AKNR-Präsident Armin Hoffmann, der zugleich Präsident der Bundesapothekerkammer ist, hat laut Mitteilung in seiner anschließenden Rede die Punkte des Ministers aufgegriffen und sie aus der Perspektive der Apothekerschaft eingeordnet.
Der Neujahrsempfang sei mehr als ein gesellschaftlicher Termin, wird Hoffmann zitiert. Er sei ein Ort der kritischen Selbstvergewisserung und des gemeinsamen Vorausdenkens. Das Gesundheitswesen stehe vor tiefgreifenden, technologischen und politischen Umbrüchen, auf die auch die Apothekerschaft Antworten finden müsse. »Es ist nicht die Frage, ob sich das Gesundheitssystem ändern muss, sondern nur die, mit welchem Ziel und mit wem.«
Hoffmann habe auf die wachsende Diskrepanz verwiesen zwischen gesetzlichem Versorgungsauftrag und wirtschaftlicher Realität vieler Apotheken. Während der Versorgungsbedarf durch eine alternde Gesellschaft, komplexere Arzneimitteltherapien und erweiterte Therapiemöglichkeiten steige, sinke die Zahl der Apotheken kontinuierlich, so der AKNR-Präsident. »Zwischen dem klar definierten gesetzlichen Auftrag und der ökonomischen Realität klafft zunehmend eine Lücke. Diese Lücke muss schnell geschlossen werden«, habe Hoffmann betont.
Zugleich habe der Kammerpräsident die Rolle der Apotheken als verbindendes Element im Gesundheitssystem hervorgehoben. Die klassische Sektorentrennung entspreche nicht mehr der Lebensrealität der Patientinnen und Patienten. Apotheken könnten hier Brücken schlagen: zwischen Arztpraxis und Klinik, zwischen Verordnung und Anwendung sowie zwischen Therapieplan und Alltag. Zwar seien die Sektorengrenzen tief im Gesetz verankert, doch eröffne insbesondere das Sozialgesetzbuch V Möglichkeiten für sektorenübergreifende Versorgungsformen.
Ein zentrales Zukunftsthema sei laut Hoffmann dabei die Digitalisierung. Elektronische Patientenakte und digitale Medikationspläne könnten die Versorgung verbessern – allerdings nur, wenn Apotheken gleichberechtigt eingebunden würden. »Ein Medikationsplan ohne die Expertise der Apothekerinnen und Apotheker bleibt unvollständig«, stellte Hoffmann klar. Digitalisierung müsse die menschliche Beratung unterstützen, nicht ersetzen.
Hoffmann habe darüber hinaus deutlich gemacht, dass die Weiterentwicklung der Apotheken auch eine Investition in Fachkräfte voraussetze. Gute Arbeitsbedingungen, moderne Ausbildungsstrukturen und verlässliche Perspektiven seien keine berufsständischen Sonderwünsche, sondern Voraussetzung für eine sichere Versorgung.
Abschließend habe der Kammerpräsident dazu aufgerufen, die Chancen der anstehenden Reform aktiv zu nutzen. Die Weiterentwicklung der Vor-Ort-Apotheken zu modernen, hochqualifizierten Anlaufstellen der Primärversorgung sei eine einmalige Gelegenheit – für die Apothekerschaft ebenso wie für das gesamte Gesundheitssystem.