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Evidenzbasierte Empfehlungen
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Medizinische Zahlen richtig kommunizieren

Wie kommuniziert man medizinische Zahlen bei der Erläuterung des aktuellen Gesundheitszustands eines Patienten und bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung einer erforderlichen Therapie? Mit dieser zentralen, in der klinischen Praxis häufig unterschätzten Herausforderung, die auch für die öffentliche Apotheke relevant sein kann, beschäftigt sich ein »Insights«-Artikel im Fachjournal »JAMA«.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 05.01.2026  18:00 Uhr

Ärzte treffen ihre Entscheidungen zur Überwachung des Gesundheitszustands von Patienten und zur Wahl einer bestimmten Therapie in erster Linie auf der Basis von Zahlen. Diese Zahlen spielen dann auch in der Kommunikation mit dem Patienten eine entscheidende Rolle. Es kann allerdings passieren, dass diese Zahlen nicht richtig verstanden werden.

Dies nehmen Forschende um Dr. Brian J. Zikmund-Fisher vom Department of Health Behavior and Health Equity an der University of Michigan, Ann Arbor, USA, zum Anlass für einen bereits im September publizierten »JAMA Insights«-Artikel.

Ausgehend von einer breiten Evidenzbasis aus systematischen Reviews und experimentellen Studien formulieren die Forschenden fünf praxisnahe, evidenzbasierte Empfehlungen:

Zahlen statt Wörter verwenden

Erstens plädieren die Forschenden dafür, Risiken grundsätzlich numerisch zu kommunizieren, auch dann, wenn nur grobe Schätzungen möglich sind. Verbale Wahrscheinlichkeitsbegriffe wie »selten« oder »häufig« werden von Laien extrem unterschiedlich interpretiert und führen im Vergleich zu Zahlen systematisch zu einer Überschätzung von Risiken sowie zu stärkeren Verhaltensreaktionen. Zahlen helfen hingegen, die tatsächliche Größenordnung eines Risikos einzuordnen, etwa den Unterschied zwischen 4 Prozent und 0,004 Prozent.

Beispiel: Wenn es sich um eine »gelegentliche« Nebenwirkung handelt, erklären, dass sie bei einem bis zehn von 1000 Behandelten auftreten kann beziehungsweise bei 0,1 bis 1 Prozent.

Prozent statt »1 von 12«

Zweitens wird empfohlen, konsistente Nenner zu verwenden, also beispielsweise Prozentangaben oder Raten pro 1000 Personen, statt variabler »1-von-X«-Formate. Beispiel: statt »eine von zwölf« besser »8 Prozent der Frauen« sagen; statt »1 von 384« besser »etwa drei von 1000 Personen«.

»1-von-X«-Formate lassen Risiken größer erscheinen, erschweren Vergleiche und beeinträchtigen die Fähigkeit, Wahrscheinlichkeiten korrekt einzuordnen. Empirische Daten zeigen, dass selbst einfache Größenvergleiche deutlich häufiger korrekt gelingen, wenn konsistente Nenner genutzt werden.

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