| Theo Dingermann |
| 13.10.2026 10:15 Uhr |
Von besonderer klinischer Bedeutung sind die Ergebnisse zur menopausalen Hormontherapie (MHT). Bei Frauen unter Hormontherapie waren zahlreiche der abrupten physiologischen Veränderungen deutlich abgeschwächt. Dies betraf insbesondere den Knochenstoffwechsel, verschiedene Leberparameter sowie Marker der Nierenfunktion und des Flüssigkeitshaushalts. In der amerikanischen Kohorte unterschieden sich 39 von 80 untersuchten Parametern signifikant zwischen Frauen mit und ohne Hormontherapie. Eine ergänzende Analyse von 9103 hormonbehandelten Frauen aus der israelischen Kohorte bestätigte wesentliche Teile dieser Beobachtungen.
Allerdings profitierten nicht sämtliche Biomarker gleichermaßen. Insbesondere beim Eisenstoffwechsel und bei Entzündungsparametern zeigten sich Ausnahmen. So waren die CRP-Werte unter Hormontherapie teilweise erhöht. Das galt insbesondere für oral verabreichte Estrogene, die über den hepatischen First-Pass-Effekt die CRP-Produktion stimulieren können, während dieser Effekt bei transdermaler Anwendung wesentlich geringer ausfällt.
Zusammenfassend verändert die Studie vor allem das Verständnis der zeitlichen und systemischen Dynamik der Menopause. Sie legt nahe, dass der Übergang nicht lediglich durch einen kontinuierlichen Rückgang der Sexualhormone gekennzeichnet ist, sondern durch einen ausgeprägten physiologischen Wendepunkt, der zahlreiche Stoffwechsel- und Organfunktionen gleichzeitig beeinflusst.