestimmung der Gesundheitsreform 2000
vor. Die kritisierte Regelung sieht vor, dass kartell- und wettbewerbsrechtliche
Streitigkeiten in der gesetzlichen Krankenversicherung in die Zuständigkeit der
Sozialgerichte fallen. Nach dem Gesetz zur Gesundheitsreform, das am 1. Januar 2000 in
Kraft getreten ist, sollen die im Sozialgesetzbuch V geregelten Rechtsbeziehungen der
Krankenkassen zu Ärzten, Apothekern und anderen Leistungserbringern und ihren Verbänden
allein sozialversicherungsrechtlicher und nicht privatrechtlicher Natur sind. Das soll
auch gelten, soweit durch diese Rechtsbeziehungen Rechte Dritter betroffen sind. Nach
einem für den BPI erstellten Rechtsgutachten von Professor Dr. Gunther Schwerdtfeger von
der Universität Hannover wird durch diese Regelung neben deutschem Verfassungsrecht auch
EG-Recht verletzt.
Lebenserwartung soll auf 100 Jahre
steigen
03.01. dpa. In diesem Jahrhundert wird die Lebenserwartung der
Menschen nach Ansicht der Bundesärztekammer auf rund 100 Jahre steigen. Grund dafür
seien vor allem Fortschritte in der Transplantationsmedizin, sagte der Präsident der
Bundesärztekammer, Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, am Montag im Saarländischen
Rundfunk. Derzeit liegt die durchschnittliche Lebenserwartung nach Angaben des
Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden für Frauen bei rund 80 Jahren und für Männer bei
73,6 Jahren. Positiv wertete Hoppe die Entwicklung beim Kampf gegen Aids. Vielleicht
könne die Krankheit in Zukunft mit Impfungen verhindert werden, sagte Hoppe. Auch bei der
Behandlung von Krebs sei in den kommenden Jahrzehnten mit erheblichen Fortschritten zu
rechnen. Allerdings sei auch zu befürchten, dass Krankheiten wiederkämen, die derzeit
als ausgerottet gelten. Denkbar sei auch, dass die bestehenden Antibiotika künftig nicht
mehr ihre Wirkung entfalten könnten, weil sich die Bakterien auf die Mittel einstellten.
Bei der Transplantationsmedizin sei die Forschung weit fortgeschritten, Probleme wie das
Abstoßen von Organen hätten die Experten mittlerweile im Griff, sagte Hoppe. Außerdem
liege es im Bereich des Möglichen, künstliche Organe zu erzeugen. Noch sei es aber
dringend notwendig, die Organspendenbereitschaft der Menschen zu erhöhen.
Schäuble für mehr Wettbewerb
03.01. PZ. Der Fraktionschef der Union im Bundestag, Wolfgang
Schäuble, hat einen Neuanlauf in der Gesundheitspolitik gefordert. Die Gesundheitsreform
der Bundesregierung sei ein "offensichtlicher Fehlschlag", heißt es in einem
Schreiben Schäubles an die Fraktionsmitglieder zum Jahreswechsel. Der Rationierung von
Gesundheitsleistungen und dem Weg in die Zwei-Klassen-Medizin, wie er in der Politik von
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Bündnis
90/Die Grünen) angelegt sei, müsse ein Riegel vorgeschoben werden. Die wachsende
Nachfrage nach Leistungen des Gesundheitssystems muss nach Schäubles Einschätzung
"wirtschaftlich tragbar befriedigt werden durch eine sachgerechte und sozial
ausgewogene Kombination von solidarischer Grundsicherung und mehr
Eigenverantwortung". Der CDU-Vorsitzende fordert dazu die Wahlfreiheit bei der
Gestaltung von Beiträgen und Versicherungsschutz, die Eigenbeteiligung bei der
Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen sowie mehr Transparenz für die Versicherten und
Wettbewerb zwischen Kassen und Leistungserbringern.
Machtkampf bei Kassenärzten
03.01. dpa. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung
Nord-Württemberg, Werner Baumgärtner, möchte den Bundesvorstand des Verbandes zum
Rücktritt bewegen. "Ich kandidiere für den Bundesvorsitz, nur wenn der gesamte
Vorstand zurücktritt", sagte Baumgärtner in einem dpa-Gespräch. Auf der
außerordentlichen Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) am
15. Januar werde er von den "Oppositionsgruppen" Nordbaden, Südbaden, Bayern,
Sachsen und Schleswig-Holstein unterstützt. "Ich stehe nur für einen Neuanfang zur
Verfügung", betonte er. Allerdings sei der Vorstand derzeit nicht zum Rücktritt
bereit. Besonders scharf griff Baumgärtner den ehemaligen KBV-Chef Winfried Schorre an.
