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Marstacimab
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Neues Wirkprinzip bei Hämophilie

Für Patienten mit Hämophilie A oder B gibt es eine neuartige Routineprophylaxe von Blutungsepisoden: Der Antikörper Marstacimab adressiert das Target Tissue Factor Pathway Inhibitor (TFPI) und unterstützt dadurch die Hämostase. 
AutorKontaktKerstin A. Gräfe
Datum 27.02.2025  09:00 Uhr

Thromboserisiko steigt

Unter der Anwendung des TFPI-Hemmers kann das Thromboserisiko der Patienten steigen. Ein erhöhtes Risiko könnten zum Beispiel Patienten mit koronarer Herzerkrankung, Venen- oder Arterienthrombose haben oder solche mit einer akuten schweren Erkrankung, die mit einer erhöhten Gewebefaktor-Expression einhergeht. Dazu zählen unter anderem Patienten mit schwerer Infektion, Sepsis, Trauma, Quetschungen oder Krebserkrankung. Risikopatienten sollten auf frühe Anzeichen einer Thrombose überwacht werden.

Unter der Behandlung mit Marstacimab traten Hautreaktionen in Form von Ausschlag und Juckreiz auf. Beim Auftreten schwerer Überempfindlichkeitsreaktionen sind die Patienten anzuweisen, Hympavzi abzusetzen und sofort die Notaufnahme aufzusuchen.

Signifikante Reduzierung der Blutungsrate

Die Zulassung basiert auf der einarmigen, offenen Phase-III-Studie BASIS an 116 männlichen Erwachsenen und Jugendlichen mit schwerer Hämophilie A oder B. Die Patienten erhielten zunächst in einer sechsmonatigen Beobachtungsphase im Rahmen der üblichen Versorgung eine intravenöse Routineprophylaxe oder Bedarfsbehandlung mit FVIII oder FIX. Anschließend bekamen sie indikationsgerecht Marstacimab über einen Zeitraum von zwölf Monaten. Primärer Wirksamkeitsendpunkt war der Vergleich zwischen der Marstacimab-Prophylaxe während der aktiven Behandlungsphase und der Faktor-basierten-Routineprophylaxe in der Beobachtungsphase, gemessen an der annualisierten Blutungsrate (ABR).

Die Behandlung mit Marstacimab führte im Vergleich zur Routineprophylaxe zu einer durchschnittlichen Verringerung der ABR um 35,2 Prozent. Zudem reduzierte der Antikörper die mittlere ABR im Vergleich zur Bedarfsbehandlung signifikant um 91,6 Prozent. Zudem erwies sich Marstacimab bei allen blutungsbezogenen sekundären Endpunkten als nicht unterlegen, das heißt bei der Inzidenz von spontanen Blutungen, Gelenkblutungen, Blutungen in oft betroffene Zielgelenke sowie der Gesamtblutungen.

Die häufigsten Nebenwirkungen waren Reaktionen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Bluthochdruck und Juckreiz.

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