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Forderung der Barmer
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Medikationsplan für alle Frauen im gebärfähigen Alter

Vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel können bestimmte Arzneimittel dem Embryo schaden. Um dies zu verhindern, fordert die Krankenkasse Barmer, eine Dauermedikation bei Frauen im gebärfähigen Alter systematisch zu dokumentieren.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 12.08.2021  14:18 Uhr

In anderen Ländern geht es besser

»Dass es besser geht, zeigen Beispiele aus anderen Ländern wie Großbritannien«, so Straub. Dort gelte das Verschreiben eines teratogenen Arzneimittels als »never event«. Das seien Ereignisse, die grundsätzlich vermeidbar seien und solche katastrophalen Konsequenzen hätten, dass sie nie auftreten dürften. »In Deutschland muss die Verordnung teratogener Arzneimittel ebenfalls zum ›never event‹ werden, zumindest in der Frühschwangerschaft«, forderte Straub.

Als noch zu häufig eingesetztes starkes Teratogen in Deutschland nannte Grandt das Antiepileptikum Valproinsäure. »Wir sehen jedoch in Ländern, wo es durch sichere Alternativen ersetzt wurde, dass die Missbildungsraten zurückgehen«, berichtete der Chefarzt am Klinikum Saarbrücken. Die Verordnung teratogener Arzneistoffe sei im Einzelfall akzeptabel, jedoch nur nach einer sehr differenzierten Risikoabwägung. »Wir sehen aber keinen Hinweis, dass dies immer erfolgt«, so Grandt.

Ein Projekt, um das Risiko teratogener Verordnungen zu senken, sei eRIKA, das vom Innovationsfonds gefördert wird. Dabei sollen Ärzte bereits beim Ausstellen eines Rezepts Transparenz über die Gesamtmedikation erhalten. Bei Verordnung eines problematischen Arzneimittels für eine Patientin im gebärfähigen Alter wird automatisch ein Hinweis ausgespielt. Weiterhin könne eine patientenfokussierte digitale Anwendung bereitgestellt werden, um ergänzend Schwangeren oder Frauen, die eine Schwangerschaft planen, derartige Warnhinweise zu geben. Bei eRIKA arbeitet die Barmer mit Ärzten und Apothekern zusammen sowie mit der Berliner Charité, bei der die Datenbank Embryotox angesiedelt ist.

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