Dieser habe sich von Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) über den Tisch
ziehen lassen. Die flächendeckende ärztliche Versorgung der Bevölkerung sei in Gefahr,
warnte der 48 Jahre alte Facharzt für Allgemeinmedizin aus Stuttgart. Schorre habe den
Eindruck erweckt, die Gesundheitsreform gehe ohne Einbußen an der KBV vorbei. Nach den
Plänen der Bundesregierung könnten Krankenkassen an der KBV vorbei direkt Verträge mit
Leistungsanbietern abschließen. "Diese Verträge gehen zu Lasten der übrigen
Kassenärzte", sagte Baumgärtner. Das Stichwort laute: mehr Markt. Dagegen müsse
sich die KBV wehren. Baumgärtner lehnte eine Budgetierung für wichtige Arzneimittel ab.
Clinton gegen Arzneihandel über das
Internet
31.12. dpa. US-Präsident Bill Clinton will den illegalen
Verkauf verschreibungspflichtiger Medikamente über das Internet bekämpfen. Nach Angaben
des Weißen Hauses vom Dienstag schlägt der Präsident neue Regeln für
Internet-Pharmafirmen, eine strikte Überwachung, Strafen bis zu 500 000 Dollar pro
Verstoß und eine Aufklärungskampagne für Verbraucher vor. Im Haushaltsjahr 2001, der am
1. Oktober 2000 beginnt, sollen dafür zehn Millionen Dollar eingeplant werden.
Bandscheibenvorfall:
Antizytokinbehandlung
30.12. dpa. Bandscheibenvorfälle lassen sich jetzt auch mit
einem körpereigenen Immunstoff erfolgreich behandeln. Mit Antizytokinen sollen sich
Bandscheibenvorfälle, bei denen der Ischiasnerv geschädigt wird, ohne größere
Nebenwirkungen therapieren lassen, sagte der Düsseldorfer Orthopäde Dr. Peter Wehling.
Vorausgegangen waren dreijährige Studien, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) gefördert wurden und eine klinische Untersuchung mit 81 Patienten. Bislang wurden
Bandscheibenvorfälle operativ oder mit Hilfe von Cortison behandelt, das bei wiederholten
Anwendungen eine Reihe von Nebenwirkungen zeigen kann. Dabei handelt es sich um
Stoffwechsel- und Hormonveränderungen, Infektanfälligkeit, Knochenschwund oder
vorübergehende Gesichtsschwellungen. Die Heilungschancen bezeichnete Wehling gegenüber
den bisherigen Methoden als gleich. Die Erfolgschance zur Schmerzlinderung habe in der
Untersuchung bei 75 Prozent gelegen. Darüber hinaus hätten sich Schwächen oder
Gefühlsstörungen im Bein schneller zurück gebildet. Die Patienten der klinischen
Untersuchung waren mit dem Eiweiß Anti-Interleukin-1, das biotechnisch aus dem Blut der
Patienten gewonnen wurde, behandelt und längere Zeit beobachtet worden. "Der
Hemmstoff entscheidet im Körper, ob ein Bandscheibenvorfall schnell ausheilt und die
Folgeschäden gering bleiben», betonte Wehling. Nach seinen Angaben behandeln bereits
mehrere Orthopäden in Deutschland Bandscheibenvorfälle mit Antizytokinen.
