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Lob und Kritik für Digital-Gesetze

Die Digital-Gesetze, die der Bundestag heute beschlossen hat, sind auf ein geteiltes Echo gestoßen. Während die Apothekerschaft, Pharmaverbände und Krankenkassen die Gesetze überwiegend begrüßten, übten Ärzteverbände Kritik.
AutorKontaktAnne Orth
Datum 14.12.2023  17:50 Uhr
KBV warnt vor mehr Arbeit und Bürokratie für die Praxen

KBV warnt vor mehr Arbeit und Bürokratie für die Praxen

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnte vor mehr Arbeit und Bürokratie für die Praxen. So habe die Ampel in letzter Minute die Pflichten der Ärzte ausgeweitet, die EPA zu befüllen und Patienten bei der Nutzung zu helfen. Diese Zeit fehle für die Versorgung. Die Bundesärztekammer (BÄK) begrüßte die Opt-Out-Regelung bei der EPA, kritisierte aber die Zugriffsverwaltung, die an manchen Stellen zu kleinteilig gestaltet sei. Der Gesetzentwurf sehe überdies Fristen vor, die überwiegend als unrealistisch einzuschätzen seien. 

Nach Ansicht des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) kann die EPA der Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung große Impulse geben. Daher unterstütze der Verband das Opt-Out-Verfahren. Erfolgsfaktor des Prinzips sei neben dem erlebbaren Nutzen das Vertrauen der Versicherten. Es müsse gewährleistet sein, das die technische Infrastruktur für eine reibungslose Nutzung der EPA bereitstehe. Ein Widerspruch gegen die EPA müsse einfach, selbsterklärend und barrierefrei möglich sein. Versicherte, die der EPA widersprechen, müssten vor Diskriminierung im Versorgungsalltag geschützt werden.

BPI: GDNG geht in die richtige Richtung

Zahlreiche Reaktionen gab es auch auf die Verabschiedung des Gesundheitsdatennutzungsgesetzes. »Es ist längst überfällig, dass wir das Potenzial von Gesundheitsdaten für die Behandlung von Patientinnen und Patienten ausschöpfen«, kommentierte Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der pharmazeutischen Industrie (BPI). Der Verband begrüße die Absicht, durch neue Instrumente wie der zentralen Datenzugangs- und Koordinierungsstelle bürokratische Hürden abzubauen. Insofern gehe das GDNG in die richtige Richtung, weitere Maßnahmen müssten jedoch folgen. Unter anderem brauche es die Anbindung weiterer Register an das Forschungsdatenzentrum, den Abbau weiterer bürokratischer Hürden bei der Beantragung und Durchführung von klinischen Studien sowie eine nutzenorientierte Auslegung der Datenschutzgrundverordnung. Das Medizinforschungsgesetz könnte daher ein weiterer wichtiger Schritt sein.

 Der AOK-Bundesverband befürwortete die Möglichkeit für Krankenkassen, datengestützte Auswertungen zum individuellen Gesundheitsschutz und zur Verbesserung der Versorgung vorzunehmen und ihre Versicherten auf dieser Basis individuell anzusprechen. »Krankenkassen verfügen zum Beispiel über Informationen zu allen Arzneimitteln, die von unterschiedlichen Leistungserbringern verordnet werden. Auf Basis dieser Daten können wir unsere Versicherten auf mögliche schwerwiegende Wechselwirkungen hinweisen«, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Jens Martin Hoyer. Die ABDA lehnt das geplante Recht der Kassen, Versichertendaten automatisiert auszuwerten und ihre Versicherten auf Gesundheitsrisiken hinzuweisen, hingegen strikt ab.

Der Bundesrat wird sich voraussichtlich am 2. Februar im zweiten Durchgang mit dem Digital-Gesetz und dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz befassen. Erst danach können sie in Kraft treten.

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