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Potenzielle Nervenschädigungen
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Neues zu den Mechanismen hinter Long Covid

Die Ursachen der langanhaltenden Beschwerden nach einer SARS-CoV-2-Infektion sind noch nicht vollständig verstanden. Neue Studien deuten auf eine Beteiligung von Nervenschäden hin.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 10.03.2022  18:00 Uhr

Schäden am Nervus vagus

Möglicherweise können auch Schäden am Nervus vagus für einen Teil der Long-Covid-Symptome verantwortlich sein. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team um Dr. Gemma Lladós and Dr. Lourdes Mateu von der Universitätsklinik Germans Trias i Pujol in Badalona, Spanien. Die Forscherinnen und Forscher hatten die Morphologie und die Funktion des größten Nervs des Parasympathikus, der fast alle inneren Organe wie Herz, Lunge und Magen-Darm-Trakt innerviert, bei Long-Covid-Patienten genauer untersucht.

Zwei Drittel der 348 untersuchten Personen wiesen mindestens ein Symptom auf, das für eine Vagusnerv-Dysfunktion charakteristisch ist. Von diesen analysierten die Forscher 22 Personen detaillierter und konnten bei 27 Prozent eine Schädigung des Vagusnervs mittels Ultraschall direkt nachweisen, heißt es in einer Pressemitteilung der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases. Auf der Konferenz der Fachgesellschaft im April in Lissabon sollen die vorläufigen Daten der Studie aus Badalona vorgestellt werden. 

Bei den 22 Personen traten vor allem Durchfall (73 Prozent), Herzrasen (59 Prozent), Schwindel, Schluck- und Sprechstörungen (je 45 Prozent) sowie orthostatische Dysregulation (Blutdruckabfall beim Aufstehen, 14 Prozent) auf. Der Einschätzung der Autoren zufolge seien Veränderungen des Nervus vagus ein zentrales pathophysiologisches Merkmal von Long Covid.

Gegenüber dem britischen Science Media Center gibt Dr. David Strain von der University of Exeter zu bedenken: »Es ist wichtig festzustellen, dass vermutlich nicht alle Symptome von Long Covid mit der Vagusnerv-Dysfunktion zusammenhängen und viele weitere Ausprägungen weiter untersucht werden müssen.« Vor allem kognitive Symptome sowie Muskelschmerzen ließen sich kaum auf eine Störung dieses Nervs zurückführen. Insgesamt leiste die noch unpublizierte Studie aber einen Beitrag zu der wachsenden Evidenz, dass zumindest ein Teil der Long-Covid-Symptome auf eine direkte Schädigung des Nervensystems zurückgehe.

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