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Etrasimod
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Neuer Colitis-ulcerosa-Wirkstoff im Handel

Mit Etrasimod ist seit April ein neuer oraler Wirkstoff zur Behandlung von Colitis ulcerosa verfügbar. Er ist wie Ozanimod ein S1P-Rezeptor-Modulator und kann bereits ab 16 Jahren eingesetzt werden.
AutorKontaktKerstin A. Gräfe
Datum 03.05.2024  07:00 Uhr

Direkte Sonneneinstrahlung meiden 

Des Weiteren sind unter S1P-Rezeptor-Modulatoren Fälle von Malignomen (einschließlich der Haut) aufgetreten. Die Patienten sollten vor ungeschützter Sonneneinstrahlung gewarnt werden und keine gleichzeitige Phototherapie mit UV-B-Strahlung oder PUVA-Photochemotherapie erhalten.

Selten kam es unter S1P-Rezeptor-Modulatoren zu einem PRES (posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom). Bei der Erkrankung schwillt das Gehirn an. Zu den Symptomen zählen Kopfschmerzen, Veränderungen des Sehvermögens, verminderte Wachheit, Verwirrtheit und Krampfanfälle.

Etrasimod sollte nicht zusammen mit Wirkstoffen verabreicht werden, die mäßige bis starke Inhibitoren oder Induktoren von zwei oder mehr der CYP-Enzyme 2C8, 2C9 und 3A4 sind, da das Risiko einer erhöhten beziehungsweise verminderten Etrasimod-Konzentration besteht. Nicht empfohlen wird die Anwendung von Etrasimod bei Patienten, von denen bekannt ist oder vermutet wird, dass sie langsame CYP2C9-Metabolisierer sind.

Wirksam auch bei isolierter Proktitis

Die Zulassung basiert auf den Phase-III-Studien ELEVATE UC 52 und ELEVATE UC 12 mit CU-Patienten im Alter von 16 bis 80 Jahren. Die Teilnehmenden erhielten randomisiert im Verhältnis 2:1 entweder täglich 2 mg Etrasimod oder Placebo. An der zwölfwöchigen Studie ELEVATE UC 12 zur Induktionstherapie nahmen 354 Patienten teil. Die ELEVATE-UC-52-Studie mit 433 Patienten umfasste eine zwölfwöchige Induktionsphase, gefolgt von 40 Wochen Erhaltungstherapie. Die primären Wirksamkeitsendpunkte waren der Anteil der Patienten mit klinischer Remission in Woche 12 und Woche 52.

Unter Etrasimod erreichten in Woche 12 mit 27 Prozent signifikant mehr Patienten den primären Endpunkt als unter Placebo mit 7 Prozent. Signifikant war der Unterschied auch in Woche 52: 32 Prozent unter Etrasimod versus 7 Prozent unter Placebo.

In das ELEVATE-Studienprogramm wurden auch 64 CU-Patienten mit isolierter Proktitis (Etrasimod n = 42, Placebo n = 22) eingeschlossen. Für die Betroffenen, bei denen die Entzündung auf den Enddarm beschränkt ist, stehen bisher nur begrenzt Therapien zur Verfügung. In Woche 12 (beide Studien) und Woche 52 (ELEVATE UC 52) erreichten in einer Post-hoc-Analyse 42,9 und 44,4 Prozent der Patienten unter Etrasimod den primären Endpunkt einer klinischen Remission (Placebo: 13,6 und 11,1 Prozent).

Als sehr häufige Nebenwirkung tritt eine Lymphopenie auf. Zu den häufigen unerwünschten Wirkungen zählen Harnwegsinfektion, Infektion der unteren Atemwege, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Hypertonie, Sehverschlechterung und erhöhte Leberenzyme.

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