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Mikroalbuminurie als Risikomarker

Datum 05.11.2001  00:00 Uhr
DIABETES

Mikroalbuminurie als Risikomarker

von Wolfgang Piehlmeier, München

Wenn Diabetiker dauerhaft Eiweiß mit dem Urin ausscheiden, weist dies auf eine beginnende Nierenschädigung hin. Mehrere einfache Tests des Morgenurins innerhalb einer Woche geben Aufschluss, ob eine Mikroalbuminurie vorliegt. Der frühe Nachweis kann die Patienten vor der Dialyse oder einer Nierentransplantation bewahren.

Etwa jeder dritte Diabetiker scheidet erhöhte Mengen des körpereigenen Eiweißes Albumin im Urin aus. Je nach Ausprägung unterscheidet man Mikro- und Makroalbuminurie. Sofern sie nicht nur vorübergehend auftritt, zum Beispiel bei einer starken Blutzuckerentgleisung oder einem Harnwegsinfekt, zeigt sie eine generelle Störung des Gefäßsystems an. Diese ist einerseits mit einem drastisch erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, peripheren Durchblutungsstörungen und einer verringerten Lebenserwartung verbunden. Andererseits zeigt sie ein frühes Stadium der diabetischen Nierenschädigung, einer so genannten diabetischen Nephropathie an.

Somit sind alle Diabetiker mit einer Mikro- oder Makroalbuminurie als Hochrisiko-Patienten einzustufen. Deshalb ist es besonders wichtig, bei Typ-1-Diabetes ab dem fünften Jahr nach Beginn der Erkrankung und bei Typ-2-Diabetes ab der Diagnosestellung mindestens einmal jährlich auf Mikroalbuminurie zu testen. Bei einer rechtzeitigen Erkennung und Behandlung dieser Hochrisiko-Patienten mit blutdrucksenkenden Präparaten kann nicht nur der Verlauf der Erkrankung günstig beeinflusst und die Lebenserwartung erhöht werden, sondern auch eine Kosteneinsparung im Gesundheitswesen erreicht werden.

Wie funktioniert der Albuminurie-Test?

Wichtig: Zunächst Urinstatus bestimmen und nur bei unauffälligem Befund auf Mikroalbumin testen. Eine Mikroalbuminurie liegt vor, wenn die Untersuchung mit dem Mehrfach-Urin-Teststreifen ein unauffälliges Ergebnis erbracht hat und daraufhin in mindestens zwei von drei Urinproben einer Woche (erster Morgenurin) 20 Milligramm Albumin oder mehr pro Liter Urin gemessen wurden. Wurden bereits 200 Milligramm Albumin oder mehr pro Liter Urin gemessen, liegt eine Makroalbuminurie vor. Ein positives Ergebnis für Eiweiß im Mehrfach-Urin-Teststreifen stellt lediglich einen Hinweis auf eine Makroalbuminurie dar. Die Bestätigung sollte mit einer exakten Messung erfolgen.

Testwoche

In der Woche vom 12. bis 17. November findet in den deutschen Apotheken die Mikroalbuminurie-Testwoche statt. Für einen entsprechenden Unkostenbeitrag kann jeder Diabetiker seinen Urin testen lassen. Informationsmaterial zur Aktion wurde bereits an die teilnehmenden Apotheken ausgeliefert. In verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen werden Anzeigen geschaltet, die Diabetiker zum Mikroalbuminurie-Test aufrufen. Unterstützt wird die Aktion von PROSIT®, dem Proteinurie-Sreening-Interventions-Projekt, der Deutschen Dialysegesellschaft niedergelassener Ärzte e. V. (DDnÄ), der Deutschen Diabetes Union (DDU), dem Diabetiker Infonetz, den Deutschen Diabetiker Bund (DDB) sowie den Firmen Bayer Diagnostics und Hartmann. Organisiert wird die Aktion von der Apotheken Marketing Beratung Eder, Pirmasens.

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