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Neujahrsempfang AKNR
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Laumann sendet klares Signal zur Apothekenstärkung

NRW-Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat der Apothekerschaft seine Unterstützung versichert.  In seiner Rede auf dem Neujahrsempfang der Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) warnte er zudem vor einer Zentralisierung der Arzneimittelversorgung.
AutorKontaktPZ
Datum 28.01.2026  10:56 Uhr

Auf dem traditionellen Neujahrsempfang der Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) hat Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann die wichtige Rolle der Vor-Ort-Apotheken unterstrichen. Wie die Kammer informierte, habe der Minister sich auch deutlich zur Frage der Honorierung positioniert.

Eine rein politisch festgelegte Erhöhung reiche aus seiner Sicht nicht aus, wird der Minister zitiert.

»Wir brauchen für Apotheken Lösungen, die vergleichbar sind mit anderen Bereichen im Gesundheitswesen, in denen Leistungen auch verhandelt werden.« NRW habe hierzu differenzierte Vorschläge in den Bundesrat eingebracht, wenn sich aber die Apothekerverbände in den Ländern nicht einig seien, werde es schwer, hier zu verlässlichen Lösungen zu kommen.

Bei der Veranstaltung am 26. Januar in der Maxkirche in Düsseldorf habe Laumann in seiner Rede versichert, dass die Landesregierung fest zur wohnortnahen Arzneimittelversorgung durch Vor-Ort-Apotheken steht. Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten und zunehmender Krisenanfälligkeit müsse das Gesundheitssystem resilient aufgestellt sein. »Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Apotheken auch in Zukunft als einen zentralen Bestandteil unseres Gesundheitswesens brauchen«, habe Laumann betont.

Fokus auf »historisch gewachsene dezentrale Apothekenstruktur«

Mit Blick auf die strukturellen Veränderungen im Arzneimittelmarkt habe der Minister vor einer schleichenden Zentralisierung gewarnt. Ein System, das auf wenige große Einheiten setze, sei deutlich anfälliger als die historisch gewachsene dezentrale Apothekenstruktur. »Es ist schlimm, wenn eine Apotheke pleitegeht. Aber wenn eine einzelne Apotheke pleitegeht, geht noch lange nicht das ganze Apothekensystem kaputt.« Gerade die Vielzahl an selbstständigen Apotheken sei kein Nachteil, sondern eine Stärke des Systems, so der Minister laut Kammermitteilung.

Zudem habe Laumann sich für mehr Eigenverantwortung der Apothekerinnen und Apotheker ausgesprochen. Die Apotheke vor Ort müsse Gestaltungsspielräume behalten, um flexibel auf regionale Versorgungsbedarfe reagieren zu können. NRW setze sich deshalb weiterhin für eine entschlackte Apothekenbetriebsordnung ein, die klare Grundsätze definiere, die konkrete Ausgestaltung aber stärker in der Verantwortung der Apotheken liege.

Ein weiterer Schwerpunkt von Laumanns Rede war nach Kammerangaben der Versandhandel mit Arzneimitteln. Gleiche Wettbewerbsbedingungen setzten gleiche Qualitätsanforderungen voraus. »Es kann nicht sein, dass der Zentralhandel mit Medikamenten bei Transporten andere Vorgaben hat als der Versandhandel aus Holland.« Die Länder seien sich einig, dass Qualitätsvorgaben nicht nur auf dem Papier stehen dürften, sondern wirksam kontrolliert werden müssten. Man könne zwar nicht in den Niederlanden kontrollieren. Sobald die Sachen aber in das Territorium von NRW kämen, müsse das zumindest anlassbezogen möglich sein.

Ebenso habe Laumann eine Aktualisierung der Liste gefordert, aus welchen Staaten der Versandhandel möglich ist, die sogenannte Länderliste. »Es kann nicht sein, dass Apotheken den Arzneimittelvertrieb in Holland verboten bekommen, weil sie nicht gut arbeiten, aber weiter Versandhandel nach Deutschland betreiben können.«

AKNR-Präsident Hoffmann: Neujahrsempfang als Ort des »gemeinsamen Vorausdenkens«

AKNR-Präsident Armin Hoffmann, der zugleich Präsident der Bundesapothekerkammer ist, hat laut Mitteilung in seiner anschließenden Rede die Punkte des Ministers aufgegriffen und sie aus der Perspektive der Apothekerschaft eingeordnet.

Der Neujahrsempfang sei mehr als ein gesellschaftlicher Termin, wird Hoffmann zitiert. Er sei ein Ort der kritischen Selbstvergewisserung und des gemeinsamen Vorausdenkens. Das Gesundheitswesen stehe vor tiefgreifenden, technologischen und politischen Umbrüchen, auf die auch die Apothekerschaft Antworten finden müsse. »Es ist nicht die Frage, ob sich das Gesundheitssystem ändern muss, sondern nur die, mit welchem Ziel und mit wem.«

Hoffmann habe auf die wachsende Diskrepanz verwiesen zwischen gesetzlichem Versorgungsauftrag und wirtschaftlicher Realität vieler Apotheken. Während der Versorgungsbedarf durch eine alternde Gesellschaft, komplexere Arzneimitteltherapien und erweiterte Therapiemöglichkeiten steige, sinke die Zahl der Apotheken kontinuierlich, so der AKNR-Präsident. »Zwischen dem klar definierten gesetzlichen Auftrag und der ökonomischen Realität klafft zunehmend eine Lücke. Diese Lücke muss schnell geschlossen werden«, habe Hoffmann betont.

Zugleich habe der Kammerpräsident die Rolle der Apotheken als verbindendes Element im Gesundheitssystem hervorgehoben. Die klassische Sektorentrennung entspreche nicht mehr der Lebensrealität der Patientinnen und Patienten. Apotheken könnten hier Brücken schlagen: zwischen Arztpraxis und Klinik, zwischen Verordnung und Anwendung sowie zwischen Therapieplan und Alltag. Zwar seien die Sektorengrenzen tief im Gesetz verankert, doch eröffne insbesondere das Sozialgesetzbuch V Möglichkeiten für sektorenübergreifende Versorgungsformen.

Zukunftsthema Digitalisierung

Ein zentrales Zukunftsthema sei laut Hoffmann dabei die Digitalisierung. Elektronische Patientenakte und digitale Medikationspläne könnten die Versorgung verbessern – allerdings nur, wenn Apotheken gleichberechtigt eingebunden würden. »Ein Medikationsplan ohne die Expertise der Apothekerinnen und Apotheker bleibt unvollständig«, stellte Hoffmann klar. Digitalisierung müsse die menschliche Beratung unterstützen, nicht ersetzen.

Hoffmann habe darüber hinaus deutlich gemacht, dass die Weiterentwicklung der Apotheken auch eine Investition in Fachkräfte voraussetze. Gute Arbeitsbedingungen, moderne Ausbildungsstrukturen und verlässliche Perspektiven seien keine berufsständischen Sonderwünsche, sondern Voraussetzung für eine sichere Versorgung.

Abschließend habe der Kammerpräsident dazu aufgerufen, die Chancen der anstehenden Reform aktiv zu nutzen. Die Weiterentwicklung der Vor-Ort-Apotheken zu modernen, hochqualifizierten Anlaufstellen der Primärversorgung sei eine einmalige Gelegenheit – für die Apothekerschaft ebenso wie für das gesamte Gesundheitssystem.

 

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