Forscher spüren versteckte HI-Viren
auf
28.12. dpa. Britische Mediziner haben einen neuen Bluttest
entwickelt, mit dem sich "versteckte" HIV-Viren aufspüren lassen. Dies sei
"ein Durchbruch" in der Aids-Forschung, berichteten am Dienstag die
"Times" und andere britische Zeitungen. Dank der neuen Methode könnten in
Zukunft wesentlich effektivere Medikamente gegen das Virus entwickelt werden. Frühere
Untersuchungen hatten bereits nachgewiesen, dass sich der Virus nach einer scheinbar
erfolgreichen Behandlung in dem Gehirn, den Augen oder im Hoden verstecken kann. In der
Blutbahn ist er dann nicht mehr nachweisbar, doch sobald die Medikamente abgesetzt wird,
kehrt der Virus zurück. Die jetzt von Medizinern des Londoner Hammersmith Hospital
entwickelte Methode spürt dagegen "Abfallprodukte" auf, die bei der
Reproduzierung des Virus entstehen. Dabei handelt es sich um kleine DNA-Schleifen in den
weißen Blutkörperchen. Durch das Verfolgen dieser Schleifen kann nachgewiesen werden,
dass das Virus weiter lebt und sich reproduziert. Wie die Wissenschaftler unter Leitung
von Sunil Shaunak in der Wissenschaftszeitschrift "Nature Medicine" ausführten,
testeten sie die Methode an 63 Patienten. Alle waren gegen das HIV-Virus mit Medikamenten
behandelt worden, und bei allen war das Virus mit den herkömmlichen Mitteln im Blut nicht
mehr feststellbar. Die Therapie schien also Erfolg gehabt zu haben. Doch mit der neuen
Methode konnte Shaunak den Virus nach eigenen Angaben bei 75 Prozent der Patienten
nachweisen.
Krebshilfe kritisiert
Bundesregierung
28.12. dpa. Die Deutsche Krebshilfe hat die Bundesregierung
aufgefordert, ihre Klage gegen ein europaweites Werbeverbot für Tabak zurückzunehmen.
Das Europäische Parlament hatte 1998 ein solches Werbeverbot beschlossen, gegen das die
Bundesrepublik Einspruch beim Europäischen Gerichtshof erhoben hat. "Es kann nicht
angehen, dass unsere eigene Regierung die Bemühungen anerkannter Wissenschaftler
konterkariert", unterstrich der Medizinische Beirat der Krebshilfe am Montag in Bonn.
Die Fakten lägen auf dem Tisch: Rauchen fordere Jahr für Jahr Tausende Todesopfer. Die
Folgeerkrankungen des Tabakkonsums kosteten die Versicherten immense Summen. 40 Prozent
der jungen Leute zwischen zwölf und 25 Jahren rauchten. "Die Tabakwerbung muss
verboten werden", forderte die Krebshilfe. Nach den Angaben ist Deutschland das
einzige europäische Land, das gegen die EU-Richtlinie vorgeht. Dies sei höchst
bedenklich, da mindestens 30 Prozent aller Krebstodesfälle auf das Rauchen
zurückzuführen seien. Pro Jahr sterben den Angaben nach mehr als 100.000 Deutsche an den
Folgen des Rauchen.
Schwarz will mehr investieren
28.12. dpa. Schwarz Pharma investiert mehr Geld in die
Medikamentenentwicklung. Im Monatsverlauf seien die Verhandlungen zu vier neuen
Entwicklungsprojekten erfolgreich abgeschlossen worden, teilte die Schwarz Pharma AG am
Montag in Monheim mit. Auf der Grundlage von neuen Wirkstoffen will das Pharmaunternehmen
effektivere Medikamente gegen Epilepsie, Herzrhythmusstörungen, Parkinson und
Prostatakrebs gewinnen. Kooperationspartner seien dabei US-Firmen. Zwei der vier neuen
Projekte befänden sich bereits in der Phase von Tierversuchen. Bei einem dritten soll
diese Phase im kommenden Jahr beginnen. Bislang betreibe Schwarz Pharma fünf
Entwicklungsprojekte. "Wir wollen kein Krämerladen werden", betonte ein
Firmensprecher. Schwerpunkte für Schwarz Pharma blieben die drei Indikationsbereiche
Herzkreislauf, Nervensystem sowie Margen und Darm. Wegen der höheren Forschungs- und
Entwicklungsausgaben werde die Ergebnisprognose für 1999 voraussichtlich nicht erreicht.
Der Vorstand geht davon aus, dass der ursprünglich für 1999 anvisierte Jahresüberschuss
von rund 20 Millionen DM um etwa fünf Millionen DM unterschritten werde. Für 2000 werde
das Forschungs- und Entwicklungsbudget um 40 Millionen DM oder gut ein Drittel
aufgestockt. Das börsennotierte Unternehmen erwartet 1999 einen weltweiten Umsatz von
etwa 1,37 Milliarden DM.
