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Apotalk
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KI-Agenten und das OTC-Paradoxon

Rund 100 Apothekerinnen und Apotheker diskutierten beim »Apotalk« in der Kaufpark Apotheke in Berlin. Es ging um KI-Einsatz, Vernetzung, das OTC-Geschäft und die neue Leidenschaft der »Bild«-Zeitung.
AutorAlexander Müller
Datum 27.11.2025  12:00 Uhr

Zum siebten Mal luden die Apothekerinnen Maria Zoschke und Ina Lucas zum Apotalk in eine ihrer vier Apotheken. Neben vier kurzen Impulsvorträgen geht es bei den Veranstaltungen vor allem um den Austausch unter Kollegen.

Den Auftakt machte Annett Hanck vom Axel-Springer-Verlag. Mit der Corona-Pandemie hat auch die »Bild«-Zeitung die Bedeutung des Themas Gesundheit für sich entdeckt und hat inzwischen jeden Tag fünf Berichte aus diesem Bereich. Auch darüber, »warum das Apothekensterben so gruselig ist«, so Hanck. Bei den »Bild-Gesundheitsgipfeln« nutzt das Boulevardblatt seine Reichweite, um das Themen wie Frauen- oder Herzgesundheit an die breite Masse zu bringen. 1,7 Milliarden Kontakte seien mit den letzten vier Gipfeln erreicht worden, so Hanck, die sich auch bei den Healthcare-Frauen engagiert.

Künstliche Intelligenz kann im Alltag unterstützen, das ist inzwischen eine Binsenweisheit. Aber die KI muss wissen, was sie tun soll. Kay Klindwort stellte beim Apotalk sein KI-Modell »True+« vor. Im Kern geht es um vektorisieren Daten der Apotheke, etwas das QM-Handbuch, mit denen sich die KI unterhalten kann.

Die Anwendungsfälle reichen laut Klindwort von der Beratung zu Wechselwirkungen oder Nahrungsergänzungsmitteln, arbeitsrechtlichen Fragen, Einarbeitung neuer Mitarbeiter, Unterstützung bei Retaxationen, bis zur Analyse von Verkaufsdaten oder der Optimierung der Warenwirtschaft. Wichtig: True+ arbeite im eigenen Datenbereich mit Quellenzitat. Findet sich im eigenen Datenbereich nichts, gibt es einen eindeutigen Hinweis auf das Allgemeinwissen aus ChatGPT.

»Brains« für die Apotheke

Die Apothekenleitung kann eigene »Brains« für bestimmte Aufgaben anlegen und Nutzerrechte definieren. Für arbeitsrechtliche Fragen hat zum Beispiel nur Inhaber Zugriff, andere Brains lassen sich sogar innerhalb einer Kooperation teilen. »KI ist kein Trend, sie ist das neue Betriebssystem moderner Apotheken«, so Klindwort.

Auch »Frag‘ die Apotheke« von Apotheker Steffen Kuhnert arbeitet mittlerweile mit KI. Findet der inkludierte Chatbot keine Lösung, wird aber direkt an eine Apothekerin oder Apotheker weitergeleitet. »Es ist wichtig für den Kunden, dass er das Gefühl hat, in der Apotheke zu bleiben«, so Kuhnert. Das ist gerade in Zeiten wichtig, in denen neue Player wie dm den Apotheken nicht nur den Markt abnehmen wollen, sondern auch Serviceleistungen.

Der Faktor Mensch ist immer noch entscheidend

Wie es um das Verhältnis der Apotheke zu ihren Kunden bestellt ist, zeigte Anja Klauke vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) auf. Laut einer Umfrage ist den Kunden an der Apotheke vor Ort nach wie vor der persönliche Kontakt besonders wichtig: »Ich kenne das Team, ich treffe Menschen und das Team kennt mich«, fasste Klauke zusammen.

Der BPI hat auch Hersteller befragt, unter anderem zum E-Rezept. Während 70 Prozent der befragten Hersteller dies als Umbruch wahrnehmen, sieht das nur jeder zehnte befragte Apotheker so. Die Apothekenteams gehen auch mehrheitlich davon aus, dass die Kunden beim Einlösen eines E-Rezeptes zusätzlich OTC-Medikamente kaufen, die Kunden äußerten sich anders.

Der »Apotalk« ist eine Initiative von Apothekerin Maria Zoschke, Julien Dierks (Delfi Technologies), Sascha Vopel (Rolf Ressel Objekteinrichtungen) und Mathias Preuß (BD Rowa).

 

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