| Sven Siebenand |
| 26.02.2026 11:00 Uhr |
Das Plattenepithelkarzinom des Analkanals macht etwa 85 Prozent aller Analkrebserkrankungen aus. Retifanlimab steht kurz davor, als erste PD1-gerichtete Krebsimmuntherapie in der EU bei diesem Karzinom zugelassen zu werden. / © Adobe Stock/Nadzeya
Das Merkelzellkarzinom ist ein seltener Krebs. Es handelt sich dabei um einen meist rötlich-violetten, kugel- oder seltener auch plaqueförmigen Tumor auf der Hautoberfläche. Die Mehrzahl der Tumoren tritt vornehmlich im Bereich lichtexponierter Areale der Gesichtshaut oder der Extremitäten auf. Mit Retifanlimab (Zynyz®) ist damit in Kürze ein weiterer Vertreter aus der Klasse der Checkpoint-Hemmer für die Behandlung des Merkelzellkarzinoms verfügbar. Auch der Antikörper Avelumab (Bavencio®) ist unter anderem bei diesem Krebs zugelassen.
Anders als Avelumab, das an den PD-1-Liganden (PD-L1) bindet, dockt Retifanlimab an den PD-1-Rezeptor an. Dadurch wird die Interaktion des Rezeptors mit seinen Liganden PD-L1 und PD-L2 blockiert, was die T-Zell-Antwort in der Mikroumgebung des Tumors ankurbelt.
Retifanlimab ist indiziert als Monotherapie für die Erstlinienbehandlung erwachsener Patienten mit metastasiertem oder rezidivierendem, lokal fortgeschrittenem Merkelzellkarzinom, die für eine kurative Operation oder Strahlentherapie nicht geeignet sind.
Nach einer positiven Stellungnahme des Ausschusses für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) wird die nächste Indikation von Retifanlimab voraussichtlich nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die Zustimmung der EU-Kommission ist in der Regel eine Formsache. Die neue vorgeschlagene Indikation ist die Erstlinienbehandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem oder nicht operablem, lokal rezidivierendem Plattenepithelkarzinom des Analkanals (Squamous Cell Carcinoma of the Anal Canal, SCAC) in Kombination mit einer platinbasierten Chemotherapie (Carboplatin und Paclitaxel). Es wäre in Europa die erste PD1-gerichtete Krebsimmuntherapie in dieser Indikation.
SCAC gilt als schwer zu behandelnde Krebserkrankung, deren Prävalenz weltweit auf etwa 1 bis 2 Fälle pro 100.000 Menschen geschätzt wird. Sie macht etwa 85 Prozent aller Analkrebserkrankungen aus und ist häufig (etwa zu 90 Prozent) mit einer HPV-Infektion assoziiert. Aufgrund der unspezifischen Symptome wie Schmerzen, Juckreiz oder veränderte Stuhlgewohnheiten wird die Erkrankung oft spät diagnostiziert, wenn der Tumor bereits fortgeschritten ist.
Die EMA-Empfehlung basiert auf den Daten der Phase-III-Studie POD1UM-303/InterAACT2, in der Retifanlimab in Kombination mit platinbasierter Chemotherapie verglichen wurde mit platinbasierter Chemotherapie allein. Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens: Patienten, die zusätzlich zur Chemotherapie den Checkpoint-Hemmer erhielten, erreichten eine mediane progressionsfreie Überlebenszeit von 9,3 Monaten, verglichen mit 7,4 Monaten in der Kontrollgruppe. Zu den häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen gehörten Sepsis, Lungenembolie, Durchfall und Erbrechen.