Hundt will GKV nur für
Basissicherung
27.12. dpa. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat sich für
drastische Einschnitte in die gesetzliche Krankenversicherung ausgesprochen. Die
Leistungen müssten "von der derzeitigen Lebensstandardsicherung auf eine
Basissicherung" umgestellt werden, forderte der Präsident der Bundesvereinigung der
Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) am Wochenende in einem dpa-Gespräch. Es sollten
lediglich die Risiken übernommen werden, die den Einzelnen überforderten. "Ich
gestehe, dass das im Einzelfall nicht ganz leicht abzugrenzen sein wird", sagte
Hundt. "Lösungen sind aber möglich, zumal derzeit viele zweifelhafte Leistungen von
den Kassen mitfinanziert werden." Der Arbeitgeberpräsident plädierte dafür, die
Eigenleistung der Patienten zu erhöhen. Die persönliche Situation des Betroffenen müsse
stärker berücksichtigt werden. "Die üblichen Grippe- und Schnupfenmittel kann der
Patient von einem gewissen Einkommen an in vollem Umfang übernehmen, ohne überfordert zu
werden." Hundt kritisierte die Deckelung der Ausgaben der gesetzlichen
Krankenversicherung durch die rot-grüne Bundesregierung. Das Globalbudget sei "ein
Zwangsinstrument, das in der Praxis nicht funktioniert. Ich setze auf Wettbewerb und
Eigenverantwortung." Notwendig seien "mehr Vertragsfreiheit und damit mehr
Wettbewerb zwischen den Leistungsanbietern und den Krankenkassen". Hundt weiter:
"Wir müssen den Markt wirken lassen, damit Gesundheitsleistungen günstiger
angeboten werden."
Krebsforscher: Fortschritte durch
Gentherapie
27.12. dpa. Nach Erwartungen des Krebsforschers
Professor Dr. Harald zur Hausen wird die Gentherapie im neuen Jahrtausend Früchte tragen,
auch wenn sie bislang manche Hoffnung nicht erfüllt habe. "Bisher gibt es keinen
einzigen erfolgreich gentherapeutisch behandelten Krebspatienten", sagt der
wissenschaftliche Stiftungsvorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in
Heidelberg. Langfristig sei die Therapie jedoch vielversprechend. Endgültig besiegt werde
der Krebs aber wahrscheinlich auch in zwei Jahrzehnten noch nicht sein. Hoffnungen ruhen
auf den gentherapeutischen Verfahren unter anderem deshalb, weil sie mehrere
Möglichkeiten zum Eingriff in die Zelle bieten. Neue Gene könnten beispielsweise
ausgefallene Gene ersetzen, sagt zur Hausen. "Eine zweite Möglichkeit wäre es, mit
Hilfe von Genen Abwehrzellen zu aktivieren." Mediziner könnten auch Gene in eine
Krebszelle einbringen, die dort die Apoptose auslösen - den zellulären Selbstmord.
Klinische Versuche liefen etwa bei Hirntumoren, doch seien die Ergebnisse bisher
"etwas unbefriedigend." Das Hauptproblem sei es, geeignete Träger zu finden,
die die Gene effektiv in die Zielzellen transportieren könnten. "Wenn Sie nur zehn
Prozent der Krebszellen erreichen, dann reicht das nicht." Bis die Gentherapie jedoch
so weit sei, würden noch einige Jahre vergehen. "Dramatische Veränderungen sind
nicht zu erwarten, doch wird es voraussichtlich stetige kleine Fortschritte geben."
P53-Gen: Ansatz zur Krebstherapie
24.12. dpa. US-Forscher sind zuversichtlich, das Apoptose-Gen
p53 bei Versagen reaktivieren und seine Abwehrkraft wieder herstellen zu können.
