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Neurologische Entwicklung
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Metaanalyse findet höheres Risiko bei Kindern von Diabetikerinnen

Ein Diabetes in der Schwangerschaft ist laut einer aktuellen Metaanalyse mit einem erhöhten Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen beim Kind assoziiert. Es gibt allerdings einige Limitationen der Untersuchung. Experten weisen darauf hin und ordnen die Ergebnisse ein.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 09.04.2025  10:30 Uhr
Metaanalyse findet höheres Risiko bei Kindern von Diabetikerinnen

Im Fachjournal »The Lancet Diabetes & Endocrinology« hat ein Forscherteam um Wenrui Ye und Cong Luo, beide von der Central South University in Changsha, China, auf Grundlage von 202 Studien und mehr als 56 Millionen Mutter-Kind-Paaren das relative Risiko für das Kind errechnet, von einer neurologischen Entwicklungsstörung betroffen zu sein, wenn die Mutter bereits vor der Schwangerschaft Diabetes hat oder die Erkrankung während der Schwangerschaft erwirbt.

Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass das von Störfaktoren bereinigte relative Risiko (RR) für Kinder von Frauen mit Diabetes insgesamt um 28 Prozent erhöht (RR 1,28) war, wenn sie alle betrachteten neurologischen Entwicklungsstörungen gemeinsam auswerteten. Es war um 25 Prozent für Autismus (RR 1,25), um 30 Prozent für ADHS (RR 1,30), um 32 Prozent für eine geistige Behinderung (RR 1,32), um 27 Prozent für eine spezifische Entwicklungsstörung (RR 1,27), um 20 Prozent für eine Kommunikationsstörung (RR 1,20), um 17 Prozent für eine motorische Störung (RR 1,17) und um 16 Prozent für eine Lernstörung (RR 1,16) erhöht. Zudem war ein bereits vor der Schwangerschaft bestehender Diabetes stärker mit dem Risiko der meisten neurologischen Entwicklungsstörungen bei Kindern verbunden als Schwangerschaftsdiabetes (RR 1,39 versus 1,18).

Keine absoluten Zahlen

Wichtig: Um einschätzen zu können, wie hoch die absolute Zahl der betroffenen Kinder ist, für die sich das Risiko erhöht, muss die Hintergrundprävalenz für die einzelnen Entwicklungsstörungen bekannt sein. Absolute Angaben finden sich in der Studie aber nicht. Dies ist auch ein Punkt, den Professor Dr. Christoph Bührer von der Berliner Charité in einem Statement gegenüber dem Science Media Center (SMC) deutlich hervorhebt. »Da das absolute Risiko dieser Störungen klein ist, sind die allermeisten Kinder nicht betroffen.« Ausschau zu halten nach Entwicklungsverzögerungen und neuropsychiatrischen Erkrankungen sei ohnehin Gegenstand der Vorsorgeuntersuchungen gemäß der Kinderrichtlinie. »Die kleine Zunahme des absoluten Risikos bei Kindern diabetischer Mütter rechtfertigt keine Sonderbehandlung und bärge eher die Gefahr einer Stigmatisierung.«

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