| Jennifer Evans |
| 05.02.2026 09:00 Uhr |
Aufgewachsen in einem kleinen anatolischen Dorf führt Mustafa Bagli nun zwei Apotheken in Duisburg und Ratingen. / © Zuhal Bagli
Während der Corona-Pandemie hat der Apotheker Mustafa Bagli Social Media für sich entdeckt, zunächst auf TikTok, später kam auch ein Instagram-Kanal hinzu. Mit den Videos habe er angefangen, das »Image von Apotheken zu verbessern«, sagte er zur PZ. Mit seinen Reels will er nach eigenen Angaben nicht nur über Gesundheitsfragen aufklären, sondern auch den Berufsstand attraktiver machen. Die Branche sei bis dahin »in keiner Weise hinreichend« in den sozialen Medien vertreten gewesen, bedauert er.
Als Inhalte für seine Videos liegen ihm saisonale Erkrankungen, Volkskrankheiten sowie Kinderpharmazie besonders am Herzen. Außerdem möchte Bagli mit diesem Format »die Angst vor Medikamenten« reduzieren, wie er gegenüber der PZ betonte.
Sein Einsatz zahlt sich aus. »Kundinnen und Kunden geben nahezu durchweg positive Rückmeldungen oder bedanken sich gar persönlich bei mir für meine Arbeit«, berichtet er. Die seltenen negativen Kommentare kämen insbesondere von Verschwörungsmystikern, die behaupteten, er würde für die Pharmaindustrie arbeiten.
Die Online-Präsenz hat sich noch in anderen Bereichen als vorteilhaft herausgestellt. Die Videos sind »ein gutes Werkzeug«, um Personal sowie Kundinnen und Kunden für seine Apotheken zu gewinnen, wie Bagli zugibt. Seine Inhalte sind selbst gemacht. »Die Videos werden von meinen Mitarbeitenden gedreht.«
Inzwischen leitet der gebürtige Türke zwei Apotheken mit insgesamt 30 Mitarbeitenden. Seine erste Offizin kaufte er 2018 für den symbolischen Preis von 1 Euro, weil der Betrieb damals sehr heruntergewirtschaftet war. Im Jahr 2023 eröffnete er dann eine zweite Apotheke in Ratingen.
In Zukunft könnte Bagli sich vorstellen, noch eine weitere Apotheke zu führen. Dass die aktuellen Entwicklungen Apothekerinnen und Apotheker jedoch »vor immer größere Probleme stellen«, ist ihm bewusst – und gleichzeitig ein Dorn im Auge. »Die Vor-Ort-Apotheke ist ein wichtiger Teil der Infrastruktur des Gesundheitssystems in Deutschland«, hebt er gegenüber der PZ hervor. Daher ist es ihm ein Anliegen, mehr Bewusstsein für den Wert dieses Heilberufs in Politik und Gesellschaft zu schaffen.
Die Begeisterung für das politische Engagement kommt vermutlich nicht von ungefähr. Seine erste Ausbildung zum PKA absolvierte Bagli in der Alpha Apotheke von Thomas Preis in Köln. Den ABDA-Präsidenten bezeichnet er heute als seinen Mentor, ohne dessen Unterstützung ihm die Verbindung von Beruf und Pharmaziestudium nicht möglich gewesen wäre.
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