Mutationen können das Gen schachmatt setzen. Jede zweite Krebserkrankung hängt mit dem
verlorenen Schutz von p53 zusammen. P53 spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen
Lungenkrebs, Darm-, Brust- und Hautkrebs. Das einflussreiche kann den Zelltod (Apoptose)
einleiten, wenn ein Tumor zu entstehen droht. Durch bestimmte Mutationen verliert p53 die
Fähigkeit, sich an das Steuerzentrum anderer Gene anzudocken und dort regulierend
einzugreifen. In "Science" (Bd. 286, Nr. 5449, S. 2431) vom Freitag berichten
der Krebsbiologe Farzan Rastinejad und seine Kollegen von der Zentralen Forschung des
Pharmaunternehmens Pfizer in Groton (Connecticut), dass sie einen Weg zur
Wiederherstellung des blockierten Gens gefunden haben. P53 verliert durch die meisten
Mutationen seine klare, dreidimensionale Form, die ihm die Verbindung zu anderen Genen
ermöglicht. Um diese Form wieder herzustellen, überprüften Rastinejad und Kollegen rund
100.000 Substanzen. Sie fanden tatsächlich 300, die den Eiweißstoff p53 korrekt
falteten. Erste Versuche mit einigen der Stoffe stimmen hoffnungsvoll. Sie kurbelten die
Produktion richtig gefalteter p53-Proteine auf das Fünffache an und intensivierten die
Aktivität des Gens um das Zehnfache. Im Tierexperiment reduzierten die reaktivierten
p53-Gene das Wachstum verschiedener Tumoren um 50 bis zu 75 Prozent und verhinderten die
Entstehung von Darmkrebs gänzlich. Rastinejad fügt hinzu, dass die Substanzen auch für
andere Krankheiten Bedeutung gewinnen könnten. Bei der Alzheimer Krankheit, der
zystischen Fibrose (Mukoviszidose) und der Creutzfeld-Jakob-Krankheit (CJD) spielen
ebenfalls falsch gefaltete Proteine eine wichtige Rolle.
Käse schützt die Zähne
23.12. dpa. Käse schließt nicht nur den Magen, sondern ist
auch noch gut für die Zähne. Ein Käsedessert zum Abschluss des Weihnachtsmahls könne
zum Schutz des Gebisses beitragen, teilte der britische Zahnarztverband am Mittwoch in
London mit. Wissenschaftler der Zahnarztschule von Newcastle haben demzufolge
nachgewiesen, dass schon der Verzehr eines Käsewürfels die Kalziumkonzentration im
Zahnbelag um 112 Prozent steigen lässt. Dadurch werde der Zahnbelag weniger schädlich.
Ein Nudelgericht mit Käsesoße führe zu einer Zunahme von 61 Prozent. Nach Huhn mit
Schinken und Käse nehme die Kalziummenge um 50 Prozent zu. Geoff Craig vom britischen
Zahnarztverband sagte: "Ein gesunde Ernährung sollte auch gut für die Zähne
sein."
Mediziner warnen Allergiker vor
Plätzchen
23.12. dpa. Allergiker sollten an den Weihnachtstagen auf den Genuss bestimmter
Plätzchen, Schokoladen und Nougat verzichten. "Vor allem Birkenpollenallergiker
reagieren oft auf Nüsse allergisch", sagte die Leiterin der Allergie-Abteilung an
der Universitätsklinik Erlangen, Professor Dr. Manige Fartasch, in einem dpa-Gespräch.
Schon kleine, versteckte Nuss-Stücke in Kuchen oder Schokoladen könnten allergische
Reaktionen auslösen. Allergiker sollten sich daher auf den Packungen von den
Inhaltsstoffe der Süßigkeiten überzeugen, rät die Medizinerin. "Am besten meiden
sie Plätzchen und Schokolade." Vorsichtiges Probieren könne Abwehr-Reaktionen des
Körpers vorbeugen. Hände weg vom Weihnachtsgebäck gelte für rund 40 Prozent aller
Birkenpollenallergiker, schätzte Fartasch. Ihre Kreuzreaktion könne Mandeln, Hasel- und
Walnüsse sowie Cashew-Kerne betreffen. Aber auch Beifuß-Allergiker sollten an
Weihnachten mit Umsicht naschen: bestimmte Weihnachtsgewürze wie Anis, Koriander oder
Zimt könnten ihnen den Spaß verderben.
