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Chronische Nierenkrankheit
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Nephrologen fordern frühzeitiges Screening

Die chronische Nierenkrankheit (CKD) mit dem Endpunkt Dialysepflicht ist kein unabwendbares Schicksal mehr. Moderne Therapien können das Fortschreiten der Nierenschäden deutlich bremsen und vielfach sogar stoppen. Aber nur bei frühzeitiger Diagnose. Und genau hieran mangelt es erheblich.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 26.01.2026  09:00 Uhr

»Wir stehen an einem Wendepunkt in der Versorgung von Menschen mit CKD«, konstatiert Professor Dr. Sylvia Stracke von der Universitätsmedizin Greifswald in einer Pressemeldung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). Es gebe wirksame und gut verträgliche Therapien, mit denen man eine Dialysepflichtigkeit häufig verhindern oder zumindest über Jahre hinauszögern könne. »Um dieses Potenzial zu nutzen, müssen Nierenkrankheiten deutlich früher erkannt werden«, betont die Pressesprecherin der DGfN.

Die Nephrologen fordern daher ein konsequentes Nierenscreening – insbesondere bei Risikogruppen. Denn eine CKD verläuft oft jahrelang ohne Beschwerden. Zur Früherkennung reichen zwei Untersuchungen: ein Bluttest zur Bestimmung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) sowie ein Urintest auf Albumin. Der errechnete Urin-Albumin-Kreatinin-Quotient (UACR) zeigt das Verhältnis zwischen Albumin- und Kreatinin-Konzentration im Urin an.

Albumin im Urin sei häufig das früheste messbare Zeichen einer Nierenschädigung – oft lange bevor die Filterleistung der Niere messbar abnimmt, betont Stracke. »Wer allein auf die eGFR schaut, übersieht viele Betroffene in einem Stadium, in dem wir heute besonders effektiv behandeln können.«

Große Lücken beim Screening

Doch beim Screening klaffen Lücken, und Nierenkrankheiten werden in Deutschland selten frühzeitig erkannt. Vor zwei Jahren zeigte die InspeCKD-Studie, dass in Hausarztpraxen selbst bei Risikopatienten, also Personen mit Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, viel zu selten Albumin im Urin bestimmt wurde. Im Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 1,7 Jahren erhielten 45,5 Prozent der Risikopatienten mindestens eine Serumkreatinin-Bestimmung, knapp 8 Prozent einen Harnstreifentest zum Nachweis einer Albuminurie und nur 0,4 Prozent eine UACR-Bestimmung. Bei Hochrisikopatienten wurde die Labordiagnostik etwas häufiger veranlasst.

Die DGfN-Sprecherin spricht von einer »verpassten Chance«. Denn ein modernes Nierenscreening bei Risikogruppen sei der Schlüssel zu einer deutlich besseren Prognose. »Die CKD ist heute keine zwangsläufig fortschreitende Erkrankung mehr«, fasst Stracke zusammen. »Wenn wir rechtzeitig hinschauen und moderne Therapien leitliniengerecht nutzen, können wir Nierenfunktion erhalten – oft ein Leben lang.«

Bei der Früherkennung könnten öffentliche Apotheken einspringen, wie der Nephrologe Professor Dr. Kai M. Schmidt-Ott von der Medizinischen Hochschule Hannover, beim Pharmacon in Schladming betonte. Apotheken könnten eine wichtige Rolle bei der Betreuung von Nierenerkrankten übernehmen und sich gerade in der Früherkennung stark machen. Entsprechende Tests seien in anderen Ländern bereits etabliert.

In der DEGAM-S3-Leitlinie zur Versorgung von Patienten mit chronischer, nicht-nierenersatztherapiepflichtiger Nierenkrankheit (Stand Juni 2024) wird die Bestimmung der Albuminurie bei der Erstdiagnose einer Nierenkrankheit empfohlen. Dazu könne man Kreatinin und Albumin in einer Spontanurinprobe bestimmen und die Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) errechnen. Ein Screening der Allgemeinbevölkerung mittels UACR wird nicht empfohlen.

Remission der CKD soll zum Standard werden

Große Studien kündigen einen Paradigmenwechsel in der Nephrologie an – weg vom bloßen Verlangsamen des Krankheitsverlaufs hin zur Remission der CKD. Dies werde möglich durch die Kombination mehrerer Wirkstoffklassen, darunter SGLT-2-Inhibitoren, nicht steroidale Mineralocorticoid-Rezeptorantagonisten, GLP-1-Rezeptoragonisten sowie krankheitsspezifische Immuntherapien, etwa bei IgA-Nephropathie, heißt es in einem aktuellen Übersichtsartikel in »Kidney International« (DOI: 10.1016/j.kint.2025.10.004).

Remission bedeutet dabei entweder eine altersentsprechend langsamere Abnahme der Nierenfunktion oder – in frühen Stadien – eine Normalisierung von Nierenwerten und Eiweißausscheidung. Daher resümieren die Studienautoren: »Remission ist nicht nur möglich, sie muss auch zum Therapiestandard werden.«

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