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Bluttests bei Schwangeren
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Kritik an Pränataltest als Screeningtool

Im Bundestag wurde heute diskutiert, wie Bluttests auf Trisomien bei Schwangeren künftig überwacht werden sollen. Wichtige Fragen und Antworten im Überblick.
AutorKontaktdpa
Datum 20.03.2026  16:02 Uhr

Warum gibt es eine Diskussion?

Die Tests werden zu breit in Anspruch genommen, ist die Sorge von Kritikern. »Was ursprünglich als gezielte Untersuchung gedacht war, entwickelt sich zunehmend zu einem flächendeckenden Screening«, sagte der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger im Bundestag. »Aktuelle Zahlen belegen, dass der NIPT schon jetzt zur Regeluntersuchung in der Schwangerschaftsvorsorge geworden ist«, sagt Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und frühere Bundesgesundheitsministerin, laut Mitteilung. »Menschen mit Beeinträchtigung und ihre Angehörigen fühlen sich dadurch diskriminiert.« Der NIPT solle auf Kosten der Krankenkassen nicht standardmäßig, sondern nur bei Risikoschwangerschaften angewandt werden. In vielen Fällen führe die Diagnose Trisomie 21 zur Abtreibung des Kindes.

Im Antrag der Bundestagsabgeordneten wird auf Daten der Krankenkasse Barmer verwiesen, nach denen fast 50 Prozent der Schwangeren 2024 einen NIPT in Anspruch genommen haben sollen. Ein Jahr zuvor seien es 32 Prozent gewesen. »Damit ist der Test faktisch zu einem Screeningtest geworden«, heißt es in dem Antrag. Die Barmer ist mit rund 8,3 Millionen Versicherten die zweitgrößte gesetzliche Kasse.

Aus Sicht des Berufsverbands Niedergelassener Pränatalmediziner (BVNP) müssen die Tests differenziert bewertet werden. Der G-BA habe den NIPT ausdrücklich nicht als Screening- oder Routineuntersuchung in die Mutterschafts-Richtlinien aufgenommen, sondern als Test für begründete Einzelfälle, sagt Thomas von Ostrowski vom BVNP. In der Praxis zeige sich jedoch ein anderes Bild. »Die verfügbaren Routinedaten weisen darauf hin, dass der NIPT inzwischen in einem Umfang genutzt wird, der funktional einer Screening-Situation nahekommt.«

Die Debatte sei wichtig, sagt Marcus Graubner, Vorsitzender des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland (ABID). Denn die Gesellschaft sei vielfältig und dazu gehöre auch ein Leben mit Behinderung. »Wir brauchen eine gesellschaftliche Situation, wo Kinder mit Trisomie 21 nicht als Stigma angesehen werden, sondern als eine Bereicherung«, so Graubner.

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