Neuer BSE-Test in Sicht
22.12. dpa.Jüngste Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen
Rinderwahnsinn und der neuen Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (nvCJD) beim Menschen
können nach Expertenansicht zu einem neuen BSE-Test führen. Ein gentechnisch
veränderter Mäusestamm zeigte nach Infektionen mit den Erregern von BSE und nvCJD
identische Symptome. Der endgültige Nachweis für eine Übertragung auf den Menschen
bleibt nach Expertenmeinung allerdings aus. Mit diesen Mäusen könnten Forscher nun
jedoch endlich prüfen, ob in Muskelgewebe BSE-Erreger sind, sagte Walter Schulz-Schaeffer
vom Referenzzentrum für Spongiforme Enzephalopathien der Universität Göttingen am
Dienstag. Das schottisch-amerikanische Team benutzte gentechnisch mutierte Mäuse, die in
ihrem Gehirn das Prion-Protein gesunder Rinder produzieren. Die Forscher injizierten den
Mäusen dann veränderte Prionen von BSE-kranken Rindern, erkrankten Gen-Mäusen und
nvCJD-kranken Menschen. Alle Mäuse hatten nach der Inkubationszeit von rund 250 Tagen die
gleichen krankhaften Strukturen im Gehirn - die Krankheit entsteht, wenn gesunde Prionen
von kranken umgeformt werden. In einem Gegenversuch hatten die Forscher veränderte
Prionen von Scrapie-kranken Schafen in die Gen-Mäuse injiziert. Sie lösten völlig
andere Gewebeveränderungen im Gehirn aus. "BSE und die neuen Variante von CJD
erzeugen ein identisches Muster im Gehirn der Gen-Mäuse und diese Charakteristika
unterscheiden sich von anderen CJD-Erkrankungen oder Scrapie des Schafes",
kommentiert Mitautor Stephen DeArmond. Diese Ergebnisse zeigten eindeutig, dass der selbe
Stamm von Prionen zu BSE und nvCJD führen könne.
Knochenmark bildet Leberzellen
22.12. dpa. Knochenmark kann einer US-Studie zufolge auch
Leberzellen bilden. Mit diesem Ansatz lässt sich nach Meinung der Forscher eine neue
Therapie bei Leberschäden entwickeln, die eine Organtransplantation ersetzen könnte. Das
Team um Neil Theise von der New York University School of Medicine hatte in der Leber von
Mäusen ausgereifte Zellen (Hepatocyten) entdeckt, die eindeutig aus dem Knochenmark
stammen. Die Studie ist in der Januarausgabe des Journals "Hepatology"
veröffentlicht. Die Forscher hatten in weiblichen Mäusen das Knochenmark zerstört und
es durch männliches ersetzt. Innerhalb der nächsten sechs Monate waren 2,2 Prozent der
ausgereiften Leberzellen eindeutig aus dem neuen Knochenmark entstanden. Die Forscher
identifizierten die Zellen über das Y-Chromosom, einen Erbgutträger, der nur bei
männlichen Tiere vorkommt. Bislang gilt das Knochenmark vor allem als Produktionsstätte
für Blutkörperchen. Bei einem Leberschaden ließen sich künftig möglicherweise
einzelne Stammzellen transplantieren anstelle eine gesamten Organs, sagte Theise.
"Zudem bietet sich die Möglichkeit die Zellen in Kultur zu vermehren und eine
künstliche Leber daraus herzustellen." Demnächst möchten die Forscher untersuchen,
ob nur bestimmte Zellen im Knochenmark zu Leberzellen reifen oder alle Zellen diese
Fähigkeit besitze.
Fusionpartner erwarten kräftiges
Wachstum
22.12. dpa. Nach ihrer Fusionsankündigung erwarten der
US-Pharmakonzern Monsanto Co. und das schwedisch-amerikanische Unternehmen
Pharmacia&Upjohn Inc. in den kommenden Jahren ein kräftiges Umsatzwachstum. Zwischen
1999 und 2002 rechnen die Unternehmen mit einer Steigerung von 15 bis 20 Prozent im
Pharmageschäft und zehn bis zwölf Prozent im Agrarsektor. Das gaben beide Firmen am
Mittwoch in New York bekannt. Im laufenden Geschäftsjahr wird der Umsatz beider
Unternehmen im Pharmabereich 11,3 Milliarden Dollar (21,9 Milliarden DM) erreichen. Die
Agrarchemiesparte von Monsanto steuert 5,2 Milliarden Dollar zum Umsatz bei. Am Montag
hatten die beiden Unternehmen ihre Fusion zum weltweit elftgrößten Pharmakonzern bekannt
gegeben. Der Gewinn pro Aktie werde im Jahr 2000 zwischen 1,55 Dollar und 1,62 Dollar
liegen, hieß es. In den folgenden Jahren soll der Gewinn pro Aktie jährlich um mehr als
20 Prozent steigen. Die beiden Firmen wollen ihre gemeinsamen Schulden von 6,8 Milliarden
Dollar bis Ende 2000 auf 4,5 Milliarden Dollar und bis 2001 auf unter 2,5 Milliarden
Dollar verringern.
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