| Daniela Hüttemann |
| 23.03.2026 07:00 Uhr |
Das bronzefarbene Molekül stellt den Wirkstoff dar, der an Cereblon (dunkelblau) bindet, ein Teil des E3-Ubiquitin-Ligase-Komplexes, der Proteine zum Zerschneiden freigibt. / © BMS
Thalidomid und seine Abkömmlinge Lenalidomid und Pomalidomid dürften deutschen Apothekern vor allem aufgrund ihrer teratogenen Eigenschaft als T-Rezept-pflichtige Substanzen bekannt sein. Pharmakologisch betrachtet handelt es sich um immunmodulierende Imide (IMiD).
Thalidomid wurde nach dem Contergan-Skandal in den 1960er-Jahren in den USA 1998 unter strikten Vorgaben als Mittel gegen das Multiple Myelom zugelassen. In der Folge wurden mit Lenalidomid (Revlimid®) von Celgene und Pomalidomid (Imnovid®) von Bristol-Myers-Squibb (BMS) Analoga mit weniger Nebenwirkungen und höherer Potenz zur Behandlung des Multiple Myeloms und anderen Leukämien entwickelt.
Die immunmodulierenden Imide werden auch Cereblon E3 Ligase-Modulatoren genannt. Sie binden an das Protein Cereblon, das Teil des E3-Ubiquitin-Ligase-Komplexes ist und andere Proteine markiert, damit sie über das Proteasom abgebaut werden. Daher gehören die IMiDe beziehungsweise CELMoD zu den Protein-Degradern.
Zwei weitere CELMoD sind nun bei BMS in der klinischen Entwicklung: Mezigdomid und Iberdomid. Sie sollen dem Unternehmen zufolge noch potenter und selektiver als die klassischen IMiDe sein und vor allem bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Multiplen Myelom (RRMM) zum Einsatz kommen.
Multiple Myelome betreffen meist Personen ab einem Alter von 65 Jahren. In Deutschland zählt man etwa 6500 Neuerkrankungen pro Jahr; Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwas über 50 Prozent.
»Obwohl bedeutende Fortschritte in der Behandlung erzielt worden sind, erleiden immer noch zu
viele Patienten mit Multiplem Myelom ein Rezidiv oder sprechen nicht mehr auf die bisherige
Therapie an«, betont Dr. Paul Richardson, Dana-Farber Cancer Institute und Harvard Medical School, in einer Pressemitteilung von BMS. Deshalb bestehe ein dringender Bedarf an neuen Behandlungsoptionen. Das Unternehmen hofft auf eine dauerhafte Krankheitskontrolle mit den neuen Substanzen.
BMS teilte jetzt positive Interimsdaten der Phase-III-Studie SUCCESSOR-2 mit Mezigdomid mit. Im Vergleich zu der Zweierkombination Carfilzomib und Dexamethason allein gab es in der Dreierkombination mit Mezigdomid eine statistisch signifikante und klinisch relevante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens bei Patienten mit RRMM. Genaue Zahlen nannte BMS noch nicht.
Parallel läuft die SUCCESSOR-1-Studie, in der die Dreierkombi mit dem älteren CELMoD Pomalidomid in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason gegen eine Kombi aus Mezigdomid, Bortezomib und Dexamethason getestet wird bei Patienten mit ein bis drei Vorbehandlungen inklusive Lenalidomid.
Die Schwestersubstanz Iberdomid befindet sich ebenfalls bereits in Phase-III-Studien. Bei EXCALIBER-1 geht es ebenfalls um Patienten mit RRMM. Verglichen werden Iberdomid in Kombination mit Daratumumab und Dexamethason mit der Kombination Daratumumab, Bortezomib und Dexamethason. Bei EXCALIBER-2 geht es um einen direkten Vergleich von Iberdomid versus Lenalidomid in der Erhaltungsphase von Patienten mit neu diagnostiziertem Multiplem Myelom nach einer autologen Stammzelltransplantation.