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Standwaage
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Nützliche Schönheit aus Paris

Eine Standwaage mit Porzellanfuß ist schon lange im Besitz des Deutschen Apotheken-Museums und ziert den Rezepturtisch der Offizin aus der ehemaligen Klosterapotheke des Benediktinerklosters zu Schwarzach. Eine nähere Betrachtung des Objekts lieferte neue Erkenntnisse zu den Herstellern des Exponats.
AutorKontaktBarbara Simon
Datum 30.12.2025  09:00 Uhr

Die Standwaage gehörte nicht zur ursprünglichen Ausstattung der Klosteroffizin aus Schwarzach, sondern wurde erst bei der Aufstellung des Rezepturtischs im Deutschen Apotheken-Museum in Heidelberg mit diesem verbunden (Abbildung 1).

Wie die Waage nach Heidelberg kam, ist ungeklärt. Sie ist jedoch auf Fotografien der damaligen Museumsräume in der Residenz Bamberg, der Zwischenstation des Museums nach dem Zweiten Weltkrieg, zu sehen. Ebenso ist sie neben einer fast identischen Waage, ebenfalls mit Porzellanfuß, auf der Fotografie einer Ausstellung dokumentiert, die Fritz Ferchl, erster Pfleger, und Carl Sieberger, Direktor des Deutschen Apotheken-Museums, 1941 in Straßburg unter dem Titel »Pharmazie am Oberrhein« konzipiert hatten. Die Ausstellung zeigte Objekte aus mehreren Apotheken Straßburgs und Museen wie dem Museum Karlsruhe. Leider ist bei keiner der beiden Waagen ersichtlich, woher sie stammen.

Hergestellt von Meister Chemin

Die Herkunft aus Frankreich belegt die Stempelung der Messingschalen mit der Aufschrift »1877 Chemin à Paris«. Meister Chemin, der seit 1685 Waagen und Gewichte herstellte, begründete die gleichnamige Firma, die über mehrere Generationen mit wechselnden Teilhabern in Paris tätig war.

Die Jahreszahl 1877 wird am Waagebalken wiederholt, zusammen mit weiteren Punzen. Bei einer könnte es sich um das Firmenzeichen, »Q couronné«, das gekrönte Q, handeln. Dieses bezieht sich auf den Sitz der Firma in der Rue de la Ferronnerie, in der die Pariser Kunstschmiede ansässig waren. Vor der Geschäftsadresse, dem Haus Nummer 4, war der französische König Heinrich IV. ermordet worden.

Außergewöhnlich ist die Fertigung des Sockels und des säulenförmigen Balusters, der den Waagebalken trägt, aus Porzellan. Die vier Seiten des Sockels sind mit verschiedenen Motiven farbenfroh bemalt. Auf zwei Seiten sind unterschiedliche Arrangements von Stand- und Schaugefäßen aus Glas und Holz sowie Mörser in verschiedenen Formen abgebildet, auf den beiden anderen Seiten Holzfässer und verschnürte Ballen, dazu Ruderblätter, Segel und Anker (Abbildung 2), ein Hinweis auf die Herkunft vieler Arzneistoffe aus Übersee.

Auch das Wappen der Zunft der Pariser Gewürzhändler und Apotheker zeigt neben einer Waage zwei Schiffe, die auf den Überseehandel, die Geschäftsgrundlage der beiden Berufsgruppen, hinweisen.

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