Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Apothekendemo in Düsseldorf
-
Mehr als 10.000 Protestierende 

Wenn politische Entscheider und Entscheiderinnen bis jetzt noch nicht verstanden haben, warum Apotheken dringend zukunftsfähig gestärkt werden müssen – spätestens seit dem Apothekenprotesttag heute muss es wirklich jedem Menschen ohne jeden Zweifel klar geworden sein. Das ist das Fazit vom Apothekenprotest in Düsseldorf. Über 10.000 Menschen kamen aus drei Bundesländern.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 23.03.2026  15:18 Uhr

Mehr als 100.000 Unterschriften

Dass Apothekenteams in der Bevölkerung breiten Rückhalt finden, zeigt der Erfolg einer von der ABDA initiierten Online-Petition: Binnen fünf Wochen haben beinahe 100.000 Menschen unterzeichnet. »Das ist ein klarer Auftrag an die Politik: Handeln Sie jetzt und unverzüglich!«, schloss Preis.

Thorsten Klute (SPD), gesundheits- und pflegepolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen, kam als nächster Redner auf die Bühne. Weil er seine Aussagen in Teilen nicht konkretisieren konnte, wurden seine Worte auch von Missbilligung der Protestierenden begleitet. Klute sagte, das Fixum werde kommen, der Koalitionsvertrag umgesetzt. Es sei wichtig, dass Gesundheit in Nordrhein-Westfalen weiterhin ein führendes Thema bleibe. Besondere Sorge treibe ihn um, wenn er an die Versorgung der Menschen im Land denke.

Marco Schmitz, CDU, Sprecher des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW sagte, Anfang des Monats März hätte man bestätigt, das Fixum werde im Rahmen einer Verordnung erhöht. »Sie müssen den Druck aufrechterhalten, damit auch im Bund klar ist, dass das umgesetzt werden muss«, schloss Schmitz.  

Weit mehr als eine Lücke

Kathrin Luboldt, Vizepräsidentin der Apothekerkammer Nordrhein (AKNR), betonte einen weiteren Aspekt: »Wenn wir über Flächendeckung sprechen, dann sprechen wir über die Versorgung von Menschen. Das dürfen wir doch nicht vergessen. In NRW habe es mittlerweile weniger als 2000 Apotheken, der Rückgang sei besorgniserregend, auch vor dem Hintergrund, dass 80 Prozent der Kommunen in NRW nur noch eine Apotheke hätten. »Das ist keine Lücke, sondern ein ausgewachsenes Versorgungsproblem. Wir erleben einen demografischen Wandel, haben eine Vielzahl von Patienten zu versorgen, die Ärztezahlen sind rückläufig, oft sind die Apotheken die einzige Anlaufstelle in Sachen Gesundheit«. Deshalb sei es auch so wichtig, dass jetzt die versprochende Fixumserhöhung komme.

Thomas Rochell, Vorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL), machte anhand einiger Rechenbeispiele unter Einbeziehung von Tariferhöhungen und Steigerungen des Mindestlohns deutlich, dass die Rechnung der Politik überhaupt nicht aufginge, denn selbstverständlich müsse und wolle man auch PTA und PKA leistungsgerecht und konkurrenzfähig bezahlen. »Liebe Politik, es wird allerallerhöchste Zeit und zwar jetzt!«, endete Rochell.

Hannes Müller, Vorstandsmitglied der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) und im ABDA-Vorstand, ging auf die pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) ein. Die Politik verkaufe die Ausweitung der pDL gerne als Geschenk, aber »ich will es deutlich sagen: Die Gesellschaft braucht diese Dienstleistungen. Wir haben ein riesengroßes Präventionsdefizit.« Um das zu bewältigen, brauchten Apotheken Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. »Und von was sollen wir die bezahlen?« Der Präsident der Landesapothekerkammer Hessen, Christian Ude, und Jan Henning Keller, erweiterter Vorstand des Landesapothekerverbands Rheinland-Pfalz, plädierten wie ihre Vorredner an die politisch Verantwortlichen, jetzt und ohne weitere Verzögerung zu handeln.

Mehr von Avoxa