Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Alzheimer-Forschung
-
Mit kleinen Schritten voran

Alzheimer ist die häufigste Demenzform und betrifft Millionen Menschen – trotz jahrzehntelanger Forschung ist sie bislang nicht gut therapierbar. Fortschritte gibt es aber in der Diagnostik. In welche Richtung geht die Forschung?
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 22.01.2026  18:00 Uhr

Demenzen, allen voran die Alzheimer-Erkrankung, sind sehr häufig: In Deutschland sind 1,8 Millionen Menschen betroffen, weltweit sind es etwa 57 Millionen Menschen, berichtete Professor Dr. Carsten Culmsee von der Philipps-Universität Marburg beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming. Die Prävalenz liege bei etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen über 65 Jahre. Da Alter der wichtigste Risikofaktor ist, wird aufgrund der demografischen Entwicklung mit wachsenden Patientenzahlen gerechnet. Horrorszenarien könnten aber ausbleiben: »Wir werden immer älter, aber auch immer gesünder älter.« Seit 2004 seien die Demenz-Zahlen etwa stabil geblieben.

Jedes Jahr erkranken aber etwa 300.000 Menschen in Deutschland neu an Demenz, zwei Drittel von ihnen an Alzheimer-Demenz. Der Verlauf sei individuell unterschiedlich. Die Erkrankung führe aber im Durchschnitt innerhalb von 4,8 Jahren nach der Diagnose zum Tod. Hauptursache seien Atembeschwerden, Infektionen und Lungenentzündung.

Die Hauptkennzeichen der Pathologie seien β-Amyloid-Plaques (Aβ) im Gehirn und tau-Fibrillen in Neuronen, die schon von dem Entdecker der Erkrankung, Alois Alzheimer, beschrieben wurden. »Seit 120 Jahren kennen wie die Pathologie«, sagte Culmsee. »Noch können wir sie aber nicht effektiv aufhalten.«

Fortschritte in der Alzheimer-Diagnostik

Die gute Nachricht ist: In der Diagnostik wurden deutliche Fortschritte erreicht. »Wir haben inzwischen Liquor- und Bluttests.« So wurden etwa in den USA zwei Bluttests von der Arzneimittelbehörde FDA zugelassen, die hyperphosphoryliertes Tau und Aβ zum Feststellen beziehungsweise Ausschließen der Erkrankung detektieren. Bislang benötige man für die Diagnose einer Alzheimer-Demenz aber zusätzlich zu den Biomarkern auch erste milde kognitive Einschränkungen. Wenn diese auftreten, sei die Pathologie schon weit fortgeschritten, sagte Culmsee. »Wir kommen mit der Diagnose zu einem Zeitpunkt, wo wir die Erkrankung nicht mehr aufhalten können.«

Daher sind die bisherigen Fortschritte in der Therapie – trotz zwei neuer Medikamente –klein. Auf den Markt kamen Ende vergangenen Jahres die beiden Antikörper Lecanemab (Leqembi®) und Donanemab (Kisunla®). Lecanemab führe zu einer Beseitigung von Aβ-Plaques und -Oligomeren, könne das Fortschreiten der Erkrankung aber nicht aufhalten, sondern nur abbremsen.

Auch Donanemab beseitige effektiv Amyloid-Plaques und richte sich dabei gegen einen besonders toxischen Bestandteil, das Pyroglutamat-Aβ, das Nervenzellen absterben ließe und eventuell eine Verbindung zur Tau-Pathologie darstelle. Beide Antikörper könnten erhebliche Nebenwirkungen haben, weshalb sie nur unter strengen Auflagen eingesetzt werden dürften und das bei bescheidenen klinischen Verbesserungen. Für die am stärksten gefährdete Gruppe von Alzheimer-Patienten, die homozygot ApoEε4-positiv sind und deswegen eine besonders raschen Krankheitsverlauf haben, seien die Antikörper nicht zugelassen. 

Entsprechend intensiv würde an weiteren therapeutischen Ansätzen geforscht. Culmsee nannte hier den Glucosemetabolismus im Gehirn, der bei Alzheimer-Demenz eingeschränkt ist, Mitochondriendysfunktionen und Neuroinflammation. Noch richteten sich die meisten experimentellen Substanzen, die sich in klinischen Studien befänden, aber gegen Aβ. In Zukunft könnte Lithium eine Therapieoption werden, derzeit werden die Substanz klinisch untersucht. 

Mehr von Avoxa