| Sven Siebenand |
| 27.03.2026 14:00 Uhr |
Depressive Störungen gehören weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie können schon im frühen Kindesalter auftreten. / © Adobe Stock/Mary Anlens
Ziel der Leitlinie ist es, die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Depression zu verbessern, die Krankheitsdauer und Rückfallrisiken zu reduzieren und gleichzeitig unerwünschte Neben- und Folgewirkungen möglichst gering zu halten. »Es war beeindruckend, wie viele neue Studien zur Behandlung der Depression im Kindes- und Jugendalter in den letzten Jahren veröffentlicht wurden, die Eingang in die neuen Empfehlungen gefunden haben«, sagt Professor Dr. Gerd Schulte-Körne von der LMU München in einer Pressemitteilung des Universitätsklinikums. Der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie hat die Leitlinie zusammen mit seinem Team federführend bearbeitet.
Zum ersten Mal gibt es in der Leitlinie nun Empfehlungen für unterschiedliche Altersgruppen: jüngere Kinder (drei bis sechs Jahre), ältere Kinder (sieben bis zwölf Jahre) und Jugendliche (13 bis 18 Jahre). Diese Differenzierung trägt dem unterschiedlichen Entwicklungsstand Rechnung und ermöglicht, vorhandene wissenschaftliche Evidenz gezielter in altersangemessene Behandlungsstrategien umzusetzen.
Über alle Altersgruppen der Kinder und Jugendlichen sowie Schweregrade hinweg empfiehlt die Leitlinie weiterhin die Psychotherapie als vorrangige Behandlungsform – nicht die Pharmakotherapie. Psychotherapie der ersten Wahl im Alter zwischen sieben und 18 Jahren ist die kognitive Verhaltenstherapie, bei Drei- bis Sechsjährigen die Parent-Child-Interaction-Therapy – Emotion Development (PCIT-ED).
Was gibt es zur Pharmakotherapie bei den drei verschiedenen Altersgruppen zu sagen? Eindeutig und kurz ist die Aussage bei den Jüngsten: Bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren mit depressiven Störungen sollte auf eine Pharmakotherapie verzichtet werden.
Wenn bei Kindern zwischen sieben und zwölf Jahren mit depressiven Störungen eine kognitive Verhaltenstherapie nicht möglich oder nicht gewünscht ist, kann die familienbasierte interpersonelle Therapie als Alternative erwogen werden. Für Kinder in dieser Altersgruppe mit einer leichten depressiven Episode, bei denen eine Psychotherapie nicht möglich oder nicht gewünscht ist, sollte auf eine Pharmakotherapie als Alternative zur Therapie der ersten Wahl ebenfalls verzichtet werden. Wenn bei Kindern zwischen sieben und zwölf Jahren mit einer mittelgradigen oder schweren depressiven Episode eine Psychotherapie nicht wirksam, nicht möglich oder nicht gewünscht ist, kann eine Pharmakotherapie mit folgenden Substanzen als Alternative erwogen werden: Fluoxetin, Sertralin oder Escitalopram. Sind auch diese Wirkstoffe nicht wirksam, möglich oder gewünscht, schlägt die Leitlinie Duloxetin als Alternative vor.
Für Jugendliche mit einer leichten depressiven Episode sollte auf eine Pharmakotherapie als Therapie der ersten Wahl verzichtet werden. Für Jugendliche mit einer mittelgradigen oder schweren depressiven Episode sollten folgende Substanzen als Pharmakotherapie der ersten Wahl erwogen werden: Fluoxetin, Sertralin oder Escitalopram. Für Jugendliche mit einer mittelgradigen oder schweren depressiven Episode kann außerdem Folgendes als Therapie der ersten Wahl erwogen werden: Kombination aus kognitiv-verhaltenstherapeutischer Psychotherapie und einem SSRI.