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S3-Leitlinie Demenzen
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Neues zu Biomarkern, Musik und Palliativversorgung

Neue Empfehlungen zu Biomarkern im Blut, zur Verhaltens- und Musiktherapie sowie ein neues Kapitel zur Palliativversorgung: Das sind wichtige Änderungen in der jetzt aktualisierten S3-Leitlinie Demenzen.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 18.03.2025  18:00 Uhr

Was ist neu bei nicht pharmakologischen Therapien?

Die Experten schlagen nun auch die Musiktherapie für Menschen mit Demenz vor. Sowohl das aktive Musizieren, also Singen oder ein Instrument spielen, als auch das Musikhören hätten einen potenziellen Nutzen für die Kognition sowie psychische und Verhaltenssymptome.

Ebenso empfehlen sie für Menschen mit leichter kognitiver Störung (MCI) oder Demenz ein körperliches Training, also Krafttraining und/oder aerobes Training (größter Effekt bei 150 Minuten pro Woche), zur Verbesserung der kognitiven Leistung. Neu ist die Empfehlung einer kognitiven Verhaltenstherapie zur Behandlung einer Depression auch bei Patienten mit MCI.

An die Palliativversorgung denken

Auf die Verbesserung der Lebensqualität zielt ein ganz neues Kapitel der Leitlinie ab. Es trägt der Tatsache Rechnung, dass Menschen mit fortgeschrittener Demenz häufig an sehr belastenden Symptomen wie Schmerzen, Dyspnoe und Schluckstörungen leiden.

Professor Dr. Frank Jessen, Co-Herausgeber der Leitlinie für die DGPPN, erklärt: »Erstmals empfehlen wir an Demenz erkrankten Personen und ihren Angehörigen auch Maßnahmen der palliativen Versorgung, um schwerem Leid vorzubeugen und dieses zu lindern.« Es sei wichtig, Schmerzen und andere Probleme körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art frühzeitig zu erkennen, einzuschätzen und zu behandeln.

Zugleich erinnern die Autoren der Leitlinie daran, dass man Antipsychotika bei Verhaltenssymptomen nur sehr zurückhaltend einsetzen soll – wegen des bei Demenz bekannten Nebenwirkungsprofils. Außerdem soll auffälliges Verhalten nicht mit Analgetika, vor allem nicht mit Opioiden, behandelt werden, wenn keine schmerzbezogene Indikation besteht.

Ab wann eine Palliativversorgung beansprucht werden kann, ist nicht klar definiert. Psychiater Jessen betont: »Das frühzeitige Sprechen über die palliative Versorgung kann helfen, dass die Wünsche und Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten berücksichtigt werden.«

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