| Kerstin A. Gräfe |
| 20.01.2026 08:00 Uhr |
Hierzulande sind vornehmlich die Priscus- und die Forta-Liste gebräuchlich. Die Original-Priscus-Liste wurde auf Basis der Beers-Kriterien von einem Arbeitskreis um Professor Dr. Petra Thürmann vom Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie der Universität Witten/Herdecke speziell für Deutschland zusammengestellt und im Jahr 2010 veröffentlicht. Sie enthielt 83 Arzneistoffe und 18 Wirkstoffklassen. Die heutige Version Priscus 2.0 umfasst nach einem Update im Jahr 2022 nun 177 als PIM gekennzeichnete Wirkstoffe.
Die Auswahl beruht auf einem Expertenkonsens nach dem sogenannten Delphi-Verfahren. Darunter versteht man eine mehrstufige, schriftliche Befragung von Experten verschiedener Fachbereiche. Unter der Annahme, dass die beteiligten Experten über überdurchschnittlich viel Wissen in ihrem Fachbereich verfügen, sollen so besonders aussagekräftige Prognosen aufgestellt werden.
Die Priscus-Liste ist nach Indikationsgebieten sortiert. Zu jedem Arzneistoff erhält man den Median und den Mittelwert aus dem Delphi-Bewertungsverfahren, die Begründung für die Einstufung als PIM sowie mögliche Alternativen. Zudem werden Empfehlungen oder Monitoring-Hinweise genannt, falls ein potenziell ungeeignetes Arzneimittel dennoch eingesetzt werden soll und zu guter Letzt Diskussionspunkte, die sich aus den Expertenkommentaren und aus der öffentlichen Kommentierung ergeben haben.
Die Forta(Fit for the Aged)-Liste ist im Gegensatz zu Priscus und Beers eine Negativ-Positiv-Liste. Das heißt, sie rät nicht nur von bestimmten Substanzen für Senioren ab, sondern spricht auch Empfehlungen aus. Die Wirkstoffe werden vier Kategorien zugeordnet:
Gedacht ist die Forta-Liste zur Anwendung bei Patienten über 65 Jahren mit drei oder mehr signifikanten Komorbiditäten sowie zur Beurteilung der Medikation von Patienten über 80 Jahren. Sie ist online abrufbar oder auch als App erhältlich und enthält 299 Arzneistoffe sowie 30 Indikationsgebiete.
In der Online-Version kann nach dem Indikationsgebiet oder dem Wirkstoff gesucht werden. Es werden dann die Wirkstoffe nach ihrer Beurteilung (A bis D) sowie ausgewählte Kommentare angezeigt. Inzwischen gibt es spezifische Forta-Listen für die USA (U.S.-Forta) und Europa (EURO-Forta) sowie für spezifische Indikationen wie orale Antikoagulanzien (AK-Forta) und Harnwegsinfektionen (LUTS-Forta).