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Medizinische Zahlen richtig kommunizieren

Wie kommuniziert man medizinische Zahlen bei der Erläuterung des aktuellen Gesundheitszustands eines Patienten und bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung einer erforderlichen Therapie? Mit dieser zentralen, in der klinischen Praxis häufig unterschätzten Herausforderung, die auch für die öffentliche Apotheke relevant sein kann, beschäftigt sich ein »Insights«-Artikel im Fachjournal »JAMA«.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 05.01.2026  18:00 Uhr

Absolutes Risiko kommunizieren

Drittens betonen die Autoren die Bedeutung absoluter Risikodifferenzen bei der Darstellung von Nutzen und Schaden medizinischer Interventionen. Relative Risikoreduktionen, etwa ein »50 Prozent geringeres Risiko«, erhöhen zwar nachweislich die Akzeptanz von Maßnahmen, führen jedoch zu einer systematischen Überschätzung des Nutzens.

Besonders kritisch ist, dass Leitlinien häufig Nutzen relativ, Schäden jedoch absolut darstellen und so ein verzerrtes Bild erzeugen. Für ein realistisches Verständnis klinischer Effekte seien absolute Angaben unerlässlich, auch wenn sie nur näherungsweise sind.

Beispiel: Statt »reduziert das Zehn-Jahres-Risiko um 50 Prozent« besser »reduziert das Zehn-Jahres-Risiko von 8 auf 6 Prozent« kommunizieren.

In Grafiken die Gesamtheit zeigen

Viertens widmet sich der Artikel der visuellen Darstellung von Wahrscheinlichkeiten. Geeignet sind demnach nur solche Formate, die das Verhältnis von Teil zu Ganzem explizit abbilden, etwa Icon-Arrays oder gestapelte Balken. Grafiken, die lediglich den Zähler zeigen, ohne den Bezugsrahmen sichtbar zu machen, führen zu einer Überschätzung von Risiken und Effekten. Studien belegen, dass Patientinnen und Patienten Wahrscheinlichkeiten als größer wahrnehmen, wenn der zugrunde liegende Nenner visuell ausgeblendet wird.

Zahlen in einen Kontext bringen

Fünftens und abschließend unterstreichen die Autoren die Notwendigkeit, Zahlen mit interpretativem Kontext zu versehen, insbesondere bei für Laien ungewohnten Messwerten wie Biomarkern. Referenzbereiche allein seien oft unzureichend. Hilfreicher seien zusätzliche Informationen zu Zielwerten, Handlungsschwellen oder klinisch relevanten Veränderungen. Experimentelle Studien zeigen, dass solche »Anker« die Wahrnehmung moderater Abweichungen beruhigen können, ohne die Sensibilität für tatsächlich kritische Werte zu vermindern.

Beispiel: Statt »Ihr HbA1c liegt bei 8,3 Prozent. Normal sind 4,0 bis 5,6 Prozent« besser »Ihr HbA1c liegt bei 8,3 Prozent. Für Sie liegt unser Ziel unter 7 Prozent und schon eine Veränderung von 0,5 Prozent macht einen signifikanten Unterschied.«

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