| Theo Dingermann |
| 12.03.2026 16:00 Uhr |
In einer aktuellen Studie konnte die tägliche Einnahme eines Multivitamin-Präparat die biologische Uhr ein wenig langsamer ticken lassen. / © Getty Images/Science Photo Library
Multivitamin-/Multimineralpräparate (MVM) sind bei vielen Gesundheitsbewussten beliebt. Ob die langfristige Einnahme solcher Präparate messbare Effekte auf das biologische Altern hat, untersucht eine prädefinierte Nebenstudie der mit über 21.000 Teilnehmenden großen randomisierten COcoa Supplement and Multivitamin Outcomes Study (COSMOS) erstmals systematisch. Die Ergebnisse der Untersuchung veröffentlichte ein Team um Sidong Li von der Chinesischen Universität für Wissenschaft und Technologie in Hefei, China, und Kollegen von der Stanford University in Boston, USA, jetzt im Fachjournal »Nature Medicine«.
Die Forschenden analysierten epigenetische Alterungsmarker in Blutproben von 958 Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von etwa 70 Jahren, die über zwei Jahre hinweg beobachtet wurden. Die Probanden erhielten entweder täglich ein Multivitamin-/Multimineralpräparat (Centrum Silver), einen Kakao-Flavanol-Extrakt oder ein Placebo. Ziel war es zu klären, ob diese Interventionen Veränderungen in sogenannten »epigenetischen Uhren« bewirken können, die als etablierte molekulare Indikatoren biologischer Alterungsprozesse gelten.
Das Team um Li analysierte fünf dieser epigenetischen Alterungsmaße, darunter PCGrimAge, PCPhenoAge, PCHorvath und DunedinPACE. Die Ergebnisse zeigen, dass die tägliche Einnahme eines Multivitaminpräparats mit einer moderaten, statistisch signifikanten Verlangsamung der biologischen Alterung verbunden war.
Besonders deutlich zeigte sich das bei den sogenannten Second-Generation-Epigenetik-Uhren PCGrimAge und PCPhenoAge. Im Vergleich zur Placebogruppe verringerte sich die jährliche Zunahme dieser Altersmarker um etwa 0,1 bis 0,2 Jahre. Über den zweijährigen Studienzeitraum entspricht dies einer Verzögerung der biologischen Alterung um etwa vier Monate.
Bemerkenswert ist, dass der Effekt vor allem bei Teilnehmenden mit bereits beschleunigter biologischer Alterung zu Studienbeginn ausgeprägt war. Bei diesen Personen war die Reduktion der Alterungsrate deutlich stärker als bei Teilnehmenden, deren biologische und chronologische Alter weitgehend übereinstimmten. Dies deutet darauf hin, dass mikronährstoffbasierte Interventionen möglicherweise besonders bei Individuen mit erhöhtem metabolischem oder physiologischem Stresspotenzial wirksam sein könnten.