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Warten auf Arzttermine 
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Nur Patientensteuerung reicht nicht 

Die Bundesregierung möchte mit einem Primärarztsystem die Steuerung der Patienten verbessern und so die Wartezeiten auf Arzttermine verkürzen. Auch die Praxisgebühr wird plötzlich wieder diskutiert. Der Spitzenverband der Fachärztinnen und -ärzte warnt jetzt, dass allein eine bessere Steuerung keine Probleme lösen wird. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
AutorKontaktdpa
Datum 21.08.2025  16:04 Uhr
Nur Patientensteuerung reicht nicht 

Wer heute einen Termin beim Facharzt  braucht, muss sich auf lange Wartezeiten gefasst machen. Seit langem wird darüber diskutiert, wie sich die Situation verbessern lässt. Dabei wird meist eine bessere Steuerung der Patienten gefordert. Die Bundesregierung hat beispielsweise in ihrem Koalitionsvertrag die Einführung eines Primärarztsystems angekündigt. Patienten sollen in diesem Modell mit ihren Beschwerden zuerst einen Hausarzt aufsuchen, der sie dann bei Bedarf an einen Facharzt weiterleitet. 

In dieser Woche machte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) mit einem weiteren Vorschlag auf sich aufmerksam. Um die Patienten besser zu steuern und das angebliche Ärzte-Hopping zu begrenzen, schlug der Geschäftsführer des Verbandes, Steffen Kampeter, eine Kontaktgebühr beim Arztbesuch vor. Kampeters Vorstoß stieß allerdings auf breite Kritik. 

Unsozial und gefährlich? 

Der Hausärzte-Verband lehnt die Idee der Einführung einer Kontaktgebühr für Patienten in deutschen Arztpraxen rundweg ab. »Dieser Vorschlag der Arbeitgeber ist nicht nur unsozial, sondern auch komplett undurchdacht«, sagte die Verbandsvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth der »Rheinischen Post«.

Chronisch Kranke müssten die Gebühr dann Dutzende Male im Jahr bezahlen. »Das würde insbesondere sozial Schwache finanziell komplett überfordern«, warnte die Chefin des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes. Auch würde eine solche Gebühr zwingend notwendige Arztbesuche verhindern, mit schweren gesundheitlichen Folgen für die Patienten, weil etwa Erkrankungen zu spät behandelt würden oder eine Vorsorgemaßnahme nicht stattfindet.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wandte sich mit ähnlichen Argumenten gegen eine Neuauflage einer Praxisgebühr. Stiftungsvorstand Eugen Brysch sagte der Deutschen Presse-Agentur: »Wie das Sommerloch steigt auch die Praxisgebühr jedes Jahr aus der Versenkung.« Dabei sei sie nach vielen Jahren der Erprobung 2012 abgeschafft worden. »Schließlich blieb die Steuerungswirkung der Patienten aus.« Auch die Arztpraxen seien wegen des Verwaltungsaufwandes Sturm gelaufen. »Zudem gab es Patienten, die viel zu spät eine ärztliche Konsultation aufsuchten«, sagte Brysch.

Nicola Buhlinger-Göpfarth räumte ein, dass nicht alle Arzt-Patienten-Kontakte notwendig seien. Die Antwort seien aber keine allgemeinen Kontaktgebühren, sondern eine bessere Patientensteuerung. Dafür brauche es ein hausärztliches Primärarztsystem. Doch die Steuerung durch den Hausarzt allein dürfte das Problem nicht lösen. 

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