| Daniela Hüttemann |
| 12.02.2026 15:00 Uhr |
Mit Hoch-Risiko-Medikamenten für ältere Menschen sind zum Beispiel solche gemeint, die das Sturzrisiko erhöhen. / © Getty Images/FG Trade
Bereits 2024 hatte eine Studie mit landesweiten Daten aus Notaufnahmen der USA gezeigt, dass 5,9 Prozent der Patienten ab 65 Jahren mit einer potenziell inadäquaten Medikation (PIM) entlassen werden. Zugrunde gelegt wurden hier die Beers-Kriterien, entwickelt von der American Geriatrics Society. Die Beers-Liste enthält Arzneimittel, die aufgrund hoher Risiken für ältere Menschen potenziell ungeeignet sind. In Deutschland gelten die Priscus- und die FORTA-Liste als Standard in diesem Bereich.
Neuer und weniger bekannt dürfte GEMS-Rx sein: Bei den »Geriatric Emergency Medication Safety Recommendations« handelt es sich um evidenz- und konsensusbasierte Empfehlungen für die Verschreibung von Arzneimitteln für Patienten ab 65 Jahren in der Notaufnahme. Erarbeitet wurde die Liste von Notfallmedizinern und einer Apothekerin, alle mit Erfahrung in der Geriatrie. Hier wurden acht Arzneimittelgruppen ermittelt, bei denen Vorsicht angebracht ist:
Der Verzicht auf diese Medikamente und die Verwendung von Alternativen könnten unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei älteren Erwachsenen nach der Entlassung aus der Notaufnahme reduzieren, hieß es zur Veröffentlichung der Liste im Jahr 2024 im Fachjournal »Annals of Emergency Medicine«. Die Arzneistoffe sind aber nicht grundsätzlich kontraindiziert, sondern können auch angebracht sein, zum Beispiel bei epileptischen Anfällen, generalisierten Angststörungen oder am Lebensende.
In einer neuen Studie im Fachjournal »JAMA Internal Medicine« wurde nun ermittelt, wie häufig Menschen ab 65 Jahren ein Medikament der GEMS-Rx-Liste bei Entlassung aus der Notaufnahme erhielten. Genutzt wurde ein anonymisiertes Datenset mit Angaben von 1842 Notaufnahmen mit 8,8 Millionen Patienten ab 65 Jahren aus dem Zeitraum Januar 2023 bis Mai 2025.
Interessanterweise kamen die Forschenden zu einem sehr ähnlichen Ergebnis wie bei der landesweiten Analyse 2024: Etwa einem von 15 älteren Patienten, die aus der Notaufnahme entlassen wurden, wurden Medikamente verschrieben, die nach den GEMS-Rx-Kriterien nicht empfohlen sind.
Am häufigsten bekamen die 65- bis 74-Jährigen ein PIM verordnet. Die Verschreibungsraten für PIM nahmen mit jedem Jahrzehnt des Patientenalters ab; dies könnte zurückzuführen sein auf Unterschiede in den Notaufnahmen, komorbiditätsbedingte Arzneimittel-Kontraindikationen oder das Verständnis der Ärzte, dass das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen mit zunehmendem Alter steigt, schreibt das Autorenteam um Mark S. Iscoe von der Yale School of Medicine in New Haven, Conneticut. Eine Standardisierung könne helfen, unnötige PIM-Verordnungen einzuschränken.