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Outfit verrät Lebenszustand
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Mode als psychologisches Schutzsignal

Mit der Farbwahl der Kleidung kommunizieren wir oft mehr als uns lieb ist. Das hebt der Farbpsychologe Professor Dr. Axel Buether gegenüber der PZ hervor. Insbesondere für den Gesundheitsbereich hält er dieses Wissen für wertvoll.  
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 09.03.2026  09:00 Uhr

Die Farbwahl eines Outfits kann durchaus etwas über die Lebenssituation eines Menschen verraten, wie Professor Dr. Axel Buether, Lehrstuhlinhaber für Didaktik der Visuellen Kommunikation an der Bergischen Universität Wuppertal, im Gespräch mit der PZ berichtet. Seine Studie zur Farbe und Persönlichkeit hat ergeben, dass wir mit Farben nicht bloß modische Entscheidungen treffen. »Wir kommunizieren unbewusst unsere Stimmung, unsere Bedürfnisse und sogar stabile Charakterzüge«, hebt er hervor. Farben zeigten, wie wir uns selbst erleben und wie wir gern von anderen wahrgenommen werden möchten.

Wer sich sicher, offen und lebendig fühlt, greift laut Buether eher zu helleren, vitalen und weichen Farbnuancen. Das erleichtere soziale Nähe und signalisiere Kontaktbereitschaft. In belastenden oder erschöpften Phasen dagegen wird die Palette oft dunkler und zurückhaltender. »Nicht als Mode, sondern als psychologisches Schutzsignal«, so der Farbpsychologe. Die Welt erscheint weniger bunt, weniger grell – aber auch weniger verletzend. In dieser Farbwelt schwingt ein Bedürfnis nach Kontrolle, Rückzug und emotionaler Selbstschutz mit.

Auch aus diesem Grund wählen ältere Menschen häufig gedeckte Töne für ihr Outfit. »Eine ruhigere Lebensphase bringt oft ein Bedürfnis nach Stabilität und Komfort mit sich.« Eine Farbwahl, die abschätzig als »Rentnerbeige« bezeichnet wird und Stereotype über ältere Menschen verstärken kann. Doch nicht alle folgen diesem Muster. »Menschen, die sich Offenheit, Kreativität und Spontanität bewahrt haben, drücken diese Eigenschaften bis ins hohe Alter durch eine unkonventionelle Farbwahl aus.«

Wertvolles Wissen für Gesundheitskontext

Konzepte von Lieblingsfarben oder Sommer- und Wintertypen greifen seiner Ansicht nach viel zu kurz. Entscheidend ist demnach nicht, welche Farbe jemand bevorzugt, sondern welche Nuancen er tatsächlich trägt. »Kleidung wirkt wie ein leises Protokoll der eigenen Befindlichkeit.« Gezielt gesetzte Farbakzente können dem Experten zufolge die Stimmung heben, Kontakt anregen oder sogar positive Reaktionen beim Gegenüber auslösen – ein kleines Lächeln, ein Gesprächsangebot, ein Moment sozialer Wärme. Ähnliches passiere beim sogenannten Dopamin Dressing. Dieser Style zielt darauf ab, mit fröhlichen Farben ein Belohnungsgefühl auszulösen und damit stimmungsaufhellend zu wirken.

Gerade im Gesundheitskontext sei das Wissen um die Farbwahl wertvoll, betont Beuther. Sie verrate oft schon vor dem ersten Wort, ob ein Mensch Nähe, Ruhe, Struktur oder einen kleinen Impuls brauche. Zugleich zeige sie, ob die Person sich gerade zurückziehen oder aktiv am Leben teilhaben möchte. »Farbe ist eine der präzisesten nonverbalen Sprachen, die wir besitzen – und sie erzählt oft klüger und wahrer von uns als Worte.«

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