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Checkpoint-Inhibitoren
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Neustart nach Therapieabbruch wegen Nebenwirkungen möglich?

Wirkstoffe aus der Gruppe der Immuncheckpoint-Inhibitoren sind hochwirksame Krebsmedikamente, doch führen sie mitunter zu schweren Nebenwirkungen. Eine neue Studie hat untersucht, wie sicher es ist, einen zweiten Therapieversuch zu starten.
AutorKontaktChristopher Waxenegger
Datum 21.04.2020  09:00 Uhr

Die Entdeckung von Immuncheckpoints im menschlichen Körper revolutionierte die Onkologie in den vergangenen Jahren. Es konnte gezeigt werden, dass bestimmte Schlüsselstellen in den Signalwegen des Immunsystems eine hemmende Wirkung auf die Aktivierung von T- und B-Zellen ausüben. Infolgedessen wurden selektive Hemmstoffe entwickelt, um gezielt in diese Signalkaskade eingreifen zu können. So sind etwa der PD-1-Antikörper Pembrolizumab, der PD-L1-Antikörper Atezolizumab sowie der zytotoxische T-Lymphozyten- Antigen-4 (CTLA-4)-Hemmer Ipilimumab in der Behandlung von Krebs zugelassen.

Trotz der guten Resultate dieser Substanzgruppe, kann es aufgrund ihres Wirkmechanismus zu Immunsystem assoziierten Nebenwirkungen (IAN) kommen. Besonders häufig sind dabei der Darm, die Leber und die Lunge betroffen. In einer vor Kurzem in der Fachzeitschrift »JAMA Oncology« publizierten Studie konnten Forscher der Universität Caen zeigen, dass 28,8 Prozent der Patienten beim erneutem Ansetzen von Checkpoint-Inhibitoren wieder mit IAN reagiert.

In der retrospektiven Kohortenstudie wurden die mehr als 20 Millionen Fallberichte aus 130 Ländern in der Datenbank VigBase genauer untersucht. 24.079 Fälle betrafen eine immun-assoziierte Nebenwirkung mit einem Checkpoint-Inhibitor. Davon wurden 85,6 Prozent als schwer eingestuft, 11,4 Prozent endeten tödlich. Insgesamt wurde bei 6.123 Patienten (25,4 Prozent) ein erneuter Therapieversuch durchgeführt. Primäres Studienziel war die Erfassung der Häufigkeit derselben IAN, welche zum Absetzen der Medikation geführt hatte. Für 452 Patienten lagen genaue Daten vor. Diese ergaben, dass bei 130 Patienten (28,8 Prozent) dieselbe IAN wie beim ersten Mal auftrat.

Die Autoren um Dr. Charles Dolladille folgern, dass ein erneuter Therapieversuch für bestimmte Patienten unter angemessenem Monitoring sinnvoll sein kann. Weitere prospektive Studien müssen jetzt klären, welche Patienten von einem Wiederansetzen der Therapie profitieren.

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