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Covid-19-Therapie
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Long-Covid-Risiko mit Paxlovid minimieren

Die Behandlung einer akuten SARS-CoV-2-Infektion mit Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid™) scheint das Risiko für ein Post-Covid-Syndrom zu reduzieren. Darauf deuten die Ergebnisse einer kürzlich durchgeführten Kohortenstudie mit 281.793 Corona-Patienten hin.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 29.03.2023  07:00 Uhr

Das Risiko für langfristige Gesundheitsprobleme, Krankenhausaufenthalte und Tod nach einer SARS-CoV-2-Infektion sinkt, wenn Patienten in der akuten Krankheitsphase mit dem antiviralen Medikament Paxlovid behandelt werden. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende der Washington University School of Medicine in St. Louis und des Veterans Affairs St. Louis Health Care System, die ihre Ergebnisse in »JAMA Internal Medicine« veröffentlicht haben.

Dr. Yan Xie und seine Kollegen hatten den Krankheitsverlauf von 281.793 Patienten ausgewertet, die akut an Covid-19 erkrankt waren. Alle Patienten wiesen mindestens einen Risikofaktor für einen schweren Covid-19-Verlauf auf. Allerdings wurden nur 35.717 Patienten mit Paxlovid (Nirmatrelvir plus Ritonavir) behandelt, während die übrigen 246.076 das antivirale Medikament nicht erhielten.

Die Forschenden konnten zeigen, dass die Behandlung mit Paxlovid in der akuten Krankheitsphase (innerhalb von fünf Tagen nach Auftreten der Symptome) mit einem um 26 Prozent verringerten Risiko für die Entwicklung eines Long-Covid-Syndroms verbunden war.

Weniger Herzprobleme, Thrombosen und »Brain Fog«

Konkret verringerte die Behandlung mit Paxlovid das Risiko für zehn von 13 Komplikationen, die mit dem Long-Covid-Syndrom in Verbindung gebracht werden, darunter Herz-Rhythmus-Störungen, ischämische Herzkrankheit, Lungenembolie, tiefe Venenthrombose, Müdigkeit und Schwindel, akute Nierenerkrankung, Muskelschmerzen, neurokognitive Beeinträchtigung, Dysautonomie und Kurzatmigkeit.

Auch reduzierte die Behandlung mit Paxlovid das Risiko, nach der akuten Krankheitsphase zu versterben, um 47 Prozent und das Risiko eines postakuten Krankenhausaufenthalts um 24 Prozent. Diese Effekte waren unabhängig vom Impfstatus und von der Anzahl früherer SARS-CoV-2-Infektionen und Reinfektionen. Die Autoren vermuten, dass eine frühzeitige antivirale Therapie Entzündungen und Organschäden verhindert und die Wahrscheinlichkeit einer Viruspersistenz reduziert, so dass es nicht zur Manifestation von Long Covid kommt.

Antivirale Medikamente zur Long-Covid-Prophylaxe

»Long Covid hat sich zu einem drängenden Problem der öffentlichen Gesundheit entwickelt, das weitreichende Bedenken aufwirft – von sinkender Lebenserwartung über belastete Gesundheits- und Beschäftigungssysteme bis hin zu geschwächten Volkswirtschaften auf lokaler Ebene weltweit«, wird der Hauptautor Dr. Ziyad Al-Aly, klinischer Epidemiologe an der Washington University, in einer Pressemitteilung der Washington University School of Medicine in St. Louis zitiert.

Die Studie lege nahe, dass Paxlovid ein wirksames Mittel sei, um die bedrohlichen Langzeitschäden von Covid-19 zu verringern, so Al-Aly. Er sei zuversichtlich, dass antivirale Medikamente der Schlüssel zur Verhinderung von Covid-19-Langzeitkomplikationen sein könnten.

Die Forschenden weisen auf mehrere Limitationen der Studie hin. So schränke die demografische Zusammensetzung der Kohorte (mehrheitlich ältere, weiße, männliche Erwachsene) die Verallgemeinerbarkeit der Studienergebnisse ein. Zudem garantiert die Verordnung von Paxlovid nicht die zuverlässige und korrekte Einnahme der Medikation. Auch wurde die Nachbeobachtungszeit auf 180 Tage nach der Infektion beschränkt.

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