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Augentropfen
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Neues zu Atropin gegen Kurzsichtigkeit

Niedrig dosierte Atropin-Augentropfen können bei Kindern und Jugendlichen die Entwicklung von Kurzsichtigkeit bremsen. Das hat eine Studie aus Hongkong jetzt erneut bestätigt. Die wirksame Dosis war aber höher als die, die derzeit in Deutschland gebräuchlich ist.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 22.02.2023  12:30 Uhr

Zur Prävention von Kurzsichtigkeit (Myopie) werden verschiedene Maßnahmen empfohlen. So sollten sich Kinder und Jugendliche viel im Freien aufhalten und beim Lesen einen Abstand von mindestens 30 cm zum Buch einhalten. Darüber hinaus empfehlen Augenärzte die Anwendung von Atropin in Form von 0,01-prozentigen Augentropfen zur Nacht. Dies könne ein Fortschreiten von Kurzsichtigkeit um bis zu 50 Prozent bremsen, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft aus dem Dezember 2018. Unklar sei momentan allerdings noch, wie dieser Effekt zustande komme.

Ein Grund für die geringe Dosierung ist, dass höher dosierte Atropin-Augentropfen meist nur schlecht toleriert werden. Zu störend sind Nebenwirkungen wie Lichtempfindlichkeit und Akkomodationsstörung, die das Belladonna-Alkaloid bekanntermaßen hat, wenn die Tropfen tatsächlich jeden Abend angewendet werden sollen. Laut den Ergebnissen einer neuen Untersuchung, die jetzt im »JAMA Network« erschienen sind, könnte aber eine höhere Dosis von 0,05 Prozent noch wirksamer sein.

Wie die Autoren um Professor Dr. Jason C. Yam von der Chinese University of Hongkong ausführen, hatten an der Studie 474 nicht kurzsichtige Kinder zwischen vier und neun Jahren teilgenommen. Die Probanden wurden randomisiert einer von drei etwa gleich großen Gruppen zugeteilt: Über zwei Jahre tropften sie dann jeden Abend in beide Augen entweder 0,05-prozentige Atropin-Augentropfen, 0,01-prozentige Atropin-Augentropfen oder Placebo-Augentropfen.

Innerhalb der zwei Jahre entwickelten in der ersten Gruppe 28,4 Prozent der Kinder eine Myopie, in der zweiten Gruppe 45,9 Prozent und in der dritten Gruppe 53,0 Prozent. Damit war lediglich die 0,05-Prozent-Dosierung gegenüber Placebo statistisch signifikant überlegen, nicht auch die 0,01-Prozent-Dosierung. Häufigste Nebenwirkung war Lichtempfindlichkeit; sie wurde im zweiten Behandlungsjahr von 12,9 Prozent der Probanden in Gruppe 1 angegeben, von 18,9 Prozent in Gruppe 2 und von 12,2 Prozent in Gruppe 3.

Weitere Forschung sei nötig, um diese Ergebnisse zu replizieren und um zu klären, ob es sich bei dem beobachteten Effekt lediglich um einen Aufschub der Myopieentwicklung handelt oder ob mit den Atropin-Augentropfen Kurzsichtigkeit tatsächlich verhindert werden kann, schreiben die Autoren. Wie aus einer Tabelle im Online-Anhang zur Studie hervorgeht, laufen bereits mehrere Studien, darunter auch eine in Deutschland unter der Leitung von Professor Dr. Wolf Lagrèze vom Universitätsklinikum Freiburg. In dieser Studie wird aber nicht die 0,05-Prozent-Dosierung untersucht, sondern 0,01 Prozent und 0,02 Prozent.

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