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Pilotstudie
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Miniatur-Lebern in Patienten züchten

Ein Patient mit Leberversagen hat in den USA erstmals eine Zelltherapie erhalten, die bei ihm Miniatur-Lebern in den Lymphknoten wachsen lassen soll. Insgesamt sollen zwölf Patienten in die Phase-IIa-Studie eingeschlossen werden, meldet das Unternehmen Lygenesis.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 08.04.2024  09:00 Uhr
Funktionsfähiges Lebergewebe mit Wachstumsstopp

Funktionsfähiges Lebergewebe mit Wachstumsstopp

Das Verfahren hatte das Team zuvor bereits in Mäusen und Schweinen getestet. In einer 2020 erschienen Arbeit induzierten die Forschenden bei Schweinen ein subakutes Leberversagen und transplantierten den Tieren dann autologe (eigene) Hepatozyten durch direkte Zellinjektion in Bauchlymphknoten. Nach zwei Monaten waren bei allen behandelten Tieren die Hepatozyten erfolgreich angewachsen, wobei das Ausmaß der neuen Lebermasse proportional zur induzierten ursprünglichen Leberschädigung war. »Diese ektopischen Lebern zeigten bemerkenswerte histologische Merkmale der Leberlappen von Schweinen, einschließlich der Bildung von Sinusoiden und Gallengängen«, berichtete das Team im Journal »Liver Transplantation«.

Dass die Lebermasse vom Ausmaß der Schäden abhängt, liegt daran, dass die transplantierten Zellen »Notsignale« der geschädigten Leberzellen benötigen, um zu wachsen. Daher sei auch nicht zu befürchten, dass die Mini-Lebern in den Lymphknoten zu groß würden. Sobald die Ersatzorgane das Blut filterten, würden die wachstumsfördernden Signale schwächer, erklärt Hufford gegenüber »Nature«.

Erste Studienergebnisse für 2026 erwartet

Bei der jetzt gestarteten klinischen Studie soll jeder Patient über einen Zeitraum von einem Jahr durch Nachuntersuchungen engmaschig überwacht werden. Die Studie soll die Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit der transplantierten allogenen Hepatozyten untersuchen und auch die geeignete Zahl an Miniatur-Lebern ermitteln, die für die Filterfunktion nötig sind. Erste Ergebnisse werden für 2026 erwartet.

»Wenn unsere Studie erfolgreich ist und wir die FDA-Zulassung erhalten, könnte unsere allogene Zelltherapie es ermöglichen, mit einer gespendeten Leber viele Dutzend Patienten mit Lebererkrankung im Endstadium zu behandeln, was dazu beitragen könnte, das derzeitige Ungleichgewicht zwischen Organangebot und -nachfrage zugunsten der Patienten zu kippen«, so Hufford.

Entsprechende Ansätze, bei denen Ersatzorgane in den Lymphknoten gezogen werden, entwickelt Lygenesis auch für Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und der Nieren. Diese befinden sich noch in der Präklinik.

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