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Topische Testosteron-Substitution
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Kuscheln als Risikofaktor

Bei der Testosteron-Substitution gilt die transdermale Gabe per Gel als die bevorzugte Applikationsweise. Die Anwendung ist jedoch nicht trivial. Es kann zur unbeabsichtigten transkutanen Übertragung auf Kontaktpersonen und Haustiere kommen. Hier ist das Apothekenteam gefragt.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 27.11.2025  13:30 Uhr

Testosteron gilt als das Hormon der Männlichkeit. Beim Fortbildungswochenende der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg stellte Professor Dr. Dogu Teber, Direktor der Urologischen Klinik Karlsruhe, Ursachen und Folgen eines Testosteronmangels vor – von Libidoverlust über Gewichtszunahme, erhöhtem Herz-Kreislauf- und Diabetesrisiko bis hin zu erektiler Dysfunktion.

Definitionsgemäß liegt ein Hypogonadismus vor, wenn der Testosteronspiegel unter 350 mg/dl (= 12 nmol/l) liegt. »Die Indikation zur Substitution ist allerdings nur gegeben, wenn auch Symptome auftreten, also die Funktion mehrerer Organe und die Lebensqualität beeinträchtigt sind«, sagte der Urologe.

Er verwies auf verschiedene Formen der Testosteron-Substitution. Am besten geeignet sei die transdermale Applikation per Gel. »Mit der einmal täglichen Applikation des Gels lassen sich am besten stabile Spiegel erzielen, die der physiologischen Rhythmik entsprechen. Auch die Dosisfindung funktioniert am besten mit dem Gel – besser als etwa Pflaster«, so der Experte. Sowohl intramuskuläre als auch perorale Darreichungsformen »peakten« dagegen zu stark, auch wenn Depotformen benutzt würden. Ohnehin sei die perorale Testosteron-Substitution in Deutschland nicht mehr üblich.

Doch Achtung: »Topische Sexualhormone sind in der Anwendung nicht ganz ohne. Sie können bei unbedachter Handhabung relativ schnell Auswirkungen auf die Angehörigen haben«, verdeutlichte Teber die Notwendigkeit einer korrekten Arzneimittelanwendung. Um Gefahren für Kontaktpersonen, Kleinkinder und Haustiere abzuwenden, sollte das pharmazeutische Personal die Patienten bei Verordnung und Abgabe topischer Sexualhormonpräparate über das Risiko einer versehentlichen Übertragung aufklären. Er stellte evidenzbasierte Präventionsmaßnahmen vor (siehe Kasten).

»Selbst bei Nutzung der gleichen Bettwäsche Nacht für Nacht ist das Risiko der Resorption durch die Partnerin oder den Partner mit relevanten Nebenwirkungen gegeben. Und Haustiere sind schon wegen ihrer geringen Körpermasse mit diesen Dosen überfordert«, so Teber.

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