| Carolin Lang |
| 07.10.2026 18:00 Uhr |
Circa 2 Prozent aller Menschen ab 40 Jahren haben ein Offenwinkelglaukom. Bei den Über-75-jährigen sind es 7 bis 8 Prozent. / © Getty Images/Rhys Hayward
Das Glaukom (grüner Star) ist eine Volkskrankheit, die mit steigendem Lebensalter häufiger auftritt. Das Offenwinkelglaukom ist die weitaus häufigste Form, bei der es zu einer langsam voranschreitenden Schädigung des Sehnervs kommt. Bereits in der Vergangenheit gab es Hinweise darauf, dass Statine das Risiko, ein solches Glaukom zu entwickeln, möglicherweise senken könnten. Ihre neuroprotektiven Eigenschaften werden noch erforscht.
Neue Daten liefert nun eine große retrospektive Kohortenstudie, die kürzlich im »British Journal of Ophthalmology« erschien. Die Arbeitsgruppe um Forest Lin am Morsani College of Medicine der University of South Florida, USA, führte dabei zwei Analysen durch, für die sie auf Daten des TriNetX-Forschungsnetzwerks zurückgriff. Sie untersuchte bei Personen über 40 Jahren, inwiefern sich die Einnahme von Statinen auf das Auftreten beziehungsweise auf ein bereits bestehendes Offenwinkelglaukom auswirkt.
Für die Analyse zur Glaukominzidenz verglich die Gruppe Daten von etwa 210.000 Personen für die im Studienzeitraum von 2006 bis 2026 eine Statineinnahme dokumentiert war, mit einer ebenso großen Kontrollgruppe, bei der dies nicht der Fall war. Es zeigte sich, dass die Statineinnahme nach fünf Jahren Beobachtungszeit mit einem um 15 Prozent geringeren Risiko für die Entwicklung eines Offenwinkelglaukoms assoziiert war. 2,3 Prozent der Statin-Anwender und 2,6 Prozent der Kontrollen waren neu an einem Glaukom erkrankt. Auch nach zehn Jahren war das Risiko geringer.
Für den zweiten Teil der Untersuchung wurden jeweils etwa 29.600 Glaukompatienten mit und ohne Statintherapie gematcht. Hier ging die Einnahme eines Lipidsenkers mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit einher, dass ein operativer Eingriff erforderlich war. Nach fünf Jahren war das Risiko für eine inzisionale Glaukomoperation um 36 Prozent, für eine minimalinvasive Glaukomoperation um 55 Prozent und für eine selektive Lasertrabekuloplastik um 60 Prozent reduziert. Auch waren Verschreibungen über Augentropfen zur Senkung des Augeninnendrucks seltener. Die Assoziationen bestanden auch nach zehn Jahren fort.
»Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Einnahme von Statinen sowohl mit einer geringeren Inzidenz des primären Offenwinkelglaukoms als auch mit einer geringeren Eskalation der Behandlung einhergeht«, resümiert die Arbeitsgruppe.
Einschränkend weist sie darauf hin, dass ihnen keine patientenindividuellen Daten, etwa ophthalmologische Befunde, zur Verfügung standen und sich durch das Studiendesign keine Kausalität ableiten lässt. »Dennoch ergänzen diese Ergebnisse die wachsende Zahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen zum Einsatz neuroprotektiver Wirkstoffe, die Medikamente zur Senkung des Augendrucks ergänzen oder unabhängig von diesen zur Behandlung und Vorbeugung des Glaukoms eingesetzt werden können.«
Weitere prospektive, randomisierte Studien seien erforderlich, um die Auswirkungen von Statinen auf Glaukome besser zu verstehen.