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Warten auf Arzttermine 
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Nur Patientensteuerung reicht nicht 

Die Bundesregierung möchte mit einem Primärarztsystem die Steuerung der Patienten verbessern und so die Wartezeiten auf Arzttermine verkürzen. Auch die Praxisgebühr wird plötzlich wieder diskutiert. Der Spitzenverband der Fachärztinnen und -ärzte warnt jetzt, dass allein eine bessere Steuerung keine Probleme lösen wird. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
AutorKontaktdpa
Datum 21.08.2025  16:04 Uhr

Steuerung ist nicht genug  

Der Spitzenverband der Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (SpiFa) warnt in einer Pressemitteilung vor der Annahme, dass allein eine stärkere Steuerung von Patientinnen und Patienten – etwa durch Überweisungspflichten, digitale Ersteinschätzungen oder zentrale Terminvergabe – automatisch zu einer besseren Terminverfügbarkeit in der ärztlichen Versorgung führen würde.

»Wer glaubt, allein durch die Umleitung von Patientenströmen plötzlich mehr Termine zu schaffen, verkennt die Realität in den Praxen. Denn das Problem sind nicht allein falsche Wege der Patientinnen und Patienten, sondern insbesondere fehlende oder strukturell künstlich verknappte Kapazitäten«, so Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des SpiFa. »Man kann nicht mehr Wasser durch dieselbe Leitung drücken, nur weil man den Hahn an einer anderen Stelle öffnet.« 

Die Fachärzte sehen neben der fehlenden Steuerung drei weitere Gründe für die fehlenden Termine: 

  • Der steigende Versorgungsbedarf durch demografische Entwicklung treffe auf
    stagnierende oder rückläufige ärztliche Arbeitskapazitäten.
  • Budgetierung, Bürokratiebelastung, Fachkräftemangel und unzureichende Finanzierung der GKV-Versorgung schränkten den Terminspielraum der Praxen ein.
  • Mehr Koordinations- und Dokumentationspflichten bänden ärztliche Zeit, anstatt sie für die Behandlung von Patientinnen und Patienten freizusetzen.

Mehr Personal und mehr Geld 

Der SpiFa betont in seiner Mitteilung, dass jede Form von Patientensteuerung nur dann Effekte zeigen könne, wenn gleichzeitig mehr medizinisches Personal in den Praxen tätig werde und ärztliche Leistungen nicht mehr durch Budgetierung reglementiert werden. Die finanziellen Rahmenbedingungen zum Betrieb einer Praxis würden zunehmend schlechter und machten die eigentlich notwendige Sprechstundenzeit dauerhaft unfinanzierbar.

Der Verband fordert daher die Bundesregierung auf, künftige Reformen der ambulanten Versorgung nicht allein auf Steuerungsinstrumente zu verengen, sondern ihr Augenmerk auf die – lange bekannten – strukturell bedingten Kapazitätsprobleme zu werfen.

»Die Illusion, allein mit Steuerung mehr Termine zu schaffen, ist gefährlich – sie lenkt von den echten Reformbaustellen ab. Wenn von Kassenseite gar behauptet wird, Steuerung würde zu besserer Bezahlung der Fachärztinnen und Fachärzte und gleichzeitig zu mehr Terminen führen, wird die Öffentlichkeit getäuscht«, so Heinrich. 

 

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