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WHO-Abkommen
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Lauterbach feiert Pandemieplan

Die nächste Pandemie wird sicher kommen – und Experten rechnen eher früher als später damit. Um künftig besser vorbereitet zu sein, haben sich die Staaten innerhalb der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf einen Pandemie-Vertrag geeinigt. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) bezeichnete die Einigung als »historisch«, bedauert aber den Austritt der USA.
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 16.04.2025  13:00 Uhr

Der WHO-Vertrag soll sicherstellen, dass bei künftigen Ausbrüche von Viren oder anderen Erregern mit Pandemiepotenzial die verfügbaren Informationen schneller geteilt werden. Im Gegenzug bekommen die betroffenen Länder dann auch schneller Impfstoffe und Medikamente, erklärte Lauterbach. Es sei eine »Win-Win-Situation für die ganze Welt«. Man sei damit auf die nächste Pandemie besser vorbereitet.

Rückblickend auf die Corona-Pandemie erklärte Lauterbach: »Wenn wir bei der letzten Pandemie die Erreger früher erkannt hätten, hätten wir wahrscheinlich schneller gegenreagieren können. Somit wäre der Verlauf möglicherweise besser verlaufen.« Aber es gehe auch um Pandemien, die abgewendet werden können in Zukunft. Mit dem Abkommen steige die Wahrscheinlichkeit, dass ein lokaler Ausbruch nie zu einer Pandemie wird.

Bedauerlich ist aus Sicht der Weltgemeinschaft, dass die USA unter der Führung von Präsident Donald Trump aus der WHO austreten will. Dadurch sei natürlich auch das Pandemie-Abkommen geschwächt worden. Der Rest der Weltgemeinde habe aber sehr gut zusammengearbeitet, der Vertrag sei angesichts der widrigen Umstände eine große Leistung.

Hilfe für ärmere Länder 

In dem Abkommen ist laut Lauterbach zudem vorgesehen, dass wirtschaftlich schwächere Länder im Fall einer Pandemie schneller und ausreichend mit Impfstoffen versorgt werden können. Im Gegenzug müssten sie ihre Gesundheitssysteme stärken – wiederum unterstützt von den reicheren Ländern.

Angesprochen auf den Spagat zwischen internationaler Hilfe und dem Schutz geistigen Eigentums, erklärte Lauterbach: »Wenn das geistige Eigentum nicht geschützt ist, dann erlahmen die Forschungsanstrengungen, auch die Forschungsmittel versiegen. Wichtig ist, dass es zur Forschung kommt, aber wenn es Ergebnisse gibt, dann müssen von diesen Ergebnissen auch die ärmeren Länder entsprechend profitieren können.«

Bei dem Pressetermin wurde Lauterbach auch zum Fortgang bei der EPA un den Finanzen der Krankenversicherungssysteme befragt. Der scheidende Minister sprach von einem »erheblichem Beitragsdruck«. Mitte des Jahres, spätestens im Herbst würden Beitragssatzsteigerungen wahrscheinlich werden.

Es sei genug Geld im System, dieses aber zu ineffizient. Seine eigenen Reformen in den Bereichen Krankenhaus, Digitalisierung, Hausärzte und Prävention würden langfristig wirken und den Beitragssatzdruck senken. »Aber diese Reformen müssen weitergeführt werden und dürfen auf gar keinen Fall verwässert werden. Wir können nicht immer weiter in ein komplett ineffizientes System Geld hineinpumpen.«

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