Eine Apotheke in Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern. / © Adobe Stock/Mickis Fotowelt
An den Universitäten in Mecklenburg-Vorpommern (MV) werden mehr Studienplätze für angehende Ärzte, Zahnärzte und Apotheker reserviert, die nach ihrem Studium im Nordosten arbeiten wollen. Damit soll die Versorgung im ländlichen Raum in MV gesichert werden. Die Fraktionsabgeordneten von Linke und SPD stimmten gestern in der Sitzung des Landtags für ein entsprechendes Gesetz. Die FDP stimmte dagegen. Grüne, CDU und AfD enthielten sich.
Jeweils zehn Prozent aller Studienplätze in den Bereichen Pharmazie, Humanmedizin und Zahnmedizin sollen künftig nach diesem Prinzip vergeben werden. Wer seine Zusage nicht einhält, nach dem Studium mindestens zehn Jahre als Landapotheker zu praktizieren, dem droht eine Vertragsstrafe von bis zu 250.000 Euro. Das gilt auch für die anderen beiden Bereiche.
Im Jahr 2025 mussten neun Apotheken in Mecklenburg-Vorpommern schließen. Zum Jahresende gab es noch 351 öffentliche Apotheken – ein Rückgang von 2,5 Prozent innerhalb eines Jahres.
Im ländlichen Raum wird es der Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) zufolge zunehmend schwieriger, geeignete Nachfolger zu finden. »Dort droht Unterversorgung und an den ersten Orten ist sie auch bereits eingetreten«, sagte sie im Landtag. Perspektivisch sei davon auch die zahnärztliche Versorgung betroffen, dem trete man mit der Vorabquote nun entgegen.
Der CDU-Abgeordnete Harald Terpe hält die Vertragsstrafe von 250.000 Euro für zu hoch. »Mir erscheint das unfair, unausgewogen und etwas kontraproduktiv.« Es brauche andere Anreize für den medizinischen Nachwuchs, im ländlichen Raum zu arbeiten.
Die FDP-Abgeordnete Barbara Becker-Hornickel stellte in ihrer Rede infrage, ob die Landarztquote wirklich wirke. Sie müsse erst noch wissenschaftlich überprüft werden, bevor sie ausgeweitet werde. Zudem greife das Gesetz zu kurz. »Es setzt fast ausschließlich bei der Studienplatzvergabe an«, sagte sie. Schlechte Arbeitsbedingungen oder eine fehlende kommunale Infrastruktur würden nicht berücksichtigt.
Eine Landarztquote gibt es bereits seit 2020, bisher beträgt sie 7,8 Prozent aller Studienplätze. Für die anderen beiden Fächer ist die Quote neu. Die Universitätsmedizin Rostock und der Landkreistag Mecklenburg-Vorpommern hatten bei einer Anhörung im Landtag ihre Zweifel daran geäußert, dass die Vorabquote wirklich langfristig das Problem löse.
Die Kassenärztliche Vereinigung hatte von einem Rückgang bei den Bewerberzahlen für die Plätze der Landarztquote berichtet. 2025 habe man nur mit Mühe die entsprechenden Studienplätze vergeben können.